Kreuzband, Meniskus, Innenband, Kapsel: Daran erkennen Sie, was in Ihrem Knie kaputt ist

Sie haben Knieschmerzen vorne, innen oder außen? Hier erklärt ein Kniespezialist, woran Sie die sechs häufigsten Verletzungen erkennen.
Das Knie ist komplex. Schmerzen in dem Kugelgelenk können die verschiedensten Ursachen haben. Aber sechs Verletzungen sind besonders häufig. Welche das sind, woran man Sie erkennt, dazu gibt Dr. Manuel Köhne, leitender Mannschaftsarzt der deutschen alpinen Ski-Nationalmannschaft, einen Überblick. Er hat gerade alle Hände voll zu tun, denn in den Skigebieten herrscht derzeit ein Riesen-Ansturm - mit der Folge, dass es so viele Ski-Unfälle mit Verletzungen gibt wie seit Jahren nicht mehr.
Knieverletzungen: Diese Informationen liefern Röntgenbilder und MRT-Aufnahmen
Wichtig: Bei dem Überblick zum Knackpunkt Knie handelt sich lediglich um Anhaltspunkte, die eine Untersuchung beim Spezialisten nicht ersetzen können. Neben der klinischen, händischen Untersuchung können bildgebende Verfahren helfen, eine genaue Diagnose zu stellen. Dazu gehört insbesondere nach Unfällen etwa beim Sport ein Röntgenbild. „Es ist wichtig, um knöcherne Verletzungen auszuschießen“, erläutert Köhne. Ob Bänder und Menisken verletzt sind, kristallisiert sich bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) heraus. Sie kommt im Gegensatz zu einer Computertomographie ohne Röntgenstrahlung aus. Die sechs häufigsten Knieverletzungen, woran man sie erkennt und wie sie heilen:

Kreuzbandriss: Das Knie schwillt meist erst zeitverzögert an
Anzeichen: Schwellung meist erst zeitverzögert, Knie fühlt sich an wie Wackelpudding, meist nur mäßige Schmerzen.
Behandlung: Jüngere und sportliche Patienten werden in der Regel operiert, um das Knie zu stabilisieren und wieder volle Belastbarkeit zu erreichen.
Darauf kommt’s an: Nach einer schweren Knieverletzung sollte man rasch ein Röntgenbild machen lassen, um Knochenverletzungen auszuschließen. Wenn keine zu sehen sind, kann man in Ruhe einen MRT-Termin vereinbaren. Vor einer Kreuzband-OP lassen Spezialisten meist zunächst die Schwellung abklingen, um das Gewebe nicht zusätzlich zu stressen.
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So lange dauert’s: Nach der OP oft nur wenige Wochen Teilbelastung mit Krücken, dazu optional eine Schiene. Sport frühestens wieder nach sechs Monaten, eher nach einem Jahr.

Innenbandriss: Die schmerzhafteste Verletzung im Knie
Anzeichen: Ein Innenbandriss ist sehr schmerzhaft, tut in der Regel mehr weh als alle anderen Band- oder Meniskusverletzungen – und zwar inbesondere beim Strecken des Beins. Die Schwellung ist jedoch meist eher überschaubar.
Behandlung: In mehr als 90 Prozent der Fälle konservativ – also Schonung, Schmerzmittel und Kühlpack, eventuell eine entlastende Bandage.
Darauf kommt’s an: Wenn in Ausnahmefällen doch operiert werden muss, sollte man das Innenband sehr rasch wieder am Knochen befestigen - mit sogenannten Knochenankern oder Schrauben.
So lange dauert’s: Wenn es ohne OP geht, kann man nach vier bis sechs Wochen langsam wieder sporteln.
Schienbeinkopf-Bruch: Knie-OP bei verschobenen Brüchen nötig
Anzeichen: Oft Schwellung im Knie und Unterschenkelbereich, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Behandlung: Eine OP ist dann nötig, wenn sich Bruchstücke verschoben haben. In diesen Fällen wird der Knochen mit einer Platte und manchmal zusätzlich mit zwei Schrauben stabilisiert. Bei unverschobenen kleinen Brüchen reicht es oftmals aus, das Bein zu entlasten bzw zu schonen.
Darauf kommt’s an: Beim Verdacht auf einen Knochenbruch sollte man rasch ein Röntgenbild machen lassen. Denn es besteht die Gefahr, dass Blutgefäße verletzt sein könnten. Wenn der Bruch nicht gut ausheilt, droht Arthrose.
So lange dauert’s: Der Knochen wächst in circa sechs bis acht Wochen wieder zusammen. Sport ist nach vier bis sechs Monaten wieder drin.
Knieprellung: Das Gelenk wird in der Regel nicht sonderlich dick
Anzeichen: Unmittelbar nach der Prellung tut’s oft höllisch weh, allerdings lässt der Schmerz meistens schnell nach. Das Knie wird in der Regel nicht sonderlich dick, und auch die Funktion ist nicht stärker eingeschränkt. Das Bein fühlt sich – anders als etwa bei einem Kreuzbandriss – auch nicht wackelig bzw- instabil an.
Behandlung: Eispack, Schonung und Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Voltaren.
Darauf kommt’s an: Auch bei einer starken Prellung gilt: Im Zweifel lieber ein Röntgenbild besorgen, um sicherzustellen, ob Knochen bzw. Kniescheibe unversehrt sind.
So lange dauert’s: Schnelle Besserung, meist keine längere Sportpause nötig.
Meniskusschaden: Schmerzen, wenn man in die Knie geht
Anzeichen: Ganz typisch sind Schmerzen beim Beugen – beispielsweise, wenn man in die Hocke geht. Auch bei Drehbewegungen kann es sauber wehtun. Die Schwellung ist meist nicht so wild.
Behandlung: Eine OP ist dann dann nötig, wenn ein abgerissenes Stück Meniskus eingeklemmt ist.
Darauf kommt’s an: Heute gilt die Devise, dass man so viel Meniskus wie möglich erhalten sollte. Daher versuchen Spezialisten gerissene Menisken zu nähen. Wenn dies nicht möglich ist, wird der kaputte Teil entfernt.
So lange dauert’s: Nach einer Teilentfernung nur wenige Tage Krücken, nach einer Naht mehrere Wochen.
Kapselverletzung: Dumpfe, flächige Schmerzen im Knie - mittelstark
Anzeichen: Die Gelenkkapsel, die das Kniegelenk wie eine Art elastische Gewebehülle ummantelt, wird oft durch eine Überstreckung oder Verdrehung des Beins in Mitleidenschaft gezogen. Kaspelverletzungen ohne andere Schäden verursachen keine größeren Schwellungen. Die dumpfen, eher flächigen Schmerzen sind meist mittelstark.
Behandlung: In der Regel reicht es aus, das Knie zu schonen und zu kühlen. Gegen die Schmerzen helfen Voltaren oder Ibuprofen. Sinnvoll ist auch eine Bandage zur Entlastung.
Darauf kommt’s an: Ob neben der Kaspel auch Bänder verletzt sind, muss womöglich mit einem MRT geklärt werden.
So lange dauert’s: Zwei bis vier Wochen.