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Low-Carb kann Ärzten zufolge bei schwierigen Krankheiten Beschwerden lindern - und trotzdem schmecken.

Ernährungsforschung

Krebs, Epilepsie & Co.: Wann Low-Carb für Sie gesund ist

Low-Carb und die ketogene Diät sind ein Dauerbrenner bei Abnehmwilligen. Experten warnen davor. Doch sind sie bei manchen Krankheiten sogar empfehlenswert?

Du bist, was du isst - dieser Spruch geistert seit langem durch Medien und Ernährungswissenschaften. Verschiedenste Diäten und Ernährungsformen sollen zum Erfolg führen. Auf die eigenen Bedürfnisse und den individuellen Typ angepasst, versprechen sie, dass wir gesünder und schlanker werden oder länger leben.

Unter Abnehmwilligen hat sich in den letzten Jahren eine ganz besondere Ernährungsweise herauskristallisiert, auf die Promis und Models gleichermaßen schwören: die Low-Carb-Diät.

Low-Carb und ketogen: Wenig Kohlenhydrate - mehr Gesundheit?

Auf deutsch heißt es so viel wie: Sie nehmen nur wenige Kohlenhydrate zu den Mahlzeiten und pro Tag zu sich. Durch den Verzicht auf Brot, Reis und Nudeln sollen die überflüssigen Pfunde in Windeseile purzeln.

Doch nicht nur das - manche Gesundheitsgurus und sogar Ärzte behaupten, diese Ernährungsweise könne Erkrankungen stoppen oder sie zumindest positiv beeinflussen.

Krebs, Epilepsie und sogar Autismus - wer sich streng ketogen ernährt, also die Kohlenhydratzufuhr unter maximal 50, wenn nicht 20 Gramm, täglich hält, soll seine Beschwerden erheblich lindern können.

So behandelt die renommierte Mayo-Klinik in den USA seit Jahren Krebspatienten mit einem eigens zusammengestellten Ernährungsplan. Nicht nur die Mengen der Nahrungsmittel sind aufgeführt, sondern es fällt dabei auch auf: Kohlenhydrate sind hier, außer ein paar Beeren oder im Milchzucker von Molkereiprodukten, kaum zu finden.

Ketogene Ernährung bei Krebs: Das steckt dahinter

Der Grund dafür: Den Ärzten zufolge sollen so die Krebszellen, die sich von Zucker in jeglicher Form ernähren und dadurch weiter wachsen, ausgehungert werden. Dagegen lassen Antioxidantien in Himbeeren, Tomaten & Co. Tumorzellen angeblich schrumpfen.

"Unstrittig ist, dass die Ernährung den Verlauf einer Tumorerkrankung beeinflussen kann", sagt Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München und Leiter der Arbeitsgemeinschaft "Ernährung und Krebs" des Tumorzentrums München gegenüber Spiegel Online.

"Versprechen, dass sich Krebs mit der 'richtigen Ernährung' heilen lasse, sind dagegen hochgradig unseriös." Zwar lasse sich die Rückfallquote durch eine Umstellung der Ernährung wahrscheinlich etwas verringern, meint der Ernährungsmediziner. "Aber eine allgemein gültige Krebsdiät gibt es nicht."

Schließlich gibt es viele Krebspatienten, die infolge der Erkrankung stark abmagern - deshalb müsse seiner Meinung nach sofort mit hochkalorischer Ernährung dagegen gesteuert werden. Damit der Patient bei Kräften bleibt.

Viel Fett, moderat Eiweiß, wenig Kohlenhydrate: Das ist die ketogene Diät

Doch wer den Diätplan der Mayo-Klinik studiert, stellt schnell fest: Die Patienten müssen nicht hungern. Wo die Kohlenhydrate fehlen, wird mit fetthaltigen Nahrungsmitteln wie fetter Käse, Seefisch oder Fleisch und einem moderaten Eiweißanteil nachgeholfen.

Der Grund hierfür: Ein Gramm Fett besitzt neun Kalorien, während ein Gramm Kohlenhydrate nur vier Kalorien enthält. Außerdem ist zu viel Eiweiß ebenfalls schädlich - schließlich würde der Körper bei Kohlenhydratverzicht durch die Glukogenolyse körpereigenes Eiweiß in Zucker umwandeln, um die Muskeln und lebenswichtige Organe damit zu versorgen. Doch dabei wird der Patient ebenfalls immer schwächer.

Wer dafür mehr Fett isst, gewinnt die nötige Energie durch sogenannte Ketonkörper, die in der Leber im Rahmen eines Notprogramms gebildet werden, wenn keine Kohlenhydrate mehr zugeführt werden.

Doch nicht nur bei Krebs soll ein Kohlenhydrat-Entzug helfen - Wissenschaftler der Charité in Berlin vermuten, dass sich die Diät auch positiv auf Patienten mit Multiple Sklerose auswirken kann, wie der NDR berichtet.

So haben die Forscher herausgefunden, dass bei einer Aufnahme von zu viel Kohlenhydraten viele freie Radikale entstehen, die die Nervenzellen schädigen.

Mit der Umstellung auf eine fettreiche Ernährung verwerten auch Nervenzellen die Ketonkörper zur Energiegewinnung. Das Ergebnis der Studie: Viele Probanden fühlten sich geistig wacher und körperlich fitter.

Epilepsie: Ketogene Ernährung kann Anfälle verringern?

Doch nicht nur das - angeblich soll die ketogene Ernährung auch Epilepsie-Anfälle reduzieren. Laut der Universitätsklinik Freiburg soll die Ernährungsumstellung auf viel Fett und wenig Kohlenhydrate bereits erfolgreich angewandt worden sein.

Auf deren Homepage schreibt sie: "Vermutet wird ein Effekt durch die Keton-Körper, die Veränderung des Säure-Haushaltes des Körpers oder durch die gesteigerte Fettkonzentration im Blut. Diese Diät erweist sich bei ca. der Hälfte der behandelten Epilepsie-Patienten als effektiv. (...) Die ketogene Diät beginnt mit einer Phase, in der der Patient hungert und wenig trinkt, bis Ketone im Urin zu finden sind. Zusätzlich zur ketogenen Diät müssen Vitamine und bestimmte Mineralstoffe gegeben werden. Das Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten ist entscheidend, meist wird ein Verhältnis von 4:1 oder 3:1 gewählt."

Die Ernährungsumstellung soll mindestens zwei Jahre durchgehalten werden. Die Ärzte an der Uniklinik Freiburg machten ebenfalls dieselbe Erfahrung: Allgemein konnten sie bei den Betroffenen eine Aufmerksamkeitssteigerung feststellen.

Allerdings warnen sie vor etwaigen Nebenwirkungen in den ersten Wochen, wenn sich der Körper noch umstellen muss. Symptome seien Übelkeit, Mundgeruch oder Erbrechen.

Sobald sich der Körper allerdings daran gewöhnt habe, klingen die Beschwerden den Ärzten zufolge gänzlich ab. Manche Epilepsie-Patienten schwören sogar lebenslang auf die ketogene Diät - und fühlen sich dabei wohl.

Gesunden und schlanken Menschen wird dagegen von Experten abgeraten, Low-Carb zu machen. Erfahren Sie hier, warum.

Lesen Sie hier auch mehr zum Thema Kokosöl - es gilt als Superfood, doch ist es wirklich so gesund?

jp

Gute von schlechten Kohlenhydraten unterscheiden

 

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