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Hors Seehofer.

Viele „Erkältungsopfer“ verschleppen den Infekt

Krank zur Arbeit wie Seehofer: So gefährlich ist es

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München - Die tz erklärt, wie gefährlich es sein kann, mit einer verschleppten Erkältung zur Arbeit zu gehen. Ministerpräsident Horst Seehofer ging mit schlechtem Beispiel voran.

Flüchtlingskrise hin, CSU-Klausur und Merkel-Besuch her – Horst Seehofer (66) müsste eigentlich wissen, dass mit einer verschleppten Erkältung nicht zu spaßen ist. Bereits 2002 hatte er sich dadurch eine Herzmuskelentzündung eingehandelt, und am Dienstag verpasste ihm sein gestresster Körper erneut

einen Schuss vor den Bug

: Schwächeanfall während seiner Rede in Kreuth – die Folge eines hartnäckigen Infekts. So wie der Ministerpräsident gehen viele Menschen krank zur Arbeit. Die tz erklärt, wie gefährlich diese Einstellung werden kann.

Gesunde Einstellung

Wenn’s ums Krankmelden geht, haben die meisten Arbeitnehmer eine gesunde Einstellung: Sie wollen nicht gleich zum Arzt gehen, nur weil mal ein Schnupfen im Anflug ist. Diese Einstellung mag löblich sein – aber nur solange es tatsächlich bei einer leichten Erkältung bleibt. Wer sich mit einem hartnäckigen Infekt oder gar mit Fieber ins Büro schleppt, der tut sich selbst und seinen Kollegen keinen Gefallen. Zum einen wegen der Ansteckungsgefahr, und zum anderen, weil nicht auskurierte Infekte zu einer schleichenden Gefahr vor allem fürs Herz werden können. „Bei einem Infekt sind Viren und/oder Bakterien überall im Körper verteilt, sie sitzen auch im Herzmuskel“, erklärt der Sendlinger Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ritter. „Dort können sie Entzündungen verursachen.“

So droht bei einem verschleppten Infekt beispielsweise eine Herzmuskelentzündung (Fachbegriff Myokarditis) oder eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Beide Erkrankungen können im schlimmsten Fall sogar im plötzlichen Herztod enden. Außerdem können die Herzklappen durch Bakterien in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gefahr besteht auch für die Lunge: „Aus einer viralen Bronchitis kann eine bakterielle Lungenentzündung entstehen“, warnt Dr. Ritter. Alarmzeichen sind unter anderem Fieber und Nachtschweiß.

„Generell gehört man bei einer Körpertemperatur von über 38,5 Grad ins Bett und nicht ins Büro“, rät der Mediziner. „Man sollte mit Fieber auch keinesfalls sporteln. Das wäre Gift fürs ohnehin schon geschwächte Herz.“

Übrigens: Wer glaubt, er könne sich bei einem ernsten Infekt mit einem Erkältungsbad wieder fit für die Arbeit machen, der täuscht sich. Das Gegenteil ist der Fall: Der Körper wird zusätzlich gestresst. „Das Badewasser ist meist viel wärmer als die Körperkerntemperatur von 37 Grad. Um eine Überhitzung zu vermeiden, ,muss der Körper gegensteuern. Dazu braucht er Energie, die dem Immunsystem fehlt.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Volle Arztpraxen, Dauerschniefen und Husten in Büros, Bussen, U- und S-Bahnen – München steckt mitten in der Erkältungssaison. Dass es uns im Winter öfter als im Sommer erwischt, hat zwei wesentliche Gründe „Zum einen setzt Kälte die Immunabwehr herab. Abwehrzellen und Antikörper können Eindringlinge nicht mehr so effektiv bekämpfen“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Wagner, Chefarzt am Städtischen Klinikum Schwabing. „Zum anderen wird die erste Barriere gegen Keime – nämlich die Schleimhaut – durchlässiger. Sie trocknet aus, es entstehen Mikro-Risse. Dadurch gelangen Erreger leichter in den Körper.“

Klassische Erkältungen – Mediziner sprechen von Infekten der oberen Atemwege – werden fast immer zunächst von Viren verursacht. Die Symptome klingen in der Regel nach ein bis zwei Wochen auch ohne Medikamente wieder ab. Ein Arztbesuch ist bei einem solchen „Alltags-Infekt“ in der Regel nicht notwendig. Problematisch kann es werden, wenn sich auf den viralen Infekt noch Bakterien draufsetzen. Das nennen Mediziner eine Superinfektion, und in diesen Fällen kann ein Antibiotikum – also ein Medikament, das Bakterien abtötet – sinnvoll sein. Ob eine bakterielle Infektion vorliegt, kann der Arzt mit einer einfachen Laboruntersuchung (Abstrich) feststellen. Aber es gibt auch Zeichen, die die Patienten ohne Untersuchung wahrnehmen können. „Wenn der Schleim grünlich-gelb wird, ist das ein Hinweis auf Eiter. Dies ist ein Abbauprodukt bei bakteriellen Infektionen. Es besteht aus Zelltrümmern von Bakterien.“

Weitere Gründe, einen Arzt aufzusuchen, können vorliegen, wenn sehr hohes Fieber hinzukommt, wenn die Beschwerden unerträglich stark werden, oder wenn die Erkältungsbeschwerden über Wochen oder gar Monate nicht verschwinden. „Die meisten Menschen spüren selbst, wenn die Grenze zwischen einem sogenannten banalen Infekt und einer ernsteren Erkrankung überschritten wird – nämlich dann, wenn Symptome oder ein Zeitverlauf hinzukommen, die sie von ihrer üblichen Alltags-Erkältung nicht kennen“, so Professor Wagner.

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