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Unsere Podiumsgäste (v. l.): Prof. Dr. Christian Stief von „Stiefs Sprechstunde“; Lydia Staltner, Gründerin des Vereins „Lichtblick Seniorenhilfe“, der sich um ältere Menschen in Not kümmert und den der Münchner Merkur unterstützt; Ludger Bornewasser, Fachanwalt in der Kanzlei „Advocatio“ in München und Experte für das Thema „Patientenverfügungen“; PD Dr. Barbara Richartz, Kardiologin und Moderatorin des Abends; PD Dr. Dr. Berend Feddersen, Leiter der „Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Barbara Stäcker, Mutter der an Krebs verstorbenen Nana Stäcker und Gründerin des Vereins „Recover your smile“; David W. Theil, seit dem Jahr 2007 Dekan für die Pfarreien der Münchner Innenstadt.

Merkur-Sprechstunde – die Nachlese

Den letzten Tagen mehr Leben geben

Was am Ende wirklich zählt? Nicht der teure Porsche in der Garage – sondern die Familie, das Eingebundensein. Bei der Merkur-Sprechstunde sprachen Experten über das sensible Thema Palliativmedizin. Hier unsere Nachlese.

Wovor haben Todkranke am meisten Angst?

Kurz nach der Diagnose kämpfen Patienten mit ihren Emotionen, sie hadern – und sie fragen sich: „Warum ich?“ Das sei natürlich, sagt PD Dr. Dr. Berend Feddersen, Leiter der „Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach dem Erstgespräch stelle sich meist heraus, dass die Patienten vor dem Tod keine Angst hätten – „eher davor, dass es zum Ende hin nochmal schwierig werden könnte, mit Erstickungsanfällen oder extremen Schmerzen“, erzählt Feddersen. Diese Angst versucht er den Menschen zu nehmen. Denn: Palliativmedizin kann hier sehr viel leisten – unter anderem durch die Gabe von Medikamenten, um diese Symptome zu lindern.

Hat die Palliativmedizin auch Grenzen?

„Wir sagen immer ehrlich, dass wir nicht jeden Patienten schmerzfrei bekommen“, sagt Feddersen. Patienten mit solchen Problemen gebe es jedoch extrem selten. Bei diesen wenigen Fällen komme der Schmerz meist nicht nur durch körperliche Symptome, sondern auch durch die Psyche. Die körperliche Komponente bekomme man mit Morphin gut in den Griff, erklärt Feddersen. Die seelische gestaltet sich indes komplexer. Feddersens Team denkt dann darüber nach, ob etwa ein Seelsorger kommen soll, der womöglich für eine gewisse Entlastung sorgt. „Wir drehen nicht ohne mit der Wimper zu zucken das Rädchen beim Morphin stündlich höher“, sagt er. Es handle sich vielmehr um eine individuelle Therapie – wie auch die Moderatorin des Abends, PD Dr. Barbara Richartz, Chefärztin in Bad Wiessee und Herz-Expertin, feststellt.

Wie kann die Kirche den Patienten helfen?

„Die Kirche kann nicht nur helfen, sie soll und muss sogar helfen“, sagt Pfarrer David W. Theil. Sie habe eigens dafür viele Einrichtungen – sowohl die evangelische wie auch die katholische Kirche. Und: „Ich habe noch nie einem Menschen nicht helfen können, weil ich dafür kein Geld hatte“, erklärt Pfarrer Theil. „Das, was mich vielmehr betrübt, ist, dass wir die Not oft nicht wissen, sie nicht mitbekommen.“ Gerade ältere Alleinstehende, die etwas benötigen würden, meldeten sich meist nicht.

Wie gehen Ärzte mit der Frage „Wie lange habe ich noch?“ um?

Bei dieser Frage fordern die meisten Patienten Ehrlichkeit, sagt Prof. Dr. Christian Stief, Direktor der Urologischen Klinik der LMU und bekannt aus „Stiefs Sprechstunde“ (siehe linke Spalte). Allerdings habe er festgestellt, dass Statistiken hier nicht viel helfen würden. „Vor mir sitzt doch eine ganz eigene Person“, erklärt Stief. Er sage daher stets: „Die Statistik sagt, Patienten mit Ihrer Erkrankung haben in der Regel noch xx Jahre. Aber mit einer zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit kann man weitere zehn Jahre leben. Am Ende werden es aber vielleicht nur zwei.“ Der Arzt müsse in solchen Fällen alles offen halten – und trotzdem dem Patienten klarmachen, dass dieser sein Leben regeln müsse. Und ja, natürlich habe sich Stief auch schon mal in seiner Diagnose geirrt: „Da ich weder der liebe Gott noch der Papst bin, täusche ich mich den ganzen Tag. Ich versuche es aber, selten zu machen. Und je älter ich werde, desto vorsichtiger werde ich“, sagt er. Palliativmediziner Feddersen ergänzt, dass er seinen Patienten Zeit zum Nachdenken gebe. „Dann frage ich sie: ,Was ist Ihr Gefühl?‘ Vor kurzem hat mir darauf jemand geantwortet: ,Also Weihnachten schaffe ich noch, aber danach...‘ Je näher es aufs Ende zugeht, desto klarer wird auch alles für den Patienten“, sagt Feddersen.

Kann man einen Arzt zur „Hilfe beim Suizid“ zwingen?

„Ich kann keinen Mediziner dazu zwingen, mir einen tödlichen Medizin-Cocktail hinzustellen“, sagt Ludger Bornewasser, Fachanwalt in der Münchner Kanzlei „Advocatio“. Das sehe die Rechtsordnung nicht vor. Man könnte aber den Wunsch dazu äußern. Und: „Vielleicht finde ich jemanden – einen Arzt oder einen Angehörigen.“ Juristisch bewege sich das allerdings im Graubereich. Der soll erst am 6. November geregelt werden: An diesem Tag entscheidet der Bundestag über die gesetzliche Regelung der Beihilfe zum Suizid; vier Abgeordnetengruppen haben hierzu Gesetzentwürfe eingebracht. Tags zuvor will der Bundestag über ein Gesetz aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) abstimmen, das die Palliativmedizin und Hospizarbeit stärken soll, um Schwerstkranken und Sterbenden künftig besser helfen zu können. Zur aktiven Sterbehilfe sagt Pfarrer Theil: Menschlich könne er verstehen, dass Schwerstkranke Angst davor hätten, in eine Situation zu kommen, in der sie nicht mehr leben wollten und „das dann selbst nicht mehr erledigen können“. Aber: „Es ist schwierig für die, denen ich diese Aufgabe zumute.“ Er war mal in der Schweiz, wo aktive Sterbehilfe erlaubt ist, und hat mitbekommen, als sich ein Sterbender einen „Cocktail“ bestellt hatte. „Da war auch eine Erstickungstüte dabei, falls der Cocktail nicht funktioniert“, erzählt er. Und: „Einer der Angehörigen hätte das dann ausführen müssen.“

Zusammengefasst von Angelika Mayr

Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung: So arbeitet das SAPV-Team von Herrn Dr. Feddersen

Merkur Sprechstunde 2015: Würde geben auf dem letzten Weg

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