Ursachen und Bekämpfung

Lipome – die lästigen Fettbeulen

Jeder siebte Mensch hat eines: Einen kleinen, gut tastbaren Knubbel, eine sichtbare Beule unter der Haut, die allmählich größer wird: Ein Lipom. Wir gehen den lästigen Fettbeulen auf den Grund.

Jeder siebte Mensch hat ein es: Einen kleinen, gut tastbaren Knubbel, eine sichtbare Beule unter der Haut, die allmählich größer wird. Die Geschwülste aus verklumpten Fettzellen können hart oder weich sein, sie bilden sich im Fettgewebe der Unterhaut und sind von einer Kapsel umgeben. Lipome gehören zu den häufigsten gutartigen Weichteiltumoren. Tumor bedeutet in diesem Fall also nicht, dass die Knubbel bösartig sind. Meistens wachsen diese sehr langsam, irgendwann hören die meisten ganz auf zu wachsen. Wie kann man sicher sein, dass es sich wirklich um eine harmlose Geschwulst handelt und wann sollte sie behandelt werden? Darüber sprach die tz mit Professor Thomas Ruzicka, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin der Klinik in der Thalkirchner Straße.

Die lästigen Fettbeulen

Bekommen Menschen eher Lipome, wenn sie übergewichtig sind oder sich fettreich ernähren?

Prof. Thomas Ruzicka, Chefarzt der Klinik für Dermatologie.

Professor Thomas Ruzicka: Nein, sogar wenn jemand massiv abnimmt und seine Fettschicht dabei wegschmilzt, bliebe sein Lipom gleich groß. Lipome wachsen einfach unabhängig vom Körper. Wir wissen noch nicht, warum sie überhaupt entstehen, sie sind grundsätzlich jedoch sehr häufig. Es gibt Menschen, die haben nur eins, andere haben zwei oder drei, aber ich hatte auch schon Patienten mit Hunderten von diesen Geschwülsten. Dann spricht man von einer Lipomatose oder multiplen Lipomen. Lipome können an jeder Körperstelle auftreten, am häufigsten findet man sie am Stamm, also Bauch und Rücken, aber es gibt sie auch an den Armen und Beinen. Im Gesicht kommen sie dagegen seltener vor. Am behaarten Kopf ist es manchmal etwas schwierig, Lipome von Talgzysten zu unterscheiden. Die können sehr ähnlich aussehen und sich auch ähnlich anfühlen. Das müsste dann von einem Hautarzt genauer abgeklärt werden.

Wann sollte man überhaupt mit einem Lipom zum Spezialisten?

Ruzicka: Lipome sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ganz harmlos. Zum Problem werden Lipome, die rasch wachsen. Diese sollte man entfernen, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um eine bösartige Entartung handelt. So etwas kommt sehr selten vor, aber man muss immer auch an eine solche Möglichkeit denken, damit man einen bösartigen Tumor nicht übersieht.

Sind schmerzhafte Lipome gefährlicher als solche, die nicht wehtun?

Ruzicka: Nein. Lipome sind zwar normalerweise nicht schmerzhaft, aber sie können Schmerzen verursachen, wenn sie z. B. auf Nerven drücken. Oder sie befinden sich an stark belasteten Hautstellen, wo sie einfach stören wie zum Beispiel am Ellenbogen. Überwiegend bestehen Lipome rein aus Fettzellen. In seltenen Fällen enthalten sie auch Blutgefäße und Nerven. Solche Lipome nennt man Angiolipome und sie können wirklich schmerzhaft sein. Aber auch diese Unterart der Lipome kommt nur sehr selten vor.

Wann muss man Lipome behandeln?

Ruzicka: Man muss die Lipome dann behandeln, wenn es den Patienten aus kosmetischen Gründen stört. Das ist eine persönliche Empfindung. Eine zweite Indikation ist, wenn ein Lipom irgendwo schmerzt oder drückt. Wenn man z. B. nicht mehr auf dem Rücken liegen kann, weil dort ein Lipom wächst. Und wie schon gesagt, bei raschem Wachstum eines Lipoms sollte man schnell handeln, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um eine bösartige Entartung handelt. Sind Lipome schon recht groß geworden, empfehle ich meistens eine Entfernung. Es ist einfach absehbar, dass sie irgendwann stören werden. So ein Lipom wächst meistens weiter, es verschwindet nicht von allein. Die Operation dagegen ist ein einfacher, sicherer Eingriff. Grundsätzlich liegt es im Ermessen des Patienten, es ist keine Muss-Operation. Als Arzt rät man einem 30-Jährigen, dessen Lipom noch die nächsten Jahrzehnte vorhanden sein wird, auch eher zu einer Operation als einem 90-Jährigen.

Wie werden Lipome behandelt?

Ruzicka: Die Operation mit verschiedenen Variationen ist die sinnvollste, einfachste und wirksamste Methode. Es liegt in der Logik der Sache, dass die Operation umso einfacher ist, je früher sie erfolgt. Es ist klar, dass ein ein Zentimeter großes Lipom besser zu entfernen ist als ein zehn Zentimeter großes Lipom. In der Regel jedoch ist die Operation keine große Belastung für den Patienten und auch kein großes technisches Problem für den Arzt. Die Haut über dem Lipom wird angeritzt und aufgeschnitten. Aber nicht über die ganze Länge des Lipoms, sondern nur über eine Teillänge. Dann kann man das Lipom mit einem Instrument, z. B. mit einer Pinzette, fassen und versuchen, es durch diese Öffnung wie durch ein Knopfloch herauszuziehen. Das ist in der Regel möglich, damit ist der Schnitt auch kürzer als die Breite des Lipoms und das kosmetische Resultat sehr befriedigend. Komplikationen sind selten, die Operation ist einfach und schmerzlos durchzuführen. Sie wird lediglich dann etwas problematischer, wenn das Lipom an irgendwelchen komplizierten Stellen sitzt, in der Nähe von großen Nerven, wo man aufpassen muss, dass man diese Nerven nicht verletzt.

Kann man Lipome absaugen, so wie in der Schönheitschirurgie ja auch Fett abgesaugt wird?

Ruzicka: Absaugen ist eine Möglichkeit, auch bei uns in der Klinik sind die Geräte vorhanden. Doch die Operation ist so einfach, dass das Absaugen keine wesentlichen Vorteile bringt. Es gibt ferner die Möglichkeit, kleine Lipome chemisch zu entfernen mit Substanzen, die das Fettgewebe auflösen. Da kann es jedoch zu erheblichen Schmerzen und Entzündungen kommen, sodass wir diese Therapie derzeit nicht empfehlen. Möglich, dass es da in einigen Jahren Fortschritte gibt. Aber zum jetzigen Stand der Dinge ist die Operation einfach, unproblematisch und nicht belastend. Die Chance, dass das Lipom zurückkommt, ist bei dieser Therapie auch am geringsten.

Gehört der Stiernacken auch zu den Lipomen?

Ruzicka: Es gibt sehr seltene Erkrankungen, bei denen es zu massiven, zum Teil auch grotesken Ablagerungen von Fettgewebe an bestimmten Körperteilen kommt. Der sogenannte Stiernacken gehört dazu, er kommt bei bestimmten Hormonstörungen zum Ausdruck. Das ist seit Langem bekannt. Hier übrigens hat man mit dem Absaugen ganz gute Erfahrungen gemacht, z. B. wenn der Stiernacken zu Beschwerden führt, weil der Patient den Kopf nicht mehr frei bewegen kann.

Wichtige Fettzellen

Fettschicht unter der Haut mit fünf Buchstaben? Freunde von Kreuzworträtseln kennen die Antwort: Speck. Tatsächlich dient das Fettgewebe in der Unterhaut als Wärmeschutz und Energiespeicher. Die Unterhaut ist unterschiedlich dick: dünn an der Stirn, dick am Po. Sie macht circa 15 bis 30 Prozent des Körpergewichts aus. Dank der darin gespeicherten Energie kann der Mensch bis zu 40 Tage ohne Nahrung überleben. Möglich machen es die Fettzellen, die Adipozyten: Sie speichern Lipide in Form von Triglyceriden und setzen sie bei Bedarf auch wieder frei. Diese Vorgänge werden mit Hilfe von Hormonen gesteuert, daher gilt die Fettschicht des Menschen auch als größtes hormonell wirksames Organ im Körper. Die Fettzellen (Foto) sind keine Einzelkämpfer, sie können mithilfe des Bindegewebes mit Nachbarzellen verwachsen und – wie viele aus leidvoller Erfahrung wissen – dicke Schichten bilden. Das Problem dabei: Viele Stoffe, die in der Fettschicht gebildet und ausgeschüttet werden, werden in Zusammenhang gebracht mit Herzkreislauf-Erkrankungen. Daher werden die Zellen derzeit sehr intensiv erforscht. Und vielleicht findet man ja dabei quasi als Nebenprodukt auch die Ursache für die Entstehung von Lipomen, die sich aus einer Vorstufe der Fettzellen entwickeln!

Bekommen Dicke häufiger Lipome?

Warum Lipome sich bilden ist nicht bekannt. Vermutlich spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Eine gute Nachricht: Mit der Höhe der Blutfettwerte haben sie nachgewiesenermaßen nichts zu tun. Meistens haben Lipome eine Größe von wenigen Zentimetern. Sie können allerdings auch 20 bis 30 Zentimeter groß werden. Männer und Frauen sind gleich oft betroffen.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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