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Eine Flugreise ist schon für einen gesunden Körper anstrengend. Urlauber mit Beschwerden sollten deswegen vorsichtig sein.

Schnupfen oder schwaches Herz

Zu krank zum Fliegen? Das sollten Sie wissen

Schnupfen, schwaches Herz oder frisch operiert – wann können Urlauber ohne Sorgen in ein Flugzeug steigen und wann nicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Jedes Jahr heben 50 Millionen Deutsche ab, darunter viele mit gesundheitlichen Problemen. Generell gilt als flugtauglich, wer allein und ohne fremde Hilfe die Gangway zum Flieger bewältigen kann und dabei nicht ins Schnaufen kommt.

Eine Flugreise ist schon für einen gesunden Körper anstrengend: Der niedrige Luftdruck an Bord entspricht einem Aufenthalt in etwa 2500 Metern Höhe, die Luftfeuchtigkeit beträgt gerade mal 15 bis 20 Prozent. Schleimhäute und Haut trocknen aus, Menschen dehydrieren, dazu kommt der Bewegungsmangel. Die Sauerstoffsättigung des Blutes sinkt von normalerweise 97 Prozent auf circa 91 Prozent.

Auf 600 Flügen kommt ein Notfall, so die Statistik, meist fallen Menschen in Ohnmacht. Oft erholen sie sich, wenn sie hingelegt und die Beine hochgelagert werden. Doch rund 2500-mal im Jahr kommt jede Hilfe zu spät: Plötzlicher Herztod ist die häufigste Todesursache über den Wolken. 

Ob Sie eine Flugreise in den Urlaub unbesorgt genießen können und wann es besser ist, am Boden zu bleiben? Eine Übersicht zu den wichtigsten Fragen gibt es hier:

Herz- und Lungenerkrankungen

  • Was ist das Risiko? Durch den leichten Sauerstoffmangel kommt es zu einem schnelleren Herzschlag, um mehr Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Der systolische Blutdruck steigt leicht. Außerdem kommt es zu einem Druckanstieg im rechten Herzen und in der Lungenarterie. Die Anstrengung ist vergleichbar mit einer mittelschweren Belastung auf dem Fahrradergometer. Die Leistungsreserve des Herzens sinkt vorübergehend.
  • Flugtauglich: Wer 100 Meter laufen und zwölf Stufen ohne Probleme steigen kann, sollte fit genug zum Fliegen sein. Dennoch sollten Herz- oder Lungenkranke vor dem Abheben ihren Arzt zurate ziehen. Hochdruckpatienten mit einem Blutdruck unter 200/120 mmHg dürfen fliegen, ebenso Träger von Herzschrittmachern.
  • Fluguntauglich: Menschen mit Blutarmut, mit instabiler Angina pectoris, wenige Wochen nach einem Herzinfarkt oder mit hochgradigen Herzrhythmusstörungen.

Gefahr bei Venenproblemen

  • Was ist das Risiko? Die erzwungene lange Ruhephase in engen Sitzen erhöht in Kombination mit dem Flüssigkeitsmangel nachweislich das Thromboserisiko. Auch Gesunden wird Fuß- und Beingymnastik empfohlen.
  • Flugtauglich: Personen, die unter Krampfadern und erhöhter Thrombosegefahr leiden, dürfen fliegen, sollten aber Kompressionsstrümpfe tragen und regelmäßig ihre Muskelpumpe im Unter- und Oberschenkel betätigen, am Besten durch Bewegung und gymnastische Übungen.
  • Fluguntauglich: Menschen mit starker Thrombosegefährung, es sei der Arzt empfiehlt zusätzliche gerinnungshemmende Mittel, um den Flug zu ermöglichen.

Nach Operationen

  • Was ist das Risiko? Durch die Drucksenkung im Flugzeug dehnen sich Gase und Körperflüssigkeiten aus. Dies belastet frische Narben und kann Unwohlsein hervorrufen.

- Am Brustkorb operierte Patienten sollten sich erkundigen, ob die Gefahr eines Pneumothorax besteht: Dabei kann wegen der Druckschwankungen Luft zwischen die Schichten des Brustfells eindringen und die Lunge zusammendrücken.
- Nach Eingriffen im Schädel, z. B. bei Hirntumoren, können Druckschwankungen bei Start und Landungen zu Schwellungen führen, die die Hirnfunktion beeinträchtigen oder zu Krampfanfällen führen.
- Mit Silikon gefüllte Implantate machen heute keine Schwierigkeiten mehr beim Fliegen.
- Implantate im Körper wie Port-Systeme bei Krebserkrankungen, Stents oder operativ stabilisierte Knochen können an den Sicherheitssystemen Alarm auslösen. Das Implantat sollte ärztlich bescheinigt werden.

  • Flugtauglich: Je nach Eingriff werden von Flugmedizinern Wartezeiten empfohlen:

Frische Zahnfüllung

ein bis zwei Tage warten

Operationen im Mittelohr- und Nasennebenhöhlenbereich

circa zehn Tage Wartezeit

kleinere Bauch- und Brustkorbeingriffe

circa zehn Tage Wartezeit

Herzkrankgefäßen und Bypass-Operation

drei Wochen Flugverbot

Augenoperationen wie Grauer Star

vier Wochen warten

Schwere Zahnbehandlungen wie Wurzelziehen,

Implantate oder bei gezogenen Zähnen

drei bis vier Wochen Pause

  • Fluguntauglich: Im Einzelfall sollte der Arzt entscheiden, wie groß das Risiko ist. Aber immer weniger Patienten müssen ganz aufs Fliegen verzichten. Sogar für Patienten mit künstlichem Blasen- oder Darmausgang gibt es mittlerweile spezielle Beutel, die weniger empfindlich auf Druckschwankungen reagieren.

Akute Erkrankungen

  • Was ist das Risiko?
    Wenn durch eine Erkältung oder Entzündung die Schleimhäute im Nasennebenhöhlenbereich angeschwollen sind, ist der Druckausgleich gefährdet.
  • Flugtauglich: Bei einem einfachen Schnupfen reicht ein Nasenspray. Husten und Bronchitis werden durch die trockene Luft an Bord zwar verschlimmert, dagegen wirken jedoch trinken und Lutschtabletten. Gegen trockene Augen helfen Tropfen.
  • Fluguntauglich: Mit einer richtigen Mittelohrentzündungen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung ist man fluguntauglich. Wenn die Ohrtrompete sich für den Druckausgleich nicht öffnen kann, entsteht ein extremer Druck im Ohr. Im Extremfällen kann es zu einer Blutung im Mittelohr und zu Langzeitschäden kommen.

Schwangerschaft

Frauen mit einer komplikationslosen Schwangerschaft dürfen ohne Bedenken bis zum 7. Monat fliegen. Im 8. Monat ist eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung erforderlich, aus der hervorgeht, dass Komplikationen sowie eine Frühgeburt nicht zu erwarten sind. Im 9. Monat dürfen schwangere Frauen nicht mehr fliegen.

Die Mitnahme von Medikamenten gut voraus planen

Generell gilt, dass chronisch kranke Menschen so viele Medikamente mitnehmen sollten, wie sie während der ganzen Reise benötigen. Experten empfehlen, ausreichend Mittel ins Handgepäck zu packen und diese nicht zu knapp zu bemessen. Damit die Versorgung gesichert ist, falls der Koffer das Ziel nicht pünktlich erreicht.

Die Zeitabstände der Einnahme sollten möglichst eingehalten werden. Allerdings sollten chronisch Kranke vorher ihren Arzt um Rat fragen: Der Bedarf an Medizin kann im Urlaub verändert sein. Das gilt für Diabetiker, die durch Bewegung einen höheren Kohlehydratverbrauch oder im wärmeren Klima oft einen geringeren Insulinbedarf haben.

Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte bedenken, dass sich in der Wärme die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Medikamente sollten entsprechend angepasst werden. Man sollte auf Notfälle eingestellt sein und Notfallmittel z. B. für einen epileptischen Anfall im Handgepäck dabei haben.

tz

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