Betreuung im Team

Eine Lippe-Kiefer-Gaumenspalte ist gut behandelbar - vor allem, wenn sie direkt nach der Geburt von einem spezialisierten Team untersucht werden. Doch auch ältere Patienten mit dieser Erkrankung können von der Gesichtschirurgie profitieren.

Prof. Hendrik Terheyden

Veränderungen im Bereich des Kopfs nehmen Menschen als besonders beeinträchtigend wahr, weiß Prof. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. Dort bilden er und Prof. Ernst Magnus Noah, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie, die Kompetenzen für unterschiedliche Bereiche der rekonstruktiven Chirurgie.

Gesichtsfehlbildungen wie die Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten beeinträchtigen aber nicht nur das Aussehen, sondern auch Funktionen wie Sprechen, Hören und Kauen. Diese Fehlbildungen, die im Volksmund veraltet als „Hasenscharte“ oder „Wolfsrachen“ bezeichnet wurden, kommen einmal unter 500 Geburten vor und stellen damit die zweithäufigste Fehlbildung des Menschen. Sie bilden sich relativ früh in der Kindesentwicklung um die sechste bis zehnte Schwangerschaftswoche.

Häufig können Pränatalmediziner bei guten Bedingungen Spaltbildungen mittels Ultraschall bereits vor der Geburt erkennen. Bleibt die Spaltbildung bis zur Geburt noch unentdeckt, sollte ein erfahrenes Team die Eltern sofort nach der Geburt über die sehr guten Behandlungsmöglichkeiten informieren. „Bei guter Betreuung lassen sich funktionelle und ästhetische Beeinträchtigungen auf ein Mindestmaß reduzieren“, erklärt Terheyden. Diese erfolgt durch ein interdisziplinäres Team aus Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Kinderärzten, Hals-, Nasen- Ohrenärzten, Kieferorthopäden, Sprachtherapeuten und anderen Spezialisten. In einer fachübergreifenden Sprechstunde nehmen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen gemeinsam mit Kinderärzten die Funktion des Koordinators wahr, die die anderen Fachleute dann je nach betroffenem Bereich hinzuziehen. Die kontinuierliche Betreuung sollte bis zum Wachstumsabschluss mit dem 18. Lebensjahr in einer Hand bleiben.

Gleich nach der Geburt

Erste Behandlungsschritte erfolgen schon kurz nach der Geburt mit Gaumenplatten, die unter anderem die Nahrungsaufnahme des Säuglings erleichtern. Ab dem vierten Lebensmonat folgen meist die Spaltverschlussoperationen. Große persönliche Erfahrung des operierenden Arztes sind besonders wichtig, um unbedingt langfristig die weiteren Entwicklungen abschätzen und voraussehen können: „Operative Maßnahmen können noch im Erwachsenenalter Folgen nach sich ziehen“, weiß Terheyden, „das Wachstums des Kiefers, des Gesichts und der Nase dürfen nicht durch Operationsnarben beeinträchtigt werden.“ Angst vor eventuellen Risiken möchte Terheyden den Eltern gern nehmen: „Aufgrund der Fortschritte in der Kinderanästhesie sind Narkosen auch im Säuglingsalter sehr sicher geworden.“ Zudem normalisieren sich nahezu alle durch Lippen-Kiefer- und Gaumenspalten verursachten Probleme, so dass soziale oder berufliche Benachteiligung nicht befürchtet werden muss. Auch ältere Patienten können von der Gesichtschirurgie profitieren, vor allem im ästhetischen Bereich, aber nicht nur. (nh)

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