Die gesetzlichen Krankenkassen können ab 2015 Zusatzbeiträge erheben. Bei vielen entscheidet der Verwaltungsrat erst noch über die Höhe. Die Kassen haben dafür noch bis Ende Dezember Zeit. foto: panthermedia

Beiträge sinken zum 1.1.2015

Lohnt sich der Kassenwechsel?

München - Zum 1. Januar 2015 sinkt der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse. Im Gegenzug können die Kassen Zusatzbeiträge erheben. Was müssen Versicherte jetzt wissen? Wann lohnt sich ein Kassenwechsel? Ein Überblick.

In den kommenden Wochen erhalten gesetzlich Versicherte in Deutschland Post von ihrer Krankenkasse. Die rund 130 Kassen informieren ihre Mitglieder über den Beitragssatz für das kommende Jahr. Hintergrund ist, dass der allgemeine Beitragssatz bei der gesetzlichen Krankenkasse im Januar auf 14,6 Prozent (bisher 15,5 Prozent) sinkt. Diesen Satz zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen. Es entfällt der bisherige Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten, den nur die Mitglieder zu zahlen hatten. Um die Lücke aus der Beitragssenkung zu kompensieren, können die Kassen künftig einen prozentualen, also einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber mit der Finanzierungsreform 2015 Prämien, die manche Kassen bisher ausgezahlt haben, abgeschafft. Erklärtes Ziel ist es, dadurch den Wettbewerb unter den Kassen zu fördern. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie hoch fällt der Zusatzbeitrag aus?

Der Schätzerkreis von Bundesversicherungsamt, gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Bundesgesundheitsamt hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2015 auf 0,9 Prozent festgelegt. Das entspricht jener Lücke von rund elf Milliarden Euro, die durch die Senkung des allgemeinen Beitragssatzes entsteht. Nachdem die ersten Kassen ihre Zusatzbeiträge festgesetzt haben, zeigt sich: Einige bleiben unter den 0,9 Prozent, andere wählen den Durchschnitt. Die Spanne der Kassen, die ihren Zusatzbeitrag bereits festgesetzt haben, reicht von 0,0 bis 0,9 Prozent. Theoretisch können die Kassen auch einen höheren Zusatzbeitrag festlegen – je nach Wirtschaftslage. Die Gesamtbeiträge werden sich bei den meisten Kassen wohl zunächst kaum ändern. Experten rechnen aber damit, dass die Zusatzbeiträge – und damit die Kosten für die Versicherten in den kommenden Jahren immer weiter steigen werden.

Wie erfahren Versicherte, welchen Zusatzbeitrag ihre Kasse erhebt?

Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Versicherten rechtzeitig schriftlich darauf hinzuweisen, dass ein Zusatzbeitrag erhoben beziehungsweise erhöht wird. Dies müssen die Kassen spätestens bis zum Ablauf des vorangegangenen Monats tun, für den der Zusatzbeitrag erhoben wird. In den Briefen müssen Kassen, die einen Zusatzbeitrag über 0,9 Prozent erheben, auch darauf hinweisen, dass es günstigere Kassen gibt. Außerdem müssen sie ihre Versicherten über ihr Sonderkündigungsrecht informieren.

Haben die großen Krankenkassen in Bayern die Höhe ihres Zusatzbeitrags bereits festgelegt?

Drei der vier größten gesetzlichen Krankenkassen in Bayern haben die Höhe ihres Zusatzbeitrags mittlerweile bekannt gegeben. Die Techniker Krankenkasse (TK), Deutschlands größte gesetzliche Krankenkasse, teilte am Freitag mit, 2015 einen Zusatzbeitrag in Höhe von 0,8 Prozent zu erheben. Für die mehr als eine Millionen TK-Versicherten in Bayern sinkt der Beitrag damit von heute 15,5 Prozent auf 15,4 Prozent. Die DAK-Gesundheit, die 850 000 Versicherte in Bayern hat, geht mit einem stabilen Beitrag ins neue Jahr. Der Zusatzbeitrag liegt künftig bei 0,9 Prozent, wie gestern bekannt wurde. Der Beitragssatz bleibt damit insgesamt bei 15,5 Prozent. Auch bei der AOK Bayern mit ihren 4,3 Millionen Versicherten bleibt es mit 0,9 Prozent Zusatzbeitrag bei 15,5 Prozent. Das gab die Krankenkasse bereits vergangene Woche bekannt (wir berichteten). Kommende Woche entscheidet unter anderem die Barmer GEK über die Höhe ihres Zusatzbeitrags.

Müssen Versicherte den Zusatzbeitrag künftig separat überweisen?

Bei pflichtversicherten Arbeitnehmern wird der Zusatzbeitrag künftig direkt vom Arbeitgeber (bei pflichtversicherten Rentnern vom Rentenversicherungsträger) an die Krankenkassen abgeführt. Versicherte, die ihre Beiträge bisher selbst an die Kassen überwiesen haben, müssen dies auch für den Beitragsanteil aus dem Zusatzbeitragssatz tun. Das teilte der GKV-Spitzenverband mit. Wichtig: Mitversicherte Kinder, Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Wie viel Geld kann man mit einem Kassenwechsel sparen?

Nach den Ankündigungen der ersten Kassen zeige sich, dass einige Versicherte durch einen Wechsel künftig bis zu 445,50 Euro im Jahr sparen können, schreibt das Verbraucherportal Verivox. Die Rechnung sieht dabei folgendermaßen aus: Wer von einer Krankenkasse mit einem Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent zu einer Kasse mit 0,0 Prozent wechselt, spart bei einem Jahresbruttolohn von 49 500 Euro jährlich 445,50 Euro an Krankenkassenbeiträgen. Bisher hat allerdings erst eine Krankenkasse, die ausschließlich in Baden-Württemberg aktiv ist, angekündigt, den Beitrag auf 0,0 Prozent zu senken. Doch auch bei einem Wechsel zu einer Kasse mit 0,3 Prozent ergeben sich bereits 297 Euro Ersparnis im Jahr, bei 0,6 Prozent Zusatzbeitrag kann der Versicherte 148,50 Euro sparen. Bei einem Bruttojahreseinkommen von 36 000 Euro liegt das Sparpotenzial bei 324 Euro (0,0 Prozent Zusatzbeitrag), 216 Euro (0,3 Prozent), beziehungsweise 108 Euro (0,6 Prozent).

Wie wechselt man die Krankenkasse?

Normalerweise können Versicherte die Krankenkasse (mit einer Frist von zwei vollen Monaten) erst wechseln, nachdem sie 18 Monate Mitglied waren. Beim Sonderkündigungsrecht gilt dagegen: Egal wie lange die Mitgliedschaft besteht, kann man kündigen und zu einer anderen Kasse wechseln, wenn ein Zusatzbeitrag erstmalig erhoben beziehungsweise erhöht wird.

Lohnt es sich noch in diesem Jahr zu wechseln?

Nein. Die Zusatzbeiträge aller Kassen stehen erst im Januar endgültig fest. Auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands ist ab 1. Januar 2015 eine Liste mit allen gesetzlichen Krankenkassen und deren Zusatzbeiträgen einsehbar (www.gkv-spitzenverband.de). Hier können Versicherte vergleichen. Allerdings sollten bei der Wahl der Krankenkasse nicht nur die Beitragshöhe, sondern auch die Leistung berücksichtigt werden. Unterstützung bei der Kassensuche bietet der Produktfinder von Stiftung Warentest (gegen drei Euro Gebühr) im Internet unter www.test.de/krankenkassen.

Manuela Dollinger

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