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So halten Sie Ihren Magen an Weihnachten fit

München - Platzerl und Glühwein strapazieren seit Wochen den Magen. Und die Feiertage mitsamt fettem Festschmaus kommen erst noch! Wie Weihnachten leicht verdaulich wird – die Experten-Tipps in der tz:

Ein Stück Stollen zum Frühstück, mittags knuspriger Gänsebraten, die Plätzchen zwischendurch mit ein bisschen Glühwein runtergespült und abends ein Käsefondue für die nötige Bettschwere: Die Feiertage sind ein Härtetest für Magen, Darm, Gallenblase und den gesamten Kreislauf. Nicht überraschend, dass jedes Weihnachten in den Arztpraxen und der Magen-Darm-Sprechstunde des Münchner Klinikums viele Menschen über Magendrücken, Sodbrennen oder starke Bauchschmerzen klagen. „Die Kunst dabei ist, die eher harmlosen Nachwirkungen einer Weihnachtsvöllerei von ernsthaften Erkrankungen zu unterscheiden“, sagt Dr. med. Reinhard Kopp, Chefarzt der Chirurgie am Klinikum Harlaching. Er beschreibt im tz-Gespräch die Alarmsignale des Körpers und gibt Tipps für leicht verdauliche Festtage.

Nach einem üppigen Mahl drückt der Magen. Einfache Beschwerden wie anhaltendes Völlegefühl, saures Aufstoßen oder Brennen in der Speiseröhre (Sodbrennen) vergehen in der Regel wieder. Tee oder entblähende Medikamente aus der Apotheke können die Beschwerden des meistens bessern. Dr. Kopp: „Wenn das Sodbrennen nicht verschwindet und häufiger auch im Liegen auftritt, sollte man zum Arzt gehen. Magen und Speiseröhre werden durch einen ringförmigen Muskel getrennt, der wie eine Dichtung wirkt. Ist dieser Schließmechanismus nicht ganz dicht oder etwas in den Brustraum verrutscht, kommt es zum sauren Aufstoßen.“ Die Refluxkrankheit ist weit verbreitet, jeder dritte Erwachsene leidet darunter. Bei der Behandlung werden zunächst Medikamente verschrieben, die die Säure reduzieren oder neutralisieren, und der Patient soll häufiger kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen. Chefarzt Reinhard Kopp: „Wenn das nicht ausreicht, kann es erforderlich sein, den Schließmuskel durch eine Operation wieder an den richtigen Platz zu bringen.“

Die Gallenblase macht bei einer Völlerei Überstunden. Ihre Flüssigkeit macht Fette verdaulich. Kopp: „Durch die vermehrte Nahrungs- und Fettaufnahme muss sich die Gallenblase verstärkt entleeren.“ Das Problem dabei: etwa ein Drittel aller Erwachsenen hat Gallensteine unterschiedlicher Größe, die, wenn sie keine Probleme machen, auch nicht behandelt werden müssen. Wird jedoch viel Gallenflüssigkeit benötigt, können die Steinchen in den Gallengang rutschen, sich im Gallengang und am Übergang zum Zwölffingerdarm einklemmen und dadurch zu einer sehr schmerzhaften Gallenkolik führen.

Das tut dem Verdauungssystem gut: Der Arzt rät, üppige Mahlzeiten zu meiden und lieber mehrere kleine Portionen zu essen. Alkohol in Maßen und dazwischen ausreichend stilles Mineralwasser oder Tee trinken. Beim Weihnachtsessen sollte man sich zum Essen ausreichend Zeit nehmen und die Speisen gut kauen. Wenn es doch zu viel war, hilft ein Spaziergang nach dem Essen, um die Verdauung auf Trab zu bringen. Unterschätzt wird der Faktor Stress. Dr. Kopp: „Wer es schafft, sich aus dem Weihnachtsstress rauszunehmen, hat seltener Verdauungsprobleme. Stress hat einen großen Einfluss auf die Säureproduktion sowie auf die Beweglichkeit des Magens und des Darms. Bei Stress produziert der Magen mehr Säure. Der Darm reagiert individuell, er wird träger oder wird angeregt mit dünnem Stuhl oder Durchfall. “

Akute Bauchschmerzen im Unterbauch können auch in der Weihnachtszeit als ein Alarmsignal für eine Entzündung im Bauchraum sein. Eine akute Blinddarmentzündung kann auch Erwachsene treffen und muss frühzeitig erkannt werden. Auch Entzündungen von Darmdivertikeln im Unterbauch können Schmerzen auslösen. „Dabei handelt es sich um Ausstülpungen der Darmwand im Bereich kleiner Blutgefäße, die sich bei etwa 50 bis 70 Prozent der Erwachsenen entwickelt haben und zunächst meistens keine Beschwerden verursachen. Dr. Kopp: „Aber in etwa zehn Prozent der Fälle kann eine akute Entzündung der Darmwand entstehen, mit begleitender Bauchfellentzündung, und die muss ernst genommen werden.“ Der Patient darf nur wenig essen, meist bekommt er Antibiotika und Infusionen. oder muss bei schwerer Entzündung mit Darmdurchbruch operiert werden.

Während der Weihnachtszeit sollten besonders Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen vorsichtig sein. Durch ein ungewohnt üppiges Weihnachtsessen kommt es in Verbindung mit Alkohol zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Das Blut wird im Verdauungstrakt benötigt, Herz und Hirn können eventuell zu kurz kommen. Dr. Kopp erklärt das so: „Gefährlich wird es, wenn Herzkranzgefäße oder die zum Hirn führenden Arterien schon verengt sind. Die größeren Gefäße weiten sich durch den Alkohol, dadurch sinkt der Blutdruck. Die Durchblutung im Herz oder Hirn reduziert sich, es kann zum Schlaganfall oder zum Herzinfarkt kommen! Kopp: „Studien aus Amerika haben gezeigt, dass um die Weihnachtszeit und das Neue Jahr eine nachweisbare Zunahme von Herzinfarktereignissen zu beobachten ist.“

Wie kann man die einfachen Essensbeschwerden von schwerwiegenden Erkrankungen unterscheiden, bei welchen Zeichen sollte man zum Arzt oder in die Klinik gehen? Reinhard Kopp: „Bei Fieber, Schüttelfrost, heftigen anhaltenden Schmerzen, kolikartigen Krämpfen, wenn es zu anhaltendem Erbrechen oder Durchfall kommt und dabei Schwindel oder eine Kreislaufschwäche auftritt, sollte man auf jeden Fall schnell zum Arzt.“

Hilft ein Schnaps?

Die Antwort ist ein Jein. Dr. Kopp: „Der Alkohol in Maßen verlangsamt die Beweglichkeit des Magens, die Wand wird weiter, dadurch reduziert sich lediglich das Völlegefühl. Die Verdauung wird nicht verbessert. Um die Beweglichkeit des Magen anzukurbeln, wäre eigentlich ein Kaffee geeigneter. Kaffee jedoch regt die Säureproduktion an, und deshalb sollten Menschen mit Magenproblemen beim Kaffee wiederum sehr vorsichtig sein.“

S. Stockmann

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