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Bärin mit Kopfverletzung: Mia versorgt ihren Teddy Lucy nach einem Sturz von der Schaukel.

Gegen die Angst

Krankenhaus der Kuscheltiere

Im „Teddybärenkrankenhaus“ üben Kinder an ihren Kuscheltieren, wie ein Besuch im Krankenhaus abläuft. Indem sie selbst in die Rolle des Arztes schlüpfen, verlieren die Kinder spielerisch die Angst.

Mia hat alles rundum vergessen, als sie Lucy mit dem Stethoskop abhört. Langsam und konzentriert fährt sie mit dem Instrument über Lucys Körper. Dann verkündet sie das Resultat ihrer Untersuchung: „Alles ist gebrochen“. Doch auch wenn Mia ihre Diagnose schon fast wie eine richtige Ärztin stellt, hat sie eigentlich einen ganz anderen Job: Mia ist erst vier und geht noch in den Kindergarten. Und auch Patientin Lucy leidet nicht wirklich unter schlimmen Schmerzen. Lucy ist Mias Teddybär und vermutlich eher schmerzunempfindlich.

Alles steril: Auch im Teddykrankenhaus ist Hygiene wichtig. Vor der Behandlung werden deshalb auch hier Handschuhe, OP-Haube, Mundschutz und Kittel übergestreift.

Mia und Lucy sind heute Ärztin und Patientin im „Teddybärenkrankenhaus“ im Pfarrsaal der Gemeinde St. Bonifaz. Hier üben Kindergartenkinder einmal im Jahr mit Medizinstudenten der LMU und TU, wie ein Besuch im Krankenhaus abläuft. Organisiert wird die Plüschtierklinik von den Fachschaften für Medizin der beiden Universitäten. Dahinter steht eine Initiative der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Die Idee: Kinder sollen spielerisch an Ärzte und Krankenhäuser herangeführt werden, so dass sie später im Ernstfall weniger Angst vor einer Behandlung haben. „Die Kinder dürfen hier selbst behandeln und lernen dabei, dass Krankenhäuser nichts Schlimmes sind“, erklärt Mitorganisatorin und Medizinstudentin Carina Burger.

In den Wochen vor dem Krankenhausbesuch denken sich die Kinder in ihren Kindergartengruppen eine Krankheitsgeschichte für ihre Stofftiere aus. Mias hellbraune Teddybärin Lucy zum Beispiel ist heute Morgen beim Spielen von der Schaukel gefallen.

In Schweden, wo die Idee der Teddybärenkrankenhäuser ursprünglich herkommt, hat sich das Konzept in über zehn Jahren etabliert. Und auch in München kommen jedes Jahr an die tausend Kinder in die Stofftierklinik, um ihre Spielgefährten verarzten zu lassen. Neben Mias gestürzter Bärin werden hier heute auch Stofftiger mit gebrochenen Beinen, Igel mit Zahnschmerzen und Haie mit gestauchten Flossen behandelt.

Wiederbelebung bei der Puppe: Der spielerische Umgang mit Krankenhausutensilien wie diesem Beatmungsgerät soll den Kindern helfen, Ängste abzubauen.

Um all die kranken Kuscheltiere auch gut versorgen zu können, hat die Münchner Teddybärenklinik mehrere OP-Tische, eine Apotheke und sogar eine eigene Zahnklinik, in der Zahmedizinstudenten mit den Kindern die Gebisse der Plüschtiere überprüfen. Vor der Tür können sich die Kinder darüber hinaus einen richtigen Krankenwagen von innen anschauen. Und damit alles noch echter wirkt, dürfen die Kleinen, bei den Behandlungen ihrer Patienten Mundschutz, Kittel und OP-Hauben tragen. Medizinstudentin Lea Samija opfert ihren freien Tag, um hier ehrenamtlich mitzuhelfen. Das Teddy-Krankenhaus sei auch für die angehenden Ärzte wichtig, sagt sie: „Im Studium haben wir oft nur mit Erwachsenen zu tun, der Umgang mit Kindern kommt zu kurz. Hier können wir das üben.“ Ihr Fazit: „Es gibt Lernerfolge auf beiden Seiten.“

Die vierjährige Mia jedenfalls ist zufrieden. Zusammen mit ihrer „Assistenzärztin“, der Medizinstudentin Franziska, hat sie ihre Diagnose noch einmal überprüft und festgestellt, dass es doch nicht ganz so schlimm ist. Nach einem Besuch an der Röntgenstation, einer großen Maus mit einer Taschenlampe an der Nase, steht fest: Lucys Knochen sind alle noch ganz, Lediglich den Kopf hat sich die Bärin beim Sturz von der Schaukel angeschlagen.

Darum wird sich Mia daheim im Kinderzimmer ganz professionell kümmern: Ein schneeweißer Verband, strikte Bettruhe und ein Eisbeutel werden dafür sorgen, dass Lucy sich schon bald wieder besser fühlt.

Von Annika Schall

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