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Das Uniklinikum Großhadern.

Uniklinikum Großhadern

Den Krebs in seine Schranken weisen

München - Schicksalsschläge, Leid und Schmerzen – den Besuchern der onkologischen Tagesklinik am Uniklinikum Großhadern ist oft zum Weinen zumute. Trotzdem herrscht auch positives Denken vor.

Schicksalsschläge, Leid und Schmerzen – den Besuchern der onkologischen Tagesklinik am Uniklinikum Großhadern ist oft zum Weinen zumute. Trotzdem schallt immer mal wieder ein herzliches Lachen aus dem Sprechzimmer von Dr. Pia Heußner. Und das ist kein Auswuchs der Unsensibilität – ganz im Gegenteil: „Lachen ist bei uns sogar ausdrücklich erwünscht. Denn auch Humor hilft den Patienten dabei, ihre Krankheit auszuhalten“, erklärt die Oberärztin. Seit neun Jahren leitet sie die Psycho-Onkologie der Medizinischen Klinik III. Ihre wichtige Aufgabe: die seelischen Folgen der Krankheit Krebs zu beleuchten und zu behandeln. Dazu stehen neben Gesprächs- und Entspannungstherapeutinnen auch je eine Kinder- und Jugend- sowie eine Kunst- und eine Atemtherapeutin zur Verfügung. Ein Fortschritt hin zu einem ganzheitlichen Behandlungskonzept, das Klinikdirektor Professor Dr. Wolfgang Hiddemann massiv vorangetrieben hat. Unterstützt wird die relativ junge, aber bereits sehr gefragte Abteilung durch den gemeinnützigen Verein lebensmut/Leben mit Krebs. In der großen tz-Gesundheitsserie zum Krebsinformationstag (siehe Artikel unten) stellen wir diese schlagkräftige Allianz vor.

Trotz aller medizinischen Fortschritte – es gibt leider auch Krebspatienten, die wissen, dass sie nie wieder gesund werden. Naturgemäß fällt es den meisten Betroffenen schwer, Zukunftspläne zu schmieden, wieder ihren Blick auf die schönen Dinge des Lebens zu schärfen. Und genau hier setzt die Arbeit der Psycho-Onkologen an: „Wir unterstützen die Patienten dabei, ihr Leben mit Qualität zu füllen“, sagt Dr. Heußner. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Krankheit in ihre Schranken zu weisen – nicht nur medizinisch, sondern auch seelisch. Der Krebs darf seinen Platz im Alltag haben, aber er darf niemals 100 Prozent bekommen!“

Wünsche erkennen, ihnen das entsprechende Gewicht zu geben, Lebensträume mutig und entschlossen zu verwirklichen – darum geht es in den Beratungsgesprächen. Dabei fließen verschiedene Behandlungselemente ein – von der klassischen Psychotherapie, Strategien zur Stress- und Angstbewältigung bis hin zu Techniken aus der ­Krisenintervention. „Und manchmal ist auch ganz praktische Lebenshilfe gefragt“, berichtet die Leiterin der Psycho-Onkologie. „Wo kann ich einen Zuschuss für meine lang ersehnte Traumreise beantragen? Wie komme ich mit meinen körperlichen Einschränkungen am besten in den Urlaubsort? Welche speziellen Medikamente muss ich mitnehmen?“

Das Groteske an der Situation schwerstkranker Krebspatienten: „Viele fragen sich: Habe ich überhaupt das Recht, Ziele zu definieren, wenn ich doch schon todkrank bin? Manche haben auch regelrecht Angst davor, ihren Onko­logen zu enttäuschen. Sie denken: Ich kann ihm doch nicht sagen, dass mir ein letzter schöner Urlaub wichtiger ist als seine Therapie“, weiß Expertin Heußner.

Apropros Onkologen: Es ist noch gar nicht so lange her, da schauten die klassischen Krebsmediziner mit Argusaugen auf die Psycho-Onkologen. Schließlich müssen diese Kollegen ja auch finanziert werden – mit Geld, das viele Onkologen lieber ausschließlich für die schulmedizinische Behandlung ihrer Patienten verwenden wollten. Inzwischen gilt in Deutschland eine andere Leitlinie: Das eine tun und das andere nicht lassen. Die medizinische Behandlung geht mit der seelischen einher.

Professor Hiddemann und der von ihm mitgegründete Verein lebensmut waren Vorreiter auf diesem Gebiet. Sie haben die Psycho-Onkologie in Großhadern so ausgestattet, dass die Experten breit gefächert arbeiten können. Vier Mitarbeiter kümmern sich unter anderem auch um Patienten, die ihre Krebsdiagnose erst mal verdauen müssen.

„Oft sind die Patienten noch in einem Schockzustand. Für sie ist es ganz wichtig, dass sich einfach mal jemand in Ruhe ihre Geschichte anhört. Das hilft ihnen dabei, die dramatischen Erlebnisse zu verarbeiten“, beschreibt Heußner die Philosophie. „Sie sollen sich bei uns in der Klinik auch als Menschen wahrgenommen fühlen – und nicht wie nackte Nummern in der Patientenkartei.“

 

Das Netzwerk der Mutmacher

Das Faltblatt geht ans Herz. Es zeigt ein kleines Mädchen mit traurigen Augen, das seine einst so heile Welt einfach nicht mehr versteht: „Warum spielt Papa nicht mehr mit mir?“ Die Mama weiß nicht, wie sie ihrem Zwergerl kindgerecht beibringen soll, dass der Papa schwer an Krebs erkrankt ist.

Es sind solche ohnmächtigen Familien, an die sich ein besonderes Beratungsangebot der Psycho-Onkologen von Großhadern richtet. Ihre Sprechstunde für krebskranke Eltern gibt es vor allem deshalb, weil sich engagierte Menschen in einem gemeinnützigen Verein zusammengefunden haben: Bei lebensmut/ Leben mit Krebs ist der Name Programm: „Wir möchten Menschen mit Krebs und ihren Angehörigen neben der medizinischen Versorgung auch Geborgenheit und Mut geben“, sagt Erster Vorsitzender Professor Dr. Wolfgang Hiddemann.

lebensmut kommt immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, Medizin und Menschlichkeit zu verknüpfen. Wie wertvoll dieses ehrenamtliche Netzwerk für die Patienten ist, kristallisiert sich bei zahlreichen Angeboten im Uniklinikum Großhadern heraus. „lebensmut hat unter anderem eine Atem- und eine Kunsttherapie möglich gemacht sowie eine Ernährungsberatung. Beliebt ist auch das Draußen-Aktiv-Programm. Dabei treffen sich Patienten regelmäßig, um gemeinsam in kleinen Touren das Voralpenland zu erobern“, berichtet die Leiterin der Psycho-­Onkologie, Dr. Pia Heußner.

Darüber hinaus sieht sich lebensmut auch als verlässlicher Informations-Vermittler. Deshalb übernimmt der Verein bereits seit Jahren die Federführung bei der Organisation des Krebsinformationstags – heuer in Partnerschaft mit der Bayerischen Krebsgesellschaft und dem Krebszentrum der Universität (siehe Kasten). Näheres erfahren Interessenten auch im Internet unter der Adresse www.lebensmut.org.

„Momentan hat lebensmut etwa 210 Mitglieder“, erläutert Serap Tari, Psycho-Onkologin sowie Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle des Vereins. „Es wäre toll, wenn wir noch mehr Menschen für unsere gemeinsame Sache gewinnen können.“

Das Schöne an diesem Münchner Projekt: Wer sich hier engagiert, der hilft im Herzen unserer Stadt. Wer Näheres über eine Mitgliedschaft erfahren möchte, der kann sich bei der lebensmut-Kontaktstelle im Klinikum Großhadern unter der Telefonnummer 089 / 44 00 74 903 informieren. Auch Einzelspenden helfen weiter. Die Bankverbindung: lebensmut e.V., Stadtsparkasse München, Kontonummer 577 999, Bankleitzahl 701 500 00, IBAN DE70 70150 0000 0005 77999.

Andreas Beez

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