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Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: Viele Patienten leiden sehr unter den Problemen mit ihrem Kniegelenk.

Ratgeber für Patienten

Knie!? Die wichtigsten Infos zu OP, Spritzen und Co.

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Das Knie ist nicht nur das größte Gelenk unseres Körpers, sondern auch ein besonders kniffliges: Es gilt als anfällig für langwierige Verletzungen und chronischen Verschleiß.

Kein Wunder, denn das Knie ist gewaltigen Belastungen ausgesetzt. Schon bei einem normalen Schritt muss es Krafteinwirkungen aushalten, die einem Gewicht von 300 Kilogramm entsprechen. 

Beim Springen und Stolpern können sogar 1,5 bis zwei Tonnen auf das Gelenk einwirken, wie Biomechaniker im Berliner Tagesspiegel berichteten. Entsprechend häufig nimmt das Knie Schaden – und landet unterm Messer. Nach Expertenschätzungen legen sich allein in Deutschland jedes Jahr mehr als eine halbe Million Kniepatienten auf den Operationstisch. 

Dabei gilt die Arthroskopie inzwischen als Standardmethode. Aber wie läuft der Eingriff überhaupt ab, wann macht er wirklich Sinn, und welche Alternativen gibt es für die Patienten? Dazu ganz generelle Fragen: Wie lassen sich Erkrankungen wie Arthrose und Verletzungen, beispielsweise Bänderrisse, Meniskus- und Knorpelschäden, effektiv behandeln? 

Im großen Patientenratgeber erklären die Spezialisten Dr. Ernst-Otto Münch und Professor Dr. Philipp Niemeyer von der Gemeinschaftspraxis Orthopädische Chirurgie München (OCM) in Sendling die Knackpunkte bei Kniebeschwerden und wie man sie in den Griff bekommt.

Arthroskopie: Das sollten Sie wissen 

  • Was ist eigentlich eine Arthroskopie? Grundsätzlich versteht man unter einer Arthroskopie eine Gelenkspiegelung. Dabei handelt es sich um eine Variante der sogenannten mininalinvasiven beziehungsweise endoskopischen Operationstechnik, der Volksmund spricht von Schlüsselloch-Chirurgie. Eine treffende Beschreibung des Grundprinzips: Denn dem Arzt reichen kleine Zugänge bzw. Löchlein aus, um eine Mini-Kamera und filigrane Instrumente ins Körperinnere zu transportieren.
Knie-Experte Dr. Ernst-Otto Münch.

„Das hat einen entscheidenden Vorteil“, erläutert der erfahrene Operateur Dr. Ernst-Otto Münch: „Man muss keine langen Hautschnitte mehr vornehmen und insgesamt viel weniger gesundes Gewebe verletzen, um zum Einsatzort zu gelangen. Dadurch erholt sich der Patient in der Regel schneller von dem Eingriff, und das Gesamtrisiko von Komplikationen, beispielsweise Blutverlust oder Wundheilungsstörungen, wird deutlich verringert. Auch die Narben sind natürlich viel kleiner. Deshalb gehören die endoskopischen OP-Techniken aus meiner Sicht zu den größten Fortschritten der Medizin in der jüngeren Vergangenheit.“

An den Gelenken ist die minimalinvasive Methode bereits seit vielen Jahren etabliert – bei einer Vielzahl von Erkrankungen bzw. Verletzungen gilt sie als Standard. Insbesondere die Arthroskopie des Kniegelenks zählt zu den häufigsten Eingriffen der gesamten Medizin.

  • Wie läuft eine Knie-Arthroskopie ab? In aller Regel setzt der Arzt zwei kleine Hautschnitte, sie sind jeweils nur etwa fünf Millimeter lang. Durch den ersten schiebt er das Arthroskop – ein etwa bleistiftdickes Röhrchen – ins Kniegelenk. Es enthält eine sogenannte Optik, praktisch eine Mini-Kamera, die Bilder aus dem Inneren des Gelenks auf einen Monitor überträgt. Durch den zweiten Kanal bringt der Operateur filigrane Instrumente wie Tasthaken, Fräsen oder Zangen ein. Während der Behandlung wird das Gelenk kontinuierlich mit einer speziellen Flüssigkeit gespült. Dadurch kann der Arzt alle wichtigen Bereiche des Kniegelenks inspizieren – beispielsweise die Menisken, die Kreuzbänder, die Knorpelschichten auf den Knochen und die Schleimhäute.

Die Kniearthroskopie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden – das hängt ebenso wie die Dauer des Eingriffs von der zu behandelnden Erkrankung ab (mehr dazu im Artikelteil über die häufigsten Verletzungen).

In den meisten Fällen wird die Arthroskopie bei Vollnarkose vorgenommen, sie kann aber auch mit einer sogenannten Spinalanästhesie durchgeführt werden. Dabei ist der Patient zwar ansprechbar, aber in etwa unterhalb des Beckens betäubt. Die Spinalanästhesie wird vor allem bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewandt, weil dieses Verfahren weniger belastend ist als eine Vollnarkose.

  • Wann macht eine Arthroskopie Sinn? „Arthroskopie ist nicht gleich Arthroskopie“, erläutert Münch. „Es kommt darauf an, zu welchem Zweck sie eingesetzt wird. Zur Diagnosestellung ist die Arthroskopie heutzutage praktisch überflüssig. Auch deshalb, weil die Qualität der bildgebenden Verfahren immer besser geworden ist – insbesondere der Kernspintomografie (MRT).

Auch bei schwerer Arthrose bringe die Arthroskopie so gut wie nichts, so Münch weiter. In diesem Zusammenhang ist oft von einer sogenannten „Gelenktoilette“ die Rede – das bedeutet: Der Operateur spült das Gelenk durch, glättet den Knorpel, entfernt freie Gelenkkörper, entzündetes Gewebe und löst augenscheinliche mechanische Blockaden. „Diese Maßnahmen verschaffen den Patienten aber meistens nur kurzfristig Linderung“, weiß Münch. „Sie können den Gelenkverschleiß nicht aufhalten, geschweige denn die Arthroseschäden heilen.“

Professor Philipp Niemeyer.

„Auf der anderen Seite dient die Arthoskopie, um Grunderkrankungen zu behandeln, die Arthrose befeuern können“, erklärt Münchs Kollege Professor Dr. Philipp Niemeyer. „Dazu zählen etwa Kreuzband- oder Meniskusverletzungen.“ Auch klar begrenzte Knorpelschäden können im Rahmen einer Arthroskopie behandelt werden (siehe Artikelteil über Knorpelchirurgie).

  • Welche Risiken birgt eine Arthroskopie? „Sie gilt insgesamt als sehr sicheres Verfahren“, betonen Niemeyer und Münch. Neben den allgemeinen OP-Komplikationen wie Thrombose oder Lungenembolie kann es in seltenen Fällen zu einer Infektion kommen. Diese muss mit Antibiotika behandelt werden, bei sehr hartnäckigem Keimbefall ist es nötig, das Gelenk erneut zu eröffnen und mechanisch, sprich mit Spezialinstrumenten, zu säubern. Zudem können bei einer Arthroskopie Nerven oder Blutgefäße Schaden nehmen – in der Hand eines erfahrenen Operateurs ist diese Gefahr allerdings verschwindend gering.
Dr. Münch hat bereits über 25.000 Patienten operiert, darunter viele Promis wie Georg Hackl.

  • Wie kann ein Patient einschätzen, ob eine Arthroskopie wirklich nötig bzw. erfolgversprechend zu sein erscheint? Fragen Sie Ihren Arzt, was 
genau er mit dem Eingriff bezweckt! Ein Profi wird außerdem gerne darüber Auskunft geben, wie oft er den Eingriff in seiner Laufbahn bereits vorgenommen hat und wie häufig er ihn aktuell im Jahr durchführt. „Um von Routine sprechen zu können, sollte ein Arzt mindestens 100 Arthroskopien im Jahr machen“, sagt Münch, der selbst per anno im Schnitt etwa 800 Knie versorgt und bereits mehr als 25.000 Patienten operiert hat. „Ich persönlich wäre einem Patienten auch nie beleidigt, wenn er sich noch eine Zweitmeinung von einem Kollegen einholt.“

Die Alternativen zur Arthroskopie 

  • Welche Alternativen gibt es zur Arthroskopie? Wenn es um die Diagnosestellung geht, bieten neben der entscheidenden klinischen (händischen) Untersuchung Röntgen- und Kernspinbilder (MRT) wichtige Anhaltspunkte. „Mit einem Röntgenbild lassen sich knöcherne Strukturen besser analyieren, das MRT ermöglicht eine bessere Beurteilung von Weichteilgewebe wie Knorpel, Menisken, Bändern und Sehnen“, erklärt Niemeyer.

Problematischer ist die Untersuchung bei Patienten, die einen Herzschrittmacher tragen. Sie dürfen nur in Ausnahmefällen und unter kardiologischer Kontrolle in die MRT-Röhre geschoben werden. Denn die Magnetresonanztomografie arbeitet, wie der Name schon sagt, mit einem Magnetfeld, das den Herzschrittmacher beschädigen kann. Deshalb werden Schrittmacher-Patienten manchmal alternativ mit einer Arthro-CT untersucht. Dabei handelt es sich um eine spezielle computertomografische Untersuchung – ebenfalls in der Röhre. Vorher wird ein Kontrastmittel ins Kniegelenk gespritzt, um die Aussagekraft der Bilder zu erhöhen.

Eine Röntgenaufnahme eines Knies mit Arthrose.
  • Wie lassen sich Knieschmerzen auch ohne OP lindern? Wenn die Beschwerden von Gelenkverschleiß verursacht werden, gilt es, möglichst früh die Ursachen zu bekämpfen. Dazu zählt Überlastung, beispielsweise durch Übergewicht. Neben dem Abnehmen können orthopädietechnische Hilfsmittel wie Schuhrand­erhöhungen oder Knieschienen (Fachbegriff Orthesen) helfen. „Ganz wichtig sind auch gezielte Kräftigungs- und Kordinationsübungen für bestimmte Muskelgruppen und Sehnen rund ums Kniegelenk“, erläutert Münch. „Moderne Trainingsprogramme zielen immer mehr darauf ab, das gesamte Bein zu stabilisieren. Eine gute Physiotherapie und Trainingsdisziplin sind oft entscheidend, um die Beschwerden auf Dauer in Schach halten zu können.“
  • Was bringen Spritzen ins Kniegelenk? In fast allen orthopädischen Praxen wird mittlerweile die Behandlung mit Hyaluronsäure angeboten. Es soll die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern, praktisch wie ein künstliches Schmiermittel wirken und den Knorpel zusätzlich mit Nährstoffen versorgen. „Hyaluronsäure kann den Knorpel allerdings nicht reparieren. Bislang konnte der Nutzen dieses Präparats in wissenschaftlichen Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden“, berichtet Niemeyer. Ein Grund dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Hyaluronsäure-Spritzen nicht übernehmen. Sie zählen zu den sogenannten „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL), die Kassenpatienten selber zahlen müssen. Für eine Hyaluronsäure-Spritze werden durchschnittlich 100 Euro Euro fällig, allerdings soll die Therapie in der Regel mehrfach wiederholt werden. Der Preis kann je nach Hersteller des Präparats variieren.

Immer mehr in Mode kommen auch sogenannte Eigenblutbehandlungen. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen und zentrifugiert – mit dem Ziel, bestimmte Bestandteile mit einer mutmaßlichen Heilwirkung herauszulösen. Diese körpereigenen Wachstumsfaktoren werden dann in konzentrierter Form an die erkrankte Stelle im Kniegelenk gespritzt.

Wie wir bereits berichteten, scheint die Eigenbluttherapie gegenüber der Behandlung mit Hyaluronsäure im Vorteil zu sein. „Das legen zumindest neuere wissenschaftliche Studie nahe“, erläutert Niemeyer. Für den Knorpel-Experten ist allerdings eine Feststellung besonders wichtig: „Beide Therapien bekämpfen nur die Symptome der Arthrose, nicht jedoch ihre Ursachen. Ihre Wirkung ist also auf einen bestimmten Zeitraum beziehungsweise auf ein bestimmtes Stadium der Arthrose begrenzt.“

Schnelle Hilfe bei akuten Knieschmerzen verspricht oft auch Kortison – ein hochwirksamer Entzündungshemmer, der häufig in Verbindung mit einem lokalen Betäubungsmittel ins Kniegelenk gespritzt wird. „Kortison sollte allerdings nur zurückhaltend und maßvoll dosiert eingesetzt werden“, betonen die Experten. 

Grund: Das Medikament kann bei Überdosierung Knorpel und Knochen schädigen. Außerdem erhöht es das Risiko einer Infektion im Kniegelenk, weil es die Durchblutung vermindert und damit auch die Immunabwehr herabsetzt.

Fünf häufige Knie-Erkrankungen und Verletzungen

Wenn sich die Arthrose erst mal so tief ins Kniegelenk gefressen hat, dass die schützende Knorpelschicht über den Knochen aufgebraucht ist, dann haben die Ärzte kaum noch Handlungsspielraum. Doch umgekehrt gilt: „Wir wissen heute, dass man Arthrose sehr effektiv vorbeugen kann, indem man die Grunderkrankungen behandelt – und zwar so frühzeitig wie möglich“, betont Niemeyer. So gelten beispielsweise Fehlstellungen der Beinachse (sogenannte O- oder X-Beine) ebenso als Knie-Killer wie akute, unfallbedingte Knorpelschäden oder andere Verletzungen. „Gerissene Kreuzbänder oder Menisken sind Risikofaktoren für eine spätere Arthrose“, weiß Münch. Wie man die häufigsten Erkrankungen und Verletzungen des Kniegelenks repariert, erklären die beiden Münchner Spezialisten hier:

Kreuzbandriss

  • Die Verletzung: Das vordere Kreuzband ist mit seinen drei bis vier Zentimetern Länge relativ kurz, aber einer der wichtigsten Stabilisatoren im Kniegelenk. „Es reißt ungefähr 20 Mal so häufig wie das hintere Kreuzband“, weiß Münch. „Das Grundproblem liegt in seiner geringen Elastizitätsreserve von 10 bis 15 Prozent. Das bedeutet: Es kann sich maximal etwa einen halben Zentimeter dehnen, dann reißt es.“
  • Die Behandlung: Eine Operation ist kein Muss, wird aber jüngeren und vor allem sportlich aktiven Patienten empfohlen. Der Grund: Bei der OP wird das defekte Kreuzband durch Sehnengewebe ersetzt. Es verleiht dem Knie wieder vergleichsweise viel Stabilität. Das Gewebe wird meist aus dem hinteren Oberschenkel entnommen. „Hier liegen einige Beugesehnen mit derselben Funktion, sodass man eine der Sehnen ohne größere Nachteile entnehmen kann. Wenn möglich, werden auch die Reste des gerissenen Kreuzbandes in die Plastik integriert. Sie beinhalten nämlich Zellstrukturen, die dem Körper als wichtige Bewegungsfühler dienen“, berichtet Münch.
  • Die OP- und Reha-Zeit: Der gesamte Eingriff dauert ungefähr 45 bis 60 Minuten. Wie bei den allermeisten Bandverletzungen muss der Patient hinterher mehrere Wochen auf Krücken gehen und eine Knieschiene tragen, die den Bewegungsradius des Beines einschränkt. „Bis das Knie wieder voll belastbar ist, vergeht in der Regel ein Jahr“, weiß Münch. Die Crux dabei: „Es dauert sehr lange, bis der Körper dieses schlecht durchblutete Band-Ersatzgewebe biologisch so umbaut und integriert, dass es wieder hundertprozentig stabil wird.“

Wer das Kreuzband zu früh belastet, der riskiert, dass es erneut reißt. „Wir wissen aus Studien, dass die Gefahr von sogenannten Rerupturen zwischen dem neunten und zwölften Monat am größten ist“, sagt Münch. 

Riss der Seitenbänder 

  • Die Verletzung: Das Innenband geht wesentlich häufiger kaputt als das Außenband. Es wird oft in Mitleidenschaft gezogen, wenn das Kreuzband reißt. Es ist allerdings mit 10 bis 14 Zentimetern wesentlich länger und hat eine größere Elastizitätsreserve – die Folge: In vielen Fällen kommt der Patient mit einer Dehnung oder einem Teileinriss davon.
  • Die Behandlung: „Wenn sonst kein Schaden im Knie entstanden ist, muss der Patient in der Regel nicht unters Messer“, sagt Münch. Stattdessen bekommt er Gehstützen und eine spezielle Kniegelenks-Orthese – das ist eine Schiene aus Kunststoff, die die Beweglichkeit des Beines einschränkt und das Kniegelenk von außen stabilisiert. Der Beugewinkel wird auf 20 bis 70 Grad begrenzt, damit sich stabiles Narbengewebe bilden, das Innenband also wieder zusammenwachsen kann. „Eine totale Ruhigstellung macht man heute bei Bandverletzungen generell nicht mehr, unter anderem deshalb, weil dadurch zu viel Muskelmasse verloren gehen würde und weil durch die Bewegung die Heilungsvorgänge beschleunigt werden“, so Münch.
  • Die Rehazeit: Der Patient muss etwa zehn bis 14 Tage auf Gehstützen laufen. Die Knieschiene trägt er rund sechs Wochen, nach etwa drei Monaten kann er in aller Regel wieder sporteln.

    Meniskusschaden

  • Die Verletzung: Es gibt etliche Varianten von Schäden am Meniskus. Spezialisten sprechen beispielsweise von Lappenrissen, Korbhenkelrissen oder Horizontalrissen. All diese Defekte können nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch Folgeerkrankungen auslösen – vor allem Knorpelschäden, denn die Menisken erfüllen unter anderem die Funktion von Stoßdämpfern im Gelenk.
  • Die Behandlung: „Früher galt die Lehrmeinung: Wenn am Meniskus etwas kaputt ist, muss er raus“, berichtet Münch. „Dagegen bemühen wir uns heute darum, so viel Meniskus wie möglich zu erhalten.“ In manchen Fällen lässt er sich nähen. „Die Naht kann aber nur dort einheilen, wo der Meniskus auch durchblutet ist. Dies ist lediglich in einem zwei bis drei Millimeter kleinen Bereich der Fall – nämlich an der Verbindungsstelle von Meniskus und Kapsel.“ Lässt sich der Meniskus nicht nähen, nimmt der Operateur eine sogenannte Teilentfernung vor.
  • Die OP- und Rehazeit: Ein erfahrener Arzt braucht dafür 20 bis 30 Minuten. Wenn der Meniskus genäht worden ist, muss der Patient für sechs Wochen eine Knieschiene tragen und 10 bis 14 Tage auf Gehstützen laufen. Ansonsten gilt: „In 90 Prozent der Fälle brauchen die Patienten etwa eine Woche lang Gehstützen, dann sind sie wieder alltagstauglich. Nach sechs bis acht Wochen können sie wieder sporteln“, sagt Münch.

Knorpelschäden

  • Die Verletzung: Das Knorpelgewebe besitzt zwar eine große Elastizität und Belastbarkeit, ist aber auch verletzlich – insbesondere wenn es Scherkräften ausgesetzt ist, also Belastungen bei starken seitlichen Drehbewegungen. Dann kann das Knorpelgewebe abreißen oder regelrecht abplatzen.
  • Die Behandlung: Bei klar begrenzten Knorpelschäden – nicht jedoch bei großflächiger Arthrose – können die Mediziner zwei etablierte Behandlungstechniken anbieten: zum einen die sogenannte Mikrofrakturierung. Dabei fräst der Operateur kleine Löchlein in den Knochen – mit dem Ziel, dass sich eine Art Blutsee oder Blutkuchen bildet. Daraus soll Bindegewebe erwachsen, dass vom Körper zu einer Art Knorpelersatzgewebe umgebaut wird.

Es ist auch möglich, körpereigene Knorpelzellen zu entnehmen, sie im Labor zu vermehren und diese an die defekten Stellen zu verpflanzen – Mediziner sprechen von einer Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT). Inzwischen ist das Verfahren so weit verfeinert worden, dass auch größere Knorpelschäden damit repariert werden können. „Es kann aber auch Sinn machen, kleinere Löcher zu behandeln – praktisch um einer Ausbreitung des Knorpelschadens vorzubeugen“, erklärt Niemeyer.

  • Die OP- und Rehazeit: Zur Mikrofrakturierung ist nur ein Eingriff nötig, zur Knorpeltransplantation zwei. Im ersten werden zwei kleine Knorpelproben entnommen und im Labor vermehrt. „Nach drei bis acht Wochen werden die vermehrten Zellen eingesetzt“, berichtet Niemeyer. Anschließend muss der Patient sechs Wochen lang auf Gehstüzen laufen.

Achsfehlstellung

  • Die Erkrankung: Sogenannte Fehlstellungen der Beinachse können die Druckverhältnisse im Knie massiv aus dem Gleichgewicht bringen. „Schon bei einem leichten O-Bein liegen etwa 80 bis 90 Prozent der Belastung auf der Innenseite des Knies, nur 10 bis 20 Prozent auf der Außenseite“, erklärt Niemeyer. In der Folge kann der Knorpel an der überlasteten Stelle massiv Schaden nehmen.
  • Die Behandlung: Schon vor Jahrzehnten haben Orthopäden Beinachsen in Operationen begradigt, aber erst in den vergangenen Jahren hat diese Therapie eine Art „Wiederbelebung“ erfahren – auch deshalb, weil die verwendeten Implantate zur Knochenstabilisierung immer besser geworden sind.

Trotzdem jagt die OP noch immer vielen Patienten einen kalten Schauer über den Rücken – und zwar deshalb, weil das Grundprinzip so martialisch klingt: Der Knochen wird praktisch durchgesägt, um ihn in seiner Position zu verändern. Anschließend wird der Knochen in einem um wenige Grad veränderten Winkel mit einer Platte und Schrauben wieder fixiert. Dadurch sollen sich die Druckverhältnisse im Kniegelenk ändern, die Belastung gleichmäßiger werden. „Nach der Achskorrektur, die wir Mediziner Umstellungsosteotomie nennen, sollte die Druckverteilung bei je 50 Prozent auf der Innen- und Außensenseite des Kniegelenks liegen“, so Niemeyer.

  • Die OP- und Rehazeit: Nach dem einstündigen Eingriff muss der Patient für etwa fünf Tage im Krankenhaus bleiben. Obwohl die eingesetzte Platte theoretisch eine Vollbelastung des Beines aushalten würde, sollte der Patient zunächst für einige Wochen auf Gehstützen laufen. Radeln ist nach etwa drei Monaten wieder möglich, belastenderer Sport wie Skifahren oder Tennis nach einem halben Jahr. Niemeyer: „Das hängt auch davon ab, wie schnell es der Patient schafft, seine Muskulatur wieder gut aufzubauen.“

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Andreas Beez

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