1. Startseite
  2. Leben
  3. Gesundheit

Knie!? Die wichtigsten Infos zu OP, Spritzen und Co.

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Beez

Kommentare

Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: Viele Patienten leiden sehr unter den Problemen mit ihrem Kniegelenk.
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: Viele Patienten leiden sehr unter den Problemen mit ihrem Kniegelenk. © obs/AGA Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie/Dirima/Fotolia

Das Knie ist nicht nur das größte Gelenk unseres Körpers, sondern auch ein besonders kniffliges: Es gilt als anfällig für langwierige Verletzungen und chronischen Verschleiß.

Kein Wunder, denn das Knie ist gewaltigen Belastungen ausgesetzt. Schon bei einem normalen Schritt muss es Krafteinwirkungen aushalten, die einem Gewicht von 300 Kilogramm entsprechen. 

Beim Springen und Stolpern können sogar 1,5 bis zwei Tonnen auf das Gelenk einwirken, wie Biomechaniker im Berliner Tagesspiegel berichteten. Entsprechend häufig nimmt das Knie Schaden – und landet unterm Messer. Nach Expertenschätzungen legen sich allein in Deutschland jedes Jahr mehr als eine halbe Million Kniepatienten auf den Operationstisch. 

Dabei gilt die Arthroskopie inzwischen als Standardmethode. Aber wie läuft der Eingriff überhaupt ab, wann macht er wirklich Sinn, und welche Alternativen gibt es für die Patienten? Dazu ganz generelle Fragen: Wie lassen sich Erkrankungen wie Arthrose und Verletzungen, beispielsweise Bänderrisse, Meniskus- und Knorpelschäden, effektiv behandeln? 

Im großen Patientenratgeber erklären die Spezialisten Dr. Ernst-Otto Münch und Professor Dr. Philipp Niemeyer von der Gemeinschaftspraxis Orthopädische Chirurgie München (OCM) in Sendling die Knackpunkte bei Kniebeschwerden und wie man sie in den Griff bekommt.

Arthroskopie: Das sollten Sie wissen 

„Das hat einen entscheidenden Vorteil“, erläutert der erfahrene

Knie-Experte Dr. Ernst-Otto Münch
Knie-Experte Dr. Ernst-Otto Münch. © Markus Götzfried

Operateur Dr. Ernst-Otto Münch: „Man muss keine langen Hautschnitte mehr vornehmen und insgesamt viel weniger gesundes Gewebe verletzen, um zum Einsatzort zu gelangen. Dadurch erholt sich der Patient in der Regel schneller von dem Eingriff, und das Gesamtrisiko von Komplikationen, beispielsweise Blutverlust oder Wundheilungsstörungen, wird deutlich verringert. Auch die Narben sind natürlich viel kleiner. Deshalb gehören die endoskopischen OP-Techniken aus meiner Sicht zu den größten Fortschritten der Medizin in der jüngeren Vergangenheit.“

An den Gelenken ist die minimalinvasive Methode bereits seit vielen Jahren etabliert – bei einer Vielzahl von Erkrankungen bzw. Verletzungen gilt sie als Standard. Insbesondere die Arthroskopie des Kniegelenks zählt zu den häufigsten Eingriffen der gesamten Medizin.

Die Kniearthroskopie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden – das hängt ebenso wie die Dauer des Eingriffs von der zu behandelnden Erkrankung ab (mehr dazu im Artikelteil über die häufigsten Verletzungen).

In den meisten Fällen wird die Arthroskopie bei Vollnarkose vorgenommen, sie kann aber auch mit einer sogenannten Spinalanästhesie durchgeführt werden. Dabei ist der Patient zwar ansprechbar, aber in etwa unterhalb des Beckens betäubt. Die Spinalanästhesie wird vor allem bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewandt, weil dieses Verfahren weniger belastend ist als eine Vollnarkose.

Auch bei schwerer Arthrose bringe die Arthroskopie so gut wie nichts, so Münch weiter. In diesem Zusammenhang ist oft von einer sogenannten „Gelenktoilette“ die Rede – das bedeutet: Der Operateur spült das Gelenk durch, glättet den Knorpel, entfernt freie Gelenkkörper, entzündetes Gewebe und löst augenscheinliche mechanische Blockaden. „Diese Maßnahmen verschaffen den Patienten aber meistens nur kurzfristig Linderung“, weiß Münch. „Sie können den Gelenkverschleiß nicht aufhalten, geschweige denn die Arthroseschäden heilen.“

Professor Philipp Niemeyer
Professor Philipp Niemeyer. © Philipp Guelland

„Auf der anderen Seite dient die Arthoskopie, um Grunderkrankungen zu behandeln, die Arthrose befeuern können“, erklärt Münchs Kollege Professor Dr. Philipp Niemeyer. „Dazu zählen etwa Kreuzband- oder Meniskusverletzungen.“ Auch klar begrenzte Knorpelschäden können im Rahmen einer Arthroskopie behandelt werden (siehe Artikelteil über Knorpelchirurgie).

Dr. Münch hat bereits über 25.000 Patienten operiert, darunter viele Promis wie Georg Hackl.
Dr. Münch hat bereits über 25.000 Patienten operiert, darunter viele Promis wie Georg Hackl. © Markus Götzfried

genau er mit dem Eingriff bezweckt! Ein Profi wird außerdem gerne darüber Auskunft geben, wie oft er den Eingriff in seiner Laufbahn bereits vorgenommen hat und wie häufig er ihn aktuell im Jahr durchführt. „Um von Routine sprechen zu können, sollte ein Arzt mindestens 100 Arthroskopien im Jahr machen“, sagt Münch, der selbst per anno im Schnitt etwa 800 Knie versorgt und bereits mehr als 25.000 Patienten operiert hat. „Ich persönlich wäre einem Patienten auch nie beleidigt, wenn er sich noch eine Zweitmeinung von einem Kollegen einholt.“

Die Alternativen zur Arthroskopie 

Problematischer ist die Untersuchung bei Patienten, die einen Herzschrittmacher tragen. Sie dürfen nur in Ausnahmefällen und unter kardiologischer Kontrolle in die MRT-Röhre geschoben werden. Denn die Magnetresonanztomografie arbeitet, wie der Name schon sagt, mit einem Magnetfeld, das den Herzschrittmacher beschädigen kann. Deshalb werden Schrittmacher-Patienten manchmal alternativ mit einer Arthro-CT untersucht. Dabei handelt es sich um eine spezielle computertomografische Untersuchung – ebenfalls in der Röhre. Vorher wird ein Kontrastmittel ins Kniegelenk gespritzt, um die Aussagekraft der Bilder zu erhöhen.

Eine Röntgenaufnahme eines Knies mit Arthrose.
Eine Röntgenaufnahme eines Knies mit Arthrose. © dpa

Immer mehr in Mode kommen auch sogenannte Eigenblutbehandlungen. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen und zentrifugiert – mit dem Ziel, bestimmte Bestandteile mit einer mutmaßlichen Heilwirkung herauszulösen. Diese körpereigenen Wachstumsfaktoren werden dann in konzentrierter Form an die erkrankte Stelle im Kniegelenk gespritzt.

Wie wir bereits berichteten, scheint die Eigenbluttherapie gegenüber der Behandlung mit Hyaluronsäure im Vorteil zu sein. „Das legen zumindest neuere wissenschaftliche Studie nahe“, erläutert Niemeyer. Für den Knorpel-Experten ist allerdings eine Feststellung besonders wichtig: „Beide Therapien bekämpfen nur die Symptome der Arthrose, nicht jedoch ihre Ursachen. Ihre Wirkung ist also auf einen bestimmten Zeitraum beziehungsweise auf ein bestimmtes Stadium der Arthrose begrenzt.“

Schnelle Hilfe bei akuten Knieschmerzen verspricht oft auch Kortison – ein hochwirksamer Entzündungshemmer, der häufig in Verbindung mit einem lokalen Betäubungsmittel ins Kniegelenk gespritzt wird. „Kortison sollte allerdings nur zurückhaltend und maßvoll dosiert eingesetzt werden“, betonen die Experten. 

Grund: Das Medikament kann bei Überdosierung Knorpel und Knochen schädigen. Außerdem erhöht es das Risiko einer Infektion im Kniegelenk, weil es die Durchblutung vermindert und damit auch die Immunabwehr herabsetzt.

Fünf häufige Knie-Erkrankungen und Verletzungen

Wenn sich die Arthrose erst mal so tief ins Kniegelenk gefressen hat, dass die schützende Knorpelschicht über den Knochen aufgebraucht ist, dann haben die Ärzte kaum noch Handlungsspielraum. Doch umgekehrt gilt: „Wir wissen heute, dass man Arthrose sehr effektiv vorbeugen kann, indem man die Grunderkrankungen behandelt – und zwar so frühzeitig wie möglich“, betont Niemeyer. So gelten beispielsweise Fehlstellungen der Beinachse (sogenannte O- oder X-Beine) ebenso als Knie-Killer wie akute, unfallbedingte Knorpelschäden oder andere Verletzungen. „Gerissene Kreuzbänder oder Menisken sind Risikofaktoren für eine spätere Arthrose“, weiß Münch. Wie man die häufigsten Erkrankungen und Verletzungen des Kniegelenks repariert, erklären die beiden Münchner Spezialisten hier:

Kreuzbandriss

Wer das Kreuzband zu früh belastet, der riskiert, dass es erneut reißt. „Wir wissen aus Studien, dass die Gefahr von sogenannten Rerupturen zwischen dem neunten und zwölften Monat am größten ist“, sagt Münch. 

Riss der Seitenbänder 

Knorpelschäden

Es ist auch möglich, körpereigene Knorpelzellen zu entnehmen, sie im Labor zu vermehren und diese an die defekten Stellen zu verpflanzen – Mediziner sprechen von einer Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT). Inzwischen ist das Verfahren so weit verfeinert worden, dass auch größere Knorpelschäden damit repariert werden können. „Es kann aber auch Sinn machen, kleinere Löcher zu behandeln – praktisch um einer Ausbreitung des Knorpelschadens vorzubeugen“, erklärt Niemeyer.

Achsfehlstellung

Trotzdem jagt die OP noch immer vielen Patienten einen kalten Schauer über den Rücken – und zwar deshalb, weil das Grundprinzip so martialisch klingt: Der Knochen wird praktisch durchgesägt, um ihn in seiner Position zu verändern. Anschließend wird der Knochen in einem um wenige Grad veränderten Winkel mit einer Platte und Schrauben wieder fixiert. Dadurch sollen sich die Druckverhältnisse im Kniegelenk ändern, die Belastung gleichmäßiger werden. „Nach der Achskorrektur, die wir Mediziner Umstellungsosteotomie nennen, sollte die Druckverteilung bei je 50 Prozent auf der Innen- und Außensenseite des Kniegelenks liegen“, so Niemeyer.

Das könnte Sie zum Thema Knie interessieren: Neues Knie - die 28 wichtigsten Infos für Patienten finden Sie bei tz.de.

Andreas Beez

Auch interessant

Kommentare