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Das Bakterium Helicobacter pylori ist gegen die Magensäure resistent und kann Magenkrebs verursachen.

Magenkrebs: Wie man vorbeugt und behandelt

Weltweit ist Magenkrebs die zweithäufigste bösartige Tumorart. In Deutschland steht er in der Liste der häufigsten Krebserkrankungen allerdings nur auf Platz fünf – Tendenz weiter sinkend.

Ursache ist wahrscheinlich die verbesserte Ernährung. Insgesamt gehen etwa fünf Prozent der bösartigen Tumorerkrankungen vom Magen aus.

Doch erkranken auch hierzulande jedes Jahr etwa 20.000 Menschen an Magenkrebs. Ein großer Teil der Fälle wird leider erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt, da Magentumore lange keine Beschwerden verursachen. Treten Völlegefühl im Oberbauch, Schmerzen, Appetitlosigkeit Übelkeit oder Erbrechen auf, ist der Tumor meist schon fortgeschritten und hat Metastasen gebildet.

Anders etwa in Japan: Dort werden sehr viele Magenkarzinome in einem frühen Stadium entdeckt. Der Grund: Viele Menschen unterziehen sich dort vorsorglich einer Magenspiegelung. Denn im Gegensatz zur westlichen Welt ist Magenkrebs in Japan, wie etwa auch in Ländern wie China, Russland und Bulgarien, eine sehr häufige Erkrankung. Deutlich seltener tritt dort dagegen der hierzulande sehr häufige Darmkrebs auf. „Ein Grund ist sicher die Ernährung“, sagt Prof. Wolfgang Schmitt, Gastroenterologe vom Klinikum Neuperlach. Das legt auch die Beobachtung nahe, dass sich das Erkrankungsrisiko nach einer Generation angleicht, wenn Menschen aus Japan etwa in die USA umsiedeln. Ein erhöhtes Risiko hat offenbar, wer oft Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Nitrat oder Nitrit zu sich nimmt. „In Japan ist es vor allem der gesalzene Fisch“, sagt Schmitt. Auch gepökeltes Fleisch und Konservennahrung enthalten oft erhöhte Mengen davon. Die Stoffe gelten regelmäßig genossen als krebserregend. Auch wer viel rotes Fleisch isst, erhöht damit das Erkrankungsrisiko. Zudem erkranken Menschen, die viel frisches Obst und Gemüse essen, offenbar seltener.

Ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs haben außerdem Raucher. Zudem gibt es eine Veranlagung zu erkranken. So haben Eltern, Kinder und Geschwister von Magenkrebskranken ein höheres Risiko, ebenfalls einen Tumor zu bekommen. Neben der Ernährung spielt zudem das Bakterium Helicobacter pylori eine wichtige Rolle. Es kann in der Magensäure überleben und gilt auch als die Ursache für Magengeschwüre. Zwar entwickelt sich nur bei einem Bruchteil der Infizierten tatsächlich ein bösartiger Tumor. Eine Infektion erhöht das Risiko aber deutlich. Ist ein Patient an Magenkrebs erkrankt, liegt zudem fast immer auch eine Helicobacter-Infektion vor. Wird eine solche festgestellt, sollte sie daher mit geeigneten Antibiotika behandelt werden.

Um Magenkrebs zu diagnostizieren, ist in der Regel eine Magenspiegelung nötig. Bei dieser wird eine Biopsie vorgenommen und das entnommene Gewebe dann im Labor untersucht. Ist der Tumor bösartig und hat noch keine entfernten Metastasen gebildet, ist Magenkrebs durchaus heilbar. Allerdings muss dazu oft der Magen oder zumindest ein großer Teil davon entnommen werden. Um den Magen zu ersetzen, wird dann eine Dünndarmschlinge mit der Speiseröhre verbunden. Die Betroffenen verlieren nach der OP allerdings meist zehn bis 20 Kilo an Gewicht und müssen ihre Ernährung umstellen. Viele können nur noch kleine Portionen zu sich nehmen, müssen Fettes und schwer Verdauliches meiden. Kohlenhydratreiche Ernährung wird oft sehr schnell aufgenommen, so dass der Blutzucker emporschnellen kann, um dann wieder rasch abzusacken. Zudem kommt es häufig zu einem Vitamin-Mangel. Die Patienten müssen die Vitamine B12, oft auch Vitamin D zuführen. Zudem erhalten sie häufig Kalzium.

Wird der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt, gibt es auch die Möglichkeit, den Magen komplett zu erhalten. Der Tumor wird dazu als Schleimhautstück endoskopisch abgetragen. Entwickelt wurde das Verfahren in Japan, da dort sehr viele Magentumore in einem frühen Stadium entdeckt werden.

Der Eingriff kommt ohne Schnitt von außen aus. Der Operateur gelangt über die Speiseröhre per Endoskop an den Tumor. Bei der sogenannten endoskopischen Submukosadissektion (ESD) wird das bösartige Gewebe dann vorsichtig von dem Muskel darunter gelöst und entfernt. Dies sollte in einem Stück (one-piece-resection) geschehen. Gelingt dies, ist das Risiko eines Rückfalls sehr niedrig. Dieses Verfahren wird daher auch im Klinikum Neuperlach angewandt. Zudem kann der Pathologe anhand des entnommenen Gewebes gut überprüfen, ob der komplette Tumor entfernt wurde. Gelingt die one-piece-Entfernung nicht, beträgt das Rückfallrisiko aber bis zu 25 Prozent. Die Operationsdauer beträgt im Schnitt je nach Größe ein bis zwei Stunden.

Infrage kommt die Methode aber nur, wenn der Krebs die unter der Schleimhaut liegende Schicht noch nicht befallen hat. Denn sonst kann damit nicht der komplette Tumor entfernt werden. Auch wenn es sich um einen sehr aggressiven Krebs handelt, verspricht das Verfahren keinen Erfolg. Dann sind selbst in einem frühen Stadium bereits oft Lymphknoten befallen. Diese kann man allerdings nur in einer offenen Operation entnehmen, um sie dann auf Tumorzellen zu untersuchen. Auch wenn der Krebs in Blutgefäße eingewachsen ist, kann er nicht per Endoskop entfernt werden. Dann ist die komplette chirurgische Entfernung des Magens erforderlich.  

sog

Leserfragen an Prof. Schmitt: wissenschaft@merkur.de

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