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Geduldprobe: Diese Patienten haben es immerhin schon ins Wartezimmer geschafft – bis sie aber überhaupt einen Termin haben, warten Kassenpatienten nach einer Telefon-Recherche der Grünen deutlich länger als Privatpatienten.

Erneute Debatte um Wartezeiten

Kritik: Kassenpatienten warten 19 Tage länger beim Arzt

München - Der Routinecheck, die neue Brille oder die Krebsvorsorge – mancher Gang zum Facharzt muss nicht sofort sein. Um die Termin-Wartezeiten ist erneut eine Debatte entbrannt. Kassenpatienten müssten lange warten, lautet die Kritik. Terminservicestellen sollen Abhilfe schaffen.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und die bayerische Ärztekammer haben Vorwürfe wegen zu langer Wartezeiten auf Facharzttermine für Kassenpatienten zurückgewiesen. Die Wartezeiten im Freistaat gehörten sowohl im europäischen als auch im deutschen Vergleich mit zu den kürzesten, sagte Huml am Dienstag in München. In Bayern sei das „allenfalls nur punktuell ein Problem.“

Der stellvertretende Sprecher der Landesärztekammer, Jodok Müller, sagte, es sei zwar richtig, dass gesetzlich Versicherte unter Umständen länger auf einen Termin warten. Notfälle würden aber stets sofort behandelt, unabhängig von der Versicherung.

Auch bei Terminen jenseits von Notfällen stehe Bayern gut da. „Verschiedene Studien zeigen, dass die Wartezeiten im normalen Bereich liegen“, sagte Müller. Vier Wochen Wartezeit seien im Rahmen. Diese Frist schreibe auch der Gesetzgeber bei den neuen Terminservicestellen vor. Über diese können Versicherte von Januar an bei den Kassenärztlichen Vereinigungen einen Termin beim Facharzt vereinbaren und werden je nach freien Kapazitäten an die Praxen vermittelt.

Auch Huml verwies auf die neuen Terminservicestellen. Diese könnten Betroffenen gezielt zu einem raschen Termin verhelfen, sofern überlange Wartezeiten auftreten. Huml geht davon aus, dass angesichts der guten Versorgung im Freistaat diese Servicestellen „wohl nur punktuell zum Einsatz kommen“.

Eine Telefon-Recherche der Grünen hatte Medien zufolge ergeben, dass Kassenpatienten in Bayern im Schnitt 23 Tage länger auf einen Termin bei einem Facharzt warten müssen als Privatversicherte. Demnach kamen Privatpatienten in der Regel bereits nach sieben Tagen zum Zug, bei gesetzlich Versicherten waren es 30 Tage. In München warten Kassenpatienten laut Erhebung 19 Tage länger als Privatpatienten. Mitarbeiter der Bundestagsfraktion hatten im Herbst bei 350 bayerischen Facharztpraxen je zwei Mal in kurzen Abständen angerufen und um einen Termin gebeten – einmal als Kassen- und einmal als Privatpatient. Ausgewählt waren die Fachrichtungen Haut, Auge, Hals-Nasen-Ohren, Neurologie, Kardiologie, Radiologie und Orthopädie.

Huml kritisierte: „Die selbst gestrickte Telefon-Erhebung der Grünen steht nicht im Einklang zu den konsistent sehr guten Ergebnissen für Bayern in methodisch seriösen Erhebungen.“ Sie verwies unter anderem auf eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Jahr 2014, nach der in Deutschland die Mehrheit der Patienten maximal eine Woche auf einen Termin warten musste. " 

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