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US-Sängerin Anastacia hat zum zweiten Mal den Krebs besiegt, wie sie selbst auf Twitter mitteilte.

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Besser leben trotz Krebs

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„Sie haben Krebs.“ Diese Diagnose ist ein Schock. Und: Sie wirft Fragen auf. Zum Weltkrebstag an diesem Donnerstag starten wir heute unsere fünfteilige Krebs-Serie – mit einem Ratgeber, der Betroffenen Mut macht und Fragen beantwortet.

Krebs ist ein Frontalangriff auf Körper und Seele – ein Schlag, den keiner so einfach wegsteckt. Das Urvertrauen in das Leben ist plötzlich dahin. Und in diesem Zustand müssen Betroffene viele Entscheidungen treffen, manche sind lebenswichtig: Wo lasse ich mich behandeln? Ist eine Chemotherapie die beste Wahl? Wo bekomme ich verlässliche Infos? Dann gibt es da noch quälende Fragen: Warum gerade ich? Und: Ist bald alles vorbei?

Krebs: Heißt das, ich muss bald sterben?

Das ist eine der ersten Fragen, die sich Patienten stellen. „Krebs ist heute kein Todesurteil mehr“, sagt Prof. Wolfgang Hiddemann. Er ist Krebsmediziner und Chefarzt der Medizinischen Klinik III des Klinikums der Universität München. „In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 480 000 an Krebs – mehr als die Hälfte von ihnen wird geheilt.“ Selbst, wenn die Erkrankung erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt wurde, sei manchmal noch Heilung möglich.

Wo bekommt man verlässliche Infos?

Antworten auf Fragen suchen viele im Internet. „Davor warne ich!“, sagt Hiddemann. „Zu viel Unsinn“ finde man da, „fragwürdige“ und teure Behandlungsmethoden, die „oft nur Anbietern nützen“. Doch welche Infos sind verlässlich? Wer Fragen hat, sollte zuerst mit seinem Arzt sprechen. Für Allgemeines gebe es auch im Netz gute Seiten – etwa die des Deutschen Krebsforschungszentrums oder der Deutschen Krebshilfe (siehe Kasten).

Wo soll man sich behandeln lassen?

Zu Beginn sei es wichtig, einen Arzt zu finden, „der die Weichen richtig stellt“, sagt Hiddemann. Die weitere Behandlung kann dann oft ein niedergelassener Onkologe und Hämatologe übernehmen. Hiddemann rät, sich „primär an große Zentren“ zu wenden. Dort entscheidet nie ein Arzt allein über die Wahl der Therapie. Jeder Fall wird in einer „Tumorkonferenz“ diskutiert, in der sich Ärzte verschiedener Fachrichtungen austauschen und einen Therapievorschlag erarbeiten.

Wer dennoch Zweifel hat, ob die empfohlene Therapie die richtige ist, kann sich eine zweite Meinung einholen – etwa über das Internetportal www.krebszweitmeinung.de. Für dieses Angebot, an dem mehr als 16 deutsche Krebszentren beteiligt sind, muss man zwar bezahlen. Doch erstatten immer mehr Krankenkassen die Kosten.

Was leistet die Naturheilkunde?

„Eine Chemotherapie? Sie wollen mich vergiften!“ Das hört Krebsmediziner Hiddemann immer wieder von Patienten. Manche setzen ihre Hoffnungen dann auf alternative Methoden. Doch: „Eine echte Alternative zu etablierten Behandlungsmethoden gibt es eigentlich nie“, warnt Hiddemann. Aber: Die sogenannte „Komplementärmedizin“ könne zum Beispiel helfen, Nebenwirkungen zu lindern. „Naturheilkundlich“ bedeutet allerdings nicht automatisch „sanft und ungefährlich“. Hiddemann rät daher: „Ziehen Sie immer Ihren Arzt ins Vertrauen!“

Eine gute Anlaufstelle für Interessierte: das Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde am Klinikum rechts der Isar in München. Hier bekommen Patienten auch Tipps zu Fragen der Ernährung. Übrigens: Eine „Krebsdiät“, mit der sich Tumorzellen angeblich aushungern ließen, gibt es nicht.

Bin ich selbst schuld an meiner Krankheit?

„Das fragen ganz viele“, sagt Experte Hiddemann. 70 bis 80 Prozent der Patienten stellten sich irgendwann die Frage, wer schuld an der Erkrankung hat. Klar: Rauchen, zu viel Alkohol – eine ungesunde Lebensweise könne die Entstehung einer Krebserkrankung begünstigen. Aber: „Bei der großen Mehrzahl der Patienten kann man ganz klar sagen: Sie sind nicht schuld!“ Auch eine „Krebspersönlichkeit“, wie sie Patienten oft unterstellt wird, etwa wenn diese zu Depressionen neigen, gebe es nicht.

Was hilft gegen die Angst?

Eine potenziell tödliche Krankheit macht immer Angst. Krebs ist da aber nicht die einzige. Doch im Gegensatz zu einem Herzinfarkt etwa, könnten sich Patienten von Krebs kein Bild machen, sagt Hiddemann. „Das erzeugt diffuse Ängste.“ Wenn diese sehr ausgeprägt sind, sollte man sich unbedingt in psycho-onkologische Behandlung begeben. Damit die Ängste nicht irgendwann in eine Depression übergehen. Wer Hilfe braucht, sollte den behandelnden Arzt darauf ansprechen.

In Krebszentren gibt es hierfür in der Regel eigens ausgebildete Psycho-Onkologen. Nur: Das Angebot reiche häufig nicht, sagt Hiddemann. „Wir gehen davon aus, dass etwa 30 Prozent der Krebspatienten professionelle Betreuung brauchen.“ Er hat darum vor vielen Jahren den Verein „Lebensmut“ gegründet, der unter anderem eine Beratungsstelle für Patienten, aber auch für deren Angehörige am Klinikum Großhadern in München anbietet (siehe Kasten).

Die Psycho-Onkologen helfen vor allem durch Gespräche. Für Patienten, die nicht gern über ihre Ängste reden, gibt es aber auch Angebote, in denen sie ihre Gefühle ohne Worte ausdrücken können, etwa die Mal-, Musik- oder Atemtherapie.

Was bringt eine Selbsthilfegruppe?

Auch wenn sich der Partner noch so bemüht – von anderen Betroffenen fühlen sich Krebspatienten oft besser verstanden. Eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, kann eine große Hilfe sein. Wichtig dabei: „Die Gruppe sollte in Verbindung zu einem Behandlungszentrum stehen“, rät Hiddemann. Denn oft tauschen sich Patienten dort nicht nur über ihre Ängste und Alltagsprobleme, sondern auch über ihre Behandlung und deren Nebenwirkungen aus. Was sie dabei nicht vergessen sollten: Eine Therapie, die dem einen hilft, kann einem anderen schaden – selbst wenn beide an der gleichen Krebsart leiden.

Dürfen Krebskranke Sport treiben?

Früher riet man Krebspatienten meist, sich zu schonen. Heute weiß man: Durch Bewegung verschlechtert sich ihr Zustand nicht – im Gegenteil: Der Körper setzt dabei Endorphine frei. Das sind Botenstoffe, die angenehme Gefühle erzeugen, Ängste lindern, das Immunsystem stimulieren. Selbst während einer Chemotherapie ist Bewegung, natürlich immer an die Kräfte angepasst, sehr wichtig – und wenn es nur ein Spaziergang ist. „Dinge, die man gern tut, sollte man auch weiterhin tun“, sagt Hiddemann: „Nur, weil man krebskrank ist, muss man nicht aufhören zu leben.“

Andrea Eppner

Auf einen Blick: Hier bekommen Krebspatienten Hilfe

  • Medizinische Informationen Infodienst des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ in Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de 
    Internetangebot der Stiftung Deutsche Krebshilfe: www.krebshilfe.de 
  • „Die blauen Ratgeber“ – Broschüren zu vielen Krebsarten und -therapien; Download auf der Internetseite der Krebshilfe; die Ratgeber liegen oft in Praxen und Kliniken aus, zu bestellen unter: Deutsche Krebshilfe, Buschstraße 32, 53113 Bonn. 
  • Infotelefon der Deutschen Krebshilfe (kostenfrei): Tel. 0 800/80 70 88 77, Mo. bis Fr. von 8 bis 17 Uhr 
  • Arztsuche
    Tipps zur Arztsuche und viele Links gibt es im Netz unter www.krebsinformationdienst.de, Rubrik „Wegweiser“
  • Hilfe für die Seele: Psycho-onkologische Beratungsstelle für Patienten und Angehörige des Vereins „Lebensmut“ am Klinikum Großhadern in München, Internet: www.lebensmut.org und Tel. 089/4400-74903.
    - Regionale Psychosoziale Krebsberatungsstellen der Bayerischen Krebsgesellschaft (BKG) www.bayerische-krebsgesellschaft.de und Tel. 089/548840-0.
  • Buchtipp: „Den Krebs bewältigen – und einfach wieder leben“ von Tanja Diamantidis, Trias-Verlag, 17,95 Euro Etwas für sein Aussehen zu tun, tut auch der Seele gut. Tipps: www.recoveryoursmile.org 
  • Fragen zu Sozialleistungen psychosoziale Krebsberatungsstellen der BKG (s. voriger Punkt), Broschüre „Wegweiser zu Sozialleistungen“ aus der Reihe „Die blauen Ratgeber“. 
  • Naturheilkunde: Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat), Klinikum rechts der Isar in München, www.kokonat.med.tum.de und Tel. 089/72 66 97-15

ae

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