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Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan und die größte „Drüse“ im menschlichen Körper.

Zum Deutschen Lebertag am 20. November

„Die Leber leidet stumm“

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Ist die Leber krank, spürt der Betroffene davon oft lange nichts. Doch wie erkennt man, wie es um dieses wichtige Organ steht? Und: Was hilft, wenn es streikt? 

Zum Deutschen Lebertag am 20. November haben wir mit Professor Alexander Gerbes vom Klinikum der Universität München gesprochen.

Herr Professor Gerbes, was genau macht die Leber?

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan und die größte „Drüse“ im menschlichen Körper. Man kann sie auch als Kraftwerk im Bauch bezeichnen. Die Leber ist zuständig für die Produktion lebenswichtiger Vitamine und Hormone sowie für die Steuerung des Blutzuckers, der Blutgerinnung und des Immunsystems. Unentbehrlich ist sie zudem für die Entgiftung insbesondere von Verdauungs-Produkten. Diese Giftstoffe werden mit der Gallenflüssigkeit über den Darm ausgeschieden.

Unsere Leber hat also gut zu tun. Was belastet sie besonders – Alkohol?

Wie viel Alkohol jemand verträgt, ist sehr unterschiedlich. Es wird jedoch angenommen, dass der tägliche Konsum von mehr als 40 Gramm reinen Alkohols bei Männern und von mehr als 20 Gramm bei Frauen zu einer Schädigung der Leber führen kann.

Frauen vertragen also weniger. Woran liegt das?

Ihre Leber enthält weniger Enzyme, die Alkohol abbauen. Bei einer nicht durch Erkrankungen oder durch andere Belastungen geschädigten Leber sollten Frauen aber einen Schoppen Wein pro Tag gut verkraften, Männer sogar etwa zwei Halbe Bier.

Was außer Alkohol schadet der Leber noch?

Eine Verfettung der Leber. Das ist eine sehr häufige Erscheinung bei Menschen mit massivem Übergewicht oder der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Bei etwa einem Fünftel von ihnen kommt es zu einer Entzündung in der Leber, einer sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber-Hepatitis. Da immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig sind, ist also zu befürchten, dass zukünftige Generationen besonders mit dem Problem einer Fettleber belastet sein werden.

Woran merkt man, dass es der Leber schlecht geht?

Lebererkrankungen weisen im Anfangsstadium nur wenige oder uncharakteristische Symptome auf. Warnzeichen können zunehmende Müdigkeit, Schlafstörungen oder Juckreiz sein. Schmerzen treten in den meisten Fällen nicht auf. Man kann also sagen: Die Leber leidet stumm. Somit kommt es häufig erst im fortgeschrittenen Stadium einer Lebererkrankung zu Beschwerden – wenn ein Großteil der Leberzellen funktionell bereits stark eingeschränkt ist. Um Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen, sind daher spezielle Werte im Blut, die „Leberwerte“ besonders hilfreich.

Was genau zählt zu diesen „Leberwerten“ und was verraten sie?

Im Blut kann man Werte messen, die auf Leberzell-Schäden hinweisen, sogenannte Transaminasen, sowie Werte, die einen Gallestau anzeigen, das „Bilirubin“. Auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung können auch gestörte Blutgerinnungswerte hinweisen. Beim Routine-Laborcheck werden zunächst meist die „Transaminasen“ gemessen. Einmalig oder nur kurzzeitig erhöhte Leberwerte können auch durch einen Infekt oder starke Überanstrengung verursacht sein. Dann ist zumindest eine Kontrolle nötig: Wenn die Transaminasen über Wochen deutlich erhöht sind, muss man die Ursache abklären. Besonders bei Risikoverhalten, also etwa bei stark erhöhtem Alkoholkonsum, ist eine gelegentliche Kontrolle der Leberwerte anzuraten. Patienten, die wissen, dass sie an einer Leber-Erkrankung leiden, müssen üblicherweise regelmäßig zum Hausarzt oder Spezialisten zur Kontrolle gehen.

Was sind die häufigsten Erkrankungen der Leber?

In unseren Breiten sind die häufigsten Ursachen für erhöhte Leberwerte und Leber-Erkrankungen Alkohol, beziehungsweise eine Kombination aus Übergewicht, Diabetes und einer Fetteinlagerung in der Leber. Häufig sind auch durch Hepatitis-Viren ausgelöste chronische Leber-Erkrankungen. Relativ selten, aber wichtig, sind Leber-Erkrankungen, die durch einen Gallestau bei Gallenwegs-Erkrankungen verursacht wurden, etwa die „primär biliäre Cholangitis“ und die „primär sklerosierende Cholangitis“. Hinzu kommen Autoimmune Lebererkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem die Strukturen der Leber angreift. Man geht davon aus, dass allein in Deutschland etwa fünf bis sechs Millionen Menschen an der Leber erkrankt sind, in ganz Europa sogar etwa 29 Millionen.

Welche Therapien helfen den Patienten?

Eine Fettleber-Erkrankung – ausgelöst durch Alkohol oder nicht – lässt sich am besten durch einen gesunden Lebenswandel therapieren. Also: indem man Übergewicht reduziert und einen gegebenenfalls vorliegenden Diabetes therapiert. Sind Hepatitis B-Viren die Ursache der Lebererkrankung – diese werden übrigens durch Blut, andere Körperflüssigkeiten und intensivem Schleimhautkontakt übertragen –, dann lassen sich diese Erreger sehr wirksam durch eine dauerhafte Einnahme von Medikamenten in Schach halten. Besser als zu behandeln, ist es aber, einer Infektion mit Hepatitis B-Viren durch eine Impfung vorzubeugen. Und das bereits möglichst früh: Empfohlen wird die Impfung für Säuglinge ab zwei Monaten, bei Kindern tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Eine Impfung gegen Hepatitis C-Viren gibt es leider nicht. Die Erkrankung lässt sich aber seit Kurzem bei fast allen Betroffenen durch eine medikamentöse Behandlung in wenigen Monaten heilen.

Und wie behandelt man Patienten, bei denen ein Gallenstau die Leber krank gemacht hat?

Mit Medikamenten, die sie teils längere Zeit einnehmen müssen. Bei manchen Patienten werden die Gallenwege zudem endoskopisch geweitet. Allgemein gilt: Einige dieser Erkrankungen können auch sehr heftig akut verlaufen. In diesem Fall ist es wichtig, dass sie möglichst bald in einem Zentrum behandelt werden, in dem Ärzte mit viel Erfahrung tätig sind und das auch die Möglichkeit einer Lebertransplantation bietet.

Etwa bei einer Leberzirrhose? Was genau ist das eigentlich?

Von einer Zirrhose spricht man, wenn das Organ durch eine langjährige Lebererkrankung immer mehr vernarbt ist. In schweren Fällen kann dies in der Tat eine Transplantation nötig machen. Auf Dauer können viele Lebererkrankungen auch zu Leberkrebs führen. Selbst hierfür gibt es wirksame Therapieverfahren. Diese sind umso erfolgversprechender, je früher der Krebs erkannt wird. Behandelt wird dabei oft interdisziplinär. Das heißt, Ärzte verschiedener Fachgebiete arbeiten zusammen. Bei Leberkrebs wird je nach Fall operativ oder durch interventionelle radiologische Verfahren, also spezielle Formen der Strahlentherapie, behandelt. Oft kommt auch eine Kombination zum Einsatz; oder eine Behandlung mit Medikamenten.

Besser als behandeln ist vorbeugen – was kann jeder selbst für seine Leber tun?

Hier ist es zunächst wichtig, verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen, die zu einer Leber-Erkrankung führen können. Dazu gehört es etwa, Übergewicht zu vermeiden, Alkohol nur maßvoll zu konsumieren, sich gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben. Empfehlenswert ist zudem eine Impfung gegen Hepatitis-Viren. Auch ein riskantes Sexualverhalten – also ungeschützter Verkehr oder Sex mit häufig wechselnden Partnern – sollte man vermeiden. Zum Schluss noch ein Plädoyer für den Kaffeekonsum: Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Patienten, die täglich mindestens zwei Tassen Kaffee trinken, Erkrankungen der Leber langsamer fortschreiten.

Machen Sie den Lebercheck: So gesund ist Ihre Leber.

Interview: Andrea Eppner

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