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Durchblick dank Laser-OP: Das Foto zeigt ein Auge, auf das blaues Licht gerichtet ist – symbolhaft für den Laserstrahl, der so nicht sichtbar ist.

LASIK und Co.

Klar sehen ohne Brille - was Sie zu Laser-OPs wissen müssen

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Müchen - Kontaktlinsen rein oder Brille auf, schon hat man den Durchblick: Das ist einfach und praktisch. Doch Sehhilfen können auch nerven. Mancher liebäugelt da mit einer einer Laser-OP. Hier lesen Sie, was Sie dazu wissen müssen.

Schmuddelwetter ist nichts für Brillenträger. Wenige Regentropfen auf den Gläsern, schon ist es vorbei mit dem klaren Blick. Und wer sich freut, daheim endlich ins Warme zu kommen, der steht erst mal im Nebel. Da hilft nur noch: Tuch raus und die beschlagenen Gläser trocken reiben. Es sind Momente wie diese, in denen manche Brillenträger ihre Sehhilfe verfluchen. Andere haben zwar zumindest das Problem mit den beschlagenen Gläsern gelöst – sie sind auf Kontaktlinsen umgestiegen. Diese haben aber auch ihre Tücken. Wie schön wäre es doch, könnte man ohne solche Hilfsmittel klar sehen.

Das geht tatsächlich: Bereits seit vielen Jahren lassen sich Fehlsichtigkeiten auch durch operative Verfahren korrigieren. Mediziner fassen diese unter dem Stichwort „refraktäre Chirurgie“ zusammen. Laien sprechen meist einfach vom „Augenlasern“.

Kosten müssen die Patienten meist selbst bezahlen

Über so einen Laser-Eingriff haben sicher schon viele Brillenträger nachgedacht. Was die meisten aber abschreckt, sind zum einen die Kosten: Die belaufen sich bei einer klassischen Laser-Behandlung auf rund 4000 Euro für beide Augen, sagt Prof. Chris Lohmann, Chefarzt der Augenklinik am Klinikum rechts der Isar in München. Und: „In der Regel zahlen die Krankenkassen die Kosten nicht.“

Zum anderen wäre da noch folgende Frage – ob man denn bereit ist, für die Hoffnung auf ein Leben ohne Brille ein gewisses Risiko einzugehen. Schließlich kann es bei jedem Eingriff zu Problemen kommen. Das passiere allerdings nur sehr selten, beruhigt Lohmann. „Die Komplikationsrate ist sehr gering – wenn die Indikation zu einer solchen Operation richtig gestellt wurde.“ Denn: „Nicht jeder Mensch kann gelasert werden“, sagt der Experte.

Gleiches Prinzip - viele Varianten

Die entsprechenden Voruntersuchungen durchzuführen und richtig einzuschätzen, ob eine Laseroperation wirklich infrage kommt – das gehört Lohmann zufolge daher zu den wichtigsten Aufgaben, die ein guter Augenarzt vor einem solchen Eingriff leisten muss. Nicht minder wichtig: eine umfassende Beratung. Die braucht man schon allein, um bei der Vielzahl der Verfahren nicht den Überblick zu verlieren. Zwar basieren alle auf dem gleichen Prinzip: Der Arzt verändert die Brechkraft des Auges, indem er die Oberfläche der Hornhaut mit einem Hochpräzisionslaser behandelt, einem „Excimerlaser“. Doch gibt es viele Varianten des Verfahrens, die alle Vor- und Nachteile haben.

LASIK ist der Klassiker der Fehlsicht-OPs

Prof. Chris Lohmann ist Chefarzt der Augenklinik am Klinikum rechts der Isar in München

Der „Klassiker“ unter den Laser-Eingriffen ist sicherlich die „LASIK“. Die Abkürzung steht für „Laser in-situ Keratomileusis“. Dabei wird das Auge zunächst mit Tropfen betäubt. Dann setzt der Arzt mithilfe eines Mikrokeratoms – das ist eine Art Minihobel – einen Schnitt im oberen Drittel der Hornhaut. So entsteht ein kreisförmiger Hautlappen, der aber nicht komplett abgeschnitten, sondern wie ein Fenster aufgeklappt wird. Nun behandelt der Arzt die freiliegende Hornhaut mit dem Laser – und zwar genau so, wie er das vor dem Eingriff berechnet hat. Danach wird der Hornhautlappen wieder zugeklappt und bleibt dann einfach von selbst an der Schicht darunter kleben. Hat alles geklappt, kann der Patient nach ein bis drei Tagen klar sehen – und zwar endlich ohne Brille.

Alternativ zur LASIK gibt es inzwischen auch einige Abwandlungen des Verfahrens. Da wäre etwa die Femto-LASIK: Dabei öffnet der Arzt die Hornhaut nicht mit dem Hobel, sondern mit einem „Femto-Laser“, der besonders präzise Schnitte erlaubt.

Bei der Epi-LASIK wiederum schneidet der Arzt nicht so tief in die Hornhaut. Er öffnet nur die oberste Schicht davon, das Epithel. Vorteil der Methode: Da sich dieses ohnehin ständig von selbst regeneriert, ist es weniger problematisch, falls es beim Schnitt zu Komplikationen kommt. Dann kann sich das Epithel einfach selbst heilen. Nachteil der Methode: Der Patient muss drei Tage lang eine „Verbands-Kontaktlinse“ tragen. Nach dem Eingriff dauert es zudem etwas länger, bis er endlich scharf sieht – nämlich etwa eine Woche. Und am Tag nach der OP muss er auch mit Schmerzen rechnen. Die klassische LASIK gilt da als deutlich schmerzärmer. Doch ist bei dieser Methode wiederum das Risiko etwas höher, dass Patienten später an trockenen Augen leiden. Der Grund: Bei dem tieferen Schnitt werden Nervenfasern in der Hornhaut durchtrennt.

Wichtige Voraussetzung: Sehschärfe muss stabil sein

Allgemein gilt für die verschiedenen Laser-Eingriffe: Sie eignen sich vor allem für Menschen mit leichter bis mittlerschwerer Kurzsichtigkeit. „Bis etwa minus sechs Dioptrien“, sagt Lohmann. Das Augenlasern komme zudem für Menschen mit einer geringen Weitsichtigkeit infrage und zudem für Patienten mit einer Hornhautverkrümmung. Wichtig ist, dass die Sehschärfe stabil ist – sich also seit wenigstens zwei Jahren nicht um mehr als 0,5 Dioptrien verändert hat.

Doch eignet sich ein Laser-Eingriff auch für ältere Patienten? Tatsächlich gibt es auch für sie verschiedene Möglichkeiten, ihre Sehhilfe loszuwerden. Mit einem klassischen Lasereingriff ist es allerdings meist nicht getan. Sobald die sogenannte Altersweitsichtigkeit eingesetzt hat – und das beginnt bereits mit etwa 40 Jahren –, empfiehlt Lohmann daher oft, die natürliche Augenlinse durch eine künstliche zu ersetzen. Und zwar mit einer sogenannten „multifokalen“ Kunstlinse. Diese hat dann etwa die Funktion einer Gleitsichtbrille – der Patient kann damit also sowohl in der Nähe als auch in der Ferne scharf sehen. Übrigens: Eine solche Kunstlinse kommt auch für jüngere Patienten infrage, die unter einer sehr starken Kurz- oder Weitsichtigkeit leiden, für die eine klassische Laser-OP also keine Option ist.

Diese Augen-OPs gibt es für ältere Patienten

Doch die eigene Augenlinse zu ersetzen – das ist im Vergleich dazu natürlich ein größerer Eingriff. Das Risiko von Komplikationen ist entsprechend etwas größer, die Kosten höher. Allerdings haben Augenärzte auch damit bereits viel Erfahrung – und zwar durch die Behandlung von Patienten mit Grauem Star; bei dieser Erkrankung wird die Linse trüb. Das Verfahren, das bei ihnen angewendet wird, ist im Prinzip das gleiche.

Doch nicht nur der Austausch der eigenen Linse kommt für ältere Patienten in Betracht. Eine Alternative: die „Presby-LASIK“. Bei diesem Verfahren wird zunächst das Profil der Hornhaut-Oberfläche genau vermessen. Dann wird diese mit einem Laser so modelliert, dass darin Zonen verschiedener Brechkraft entstehen – so wie bei einer Gleitsichtbrille.

Für jüngere Patienten wiederum gibt es noch die Möglichkeit, eine Art Kontaktlinse zu implantieren. Die eigene Augenlinse wird also erhalten. In die Vorderkammer des Auges wird lediglich zusätzlich eine zweite Linse eingesetzt, die im Auge bleibt, eine „Phake-Intraokularlinse“.

Das Spektrum der Methoden ist also groß. Umso wichtiger ist es, einen Arzt zu erwischen, der sich auskennt, einen gut berät und der vor allem viel Erfahrung mitbringt. Wie man so einen findet? Lohmann rät dazu, sich im Bekanntenkreis umzuhören. Allgemein seien Patienten aber in Zentren, die verschiedene Verfahren anbieten, in der Regel gut aufgehoben. Die Kosten seien in seriösen Zentren übrigens ziemlich ähnlich.

Experte sieht OPs im Ausland skeptisch

Deutlich billiger wird es für Patienten oft, wenn sie zur Behandlung ins Ausland reisen. Experte Lohmann sieht das kritisch. Zwar gebe es natürlich auch im Ausland gute Ärzte, sagt er. „Doch für die Nachsorge, die auch ganz entscheidend ist, sind diese dann nicht mehr zuständig.“ Hinzu kommt: Auch bei der Indikations-Stellung – also bei der Frage, ob und zu welchem Verfahren man dem Patienten rät – sei man in Deutschland sehr streng. Und das sei auch „ein wesentlicher Grund“, warum die Ergebnisse hierzulande sehr gut seien.

Wenn alles passt, dann sei eine Laser-Operation jedenfalls eine echte Alternative zu den klassischen Sehhilfen, findet Lohmann. Vielen Menschen sei es eben lästig, Brille oder Kontaktlinsen zu tragen, insbesondere beim Sport. „Es geht in der Medizin heutzutage eben nicht immer nur um Leben und Tod, sondern auch um die Lebensqualität.“

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