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Hände waschen vor jedem Kontakt: Linsenhygiene ist wichtig.

Freiheit für die Augen

So tragen Sie Kontaktlinsen richtig

Über 3,4 Millionen Erwachsene in Deutschland tragen regelmäßig Kontaktlinsen. Die Haftschalen sind klein, unsichtbar, engen nicht wie Brillen das Sichtfeld ein und beschlagen auch nicht.

Doch nicht immer bleibt die Freude ungetrübt: Die Hornhaut der Augen muss gut benetzt sein und braucht Kontakt zu Sauerstoff. Beides kann durch die Linse beeinträchtigt werden: Entzündungen bis zu Hornhautgeschwüren können eklige Folgen sein. Meist handelt es sich um ein Hygieneproblem: Auf jeder Linse bilden sich beim Tragen Ablagerungen aus Eiweißen und Fetten, die regelmäßig entfernt werden müssen.

Wie man trotz des Dauerstress’ für die Hornhaut unbesorgt Kontaktlinsen tragen kann, darüber sprachen wir mit Dr. Gerald Böhme, Kontaktlinsenexperte beim Berufsverband der Augenärzte.

Weiche Linsen sind gefährlicher

Ihr Verband hat Meldungen über Komplikationen gesammelt, was hat die Auswertung ergeben?

Dr. Gerald Böhme: Über 2000 Meldungen waren verwertbar – wobei es sich dabei nur um einen kleinen Teil der aufgetretenen Komplikationen handelt. Sehr oft kommen diese Patienten als Notfall in die Klinik oder zum Arzt, und da bleibt meist keine Zeit, ein zusätzliches Formular auszufüllen. Der überwiegende Teil der Komplikationen, nämlich 97 Prozent, betreffen weiche Linsen, nur drei Prozent der Patienten trugen formstabile bzw. harte Kontaktlinsen, Hauptsächlich kommt es zu Entzündungen durch Infektionen. Dazu gehört auch die Bildung von Geschwüren auf der Hornhaut, die manchmal nur mit Narben, also Trübungen, ausheilen. Das rote Auge, die Vorstufe davon, sieht man häufiger. Bei weichen Linsen kann es passieren, dass Adern in die Hornhaut einwachsen. Damit will der Körper den Versorgungsmangel der Hornhaut mit Sauerstoff ausgleichen. Diese Komplikation beginnt meist unter dem Oberlid, weil dort besonders wenig Sauerstoff an die Hornhaut gelangt.

Wenn man keine Probleme spürt, ist dann alles in Ordnung?

Böhme: Das kann man überhaupt nicht sagen. Hartlinsenträger merken schneller, wenn etwas nicht stimmt. Aber weiche Linsen können tückisch sein – denn sie nehmen das Schmerzgefühl. Wir Ärzte verwenden sogar bestimmte weiche Linsen als sogenannte Verbandlinsen bei Patienten mit schmerzhaften Augenerkrankungen, um die Schmerzen zu lindern.

Was halten Sie von Linsen, die sogar dafür zugelassen sind, beim Schlafen im Auge zu bleiben?

Böhme: Es gibt in Deutschland kein Zulassungsverfahren für Kontaktlinsen, es gibt das europäische CE-Zeichen, mit dem der Hersteller erklärt, wofür sein Produkt geeignet ist. Die Hersteller bestimmen also selbst, was die Kontaktlinsen können sollen. Als Mediziner warne ich eindringlich vor dem Tragen von Linsen über Nacht, weil damit die Hornhaut über Stunden schlechter versorgt wird. Es gibt sogar Kollegen, die gar keine Kontaktlinsen mehr empfehlen möchten. Dazu gehöre ich nicht, beim Sport trage ich selbst welche, und wenn ich z. B. junge Patienten habe, die ihre Brille nicht tragen, ist es mir lieber, sie haben vernünftig angepasste Linsen.

Worauf sollte man bei der Anpassung achten, gibt es eine besonders gute Linse?

Böhme: Nein, jedes Auge ist anders, und daher muss auch jede Linse anders sein. Ich empfehle dringend für dieErst­anpassung zu einem Augenarzt zu gehen, auch um zu klären, ob das Auge gesund und für eine Kontaktlinse überhaupt geeignet ist. Bei einer Anpassung wird zunächst die Hornhaut vermessen. Die Wölbung der Hornhaut und die Wölbung der Linse müssen zusammenpassen. Eine weiche Linse darf sich nicht festsaugen. Leider gibt es kaum noch Hersteller, die individuelle weiche Linsen fertigen. Man muss aus den vorhandenen Möglichkeiten und Passformen die beste Wahl für den Patienten treffen. Viele Punkte müssen berücksichtigt werden. Leidet jemand unter häufigen Entzündungen wie Gerstenkörnern, sollte er keine Linsen tragen.

Schwere Komplikation: Blutgefäße wachsen in die Hornhaut ein.

Hat jemand eine sehr flache Hornhaut, kommen weiche Linsen meist nicht infrage. Mit harten Linsen können wir mehr Augen versorgen, auch bei schwierigen Fällen. Ist sie einmal eingewöhnt, funktioniert die formstabile Linse über Jahrzehnte (sollte allerdings alle 18 bis 24 Monate ausgewechselt werden). Meine langjährigen Patienten sind meist Hartlinsenträger. Ich habe gerade einem 75-Jährigen eine Linse nachbestellt, die er verloren hatte. Bei Weichlinsenträgern gibt es nur wenige, die länger als zehn Jahre durchhalten. Viele werden entweder vorher zu einer harten Linse wechseln, oder sie steigen aus. Wir haben in Deutschland eine sehr hohe Aussteigerquote. Was auch daher kommt, dass viele sehr günstige, aber minderwertige Linsen kaufen.

Was muss man bei der Reinigung berücksichtigen?

Böhme: Die Reinigung muss auf die Linse zugeschnitten sein, und das Produkt muss vom Träger vertragen werden. Leider ist es so, dass je besser die Mittel desinfizieren, desto aggressiver sind sie auch. Man sollte den Anpasser fragen, bei welchem Linsentyp er mit welchem Reinigungssystem gute Erfahrungen gemacht hat und wozu er rät. Ich empfehle, ein Produkt eines großen Markenherstellers zu verwenden, weil diese Produkte laufend weiterentwickelt werden. Die Hygiene ist das A und O – ich kann es nur immer wieder betonen:Bitte waschen Sie sich die Hände, bevor Sie eine Linse anfassen!

Das wird leider oft vergessen und kann bös ins Auge gehen. Bei den jungen Mädchen schaue ich auf die Finger und sage: Entweder lange Fingernägel oder Linse. Unter langen Fingernägeln sitzen nämlich viele Pilzsporen. Und schwarze Ränder unter den Nägeln- das geht schon gar nicht!

Brutkasten auf der Hornhaut

Die Hornhaut des Auges (Cornea) ist das durchsichtige „Fenster“ des Augapfels, auf dem die Augenlider aufliegen. Die Hornhaut muss klar sein, also einen guten Stoffwechsel haben. Allerdings wird sie nicht durch Blutgefäße ernährt, sondern durch die Tränenflüssigkeit und den Sauerstoff aus der Luft versorgt. Die Kontaktlinse schwimmt nun in der Tränenflüssigkeit und behindert die Versorgung der Hornhaut. Dadurch werden die Abfallprodukte des Stoffwechsels der Zellen weniger ausgeschwemmt, der Zusammenhalt der Zellen kann schwächeln, und es gibt Einfallstore für Krankheitserreger. Dazu kommt, dass unter der Linse ein warmes, feuchtes Milieu entsteht, das wie im Brutkasten die Vermehrung von Bakterien und Viren begünstigt.

Formstabile und weiche Linsen

  • Formstabile (harte) Kontaktlinsen: Sie bestehen aus sauerstoffdurchlässigem Kunststoff praktisch ohne Wasseranteil. Sie decken einen kleineren Teil des Auges ab und sind beweglicher, dadurch gelangt beim Blinzeln ständig Tränenflüssigkeit unter die Linse.
  • Weiche Kontaktlinsen: Sie bestehen meist aus einem Silikon oder einem Hydrogel, sind also wasserhaltig und saugen sich leichter auf der Hornhaut an. Die Sauerstoffdurchlässigkeit des Materials wurde zwar verbessert, aber das Problem des mangelnden Austauschs von Flüssigkeit unter der Linse ist noch nicht gelöst.

Infos finden Sie auch im Internet unter cms.augeninfo.de.

Die häufigsten Augenkrankheiten

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tz

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