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Gefährlicher Winzling: Die Tigermücke trägt oft Viren im Leib – etwa die Erreger von Dengue und Gelbfieber.

Viren auf Weltreise

So kommen Tropenkrankheiten zu uns

München - Der Tod kommt auf Flügeln: Mücken und Fliegen verbreiten Krankheiten, die Millionen Menschen das Leben kosten. Die Überträger von Dengue, Malaria und Co. surren aber nicht mehr nur in den Tropen.

Mit ihrem schwarzen, schlanken Hinterleib sieht sie geradezu elegant aus: Auf ihrem Rücken sitzen zwei filigrane Flügel. Sechs lange Beine tragen ihren schmalen Körper, den weiße Streifen zieren. Diese haben ihr auch ihren Namen eingebracht: Asiatische Tigermücke.

Das tückische Insekt ist ein Winzling. Die meisten Mücken der Art Aedes albopictus – so ihr wissenschaftlicher Name – messen weniger als einen halben Zentimeter. Doch wenn sie zustechen, ist ihr Opfer in großer Gefahr. Tigermücken können eine Vielzahl von Krankheiten übertragen, darunter auch Dengue und Gelbfieber. Dabei sind sie nur eine Art unter vielen, die Jahr für Jahr Millionen von Menschen Krankheit und Tod bringen. Das Ausmaß des Problems ist so gewaltig, dass man sich bei der Weltgesundheitsorganisation WHO entschlossen hat, den diesjährigen Weltgesundheitstag den „vektorübertragenen Krankheiten“ (siehe Kasten) zu widmen.

Zumal das geflügelte Heer der gefährlichen Blutsauger immer weiter vorrückt. Der Klimawandel hilft ihnen dabei – und nicht nur der: Mücken, die einst nur in tropischen Regionen heimisch waren, reisen heute als blinde Passagiere im Bauch von Containerschiffen oder im Frachtraum von Flugzeugen. Sie kommen mit dem Glücksbambus aus Asien oder auch aus Südeuropa. Etwa in etwas Regenwasser, das sich in Autoreifen auf einer LKW-Ladefläche gesammelt hat. Dank steigender Temperaturen gelingt es den Mücken dabei immer öfter, sich in ihrer neuen Heimat zu behaupten.

Die Asiatische Tigermücke ist dabei besonders erfolgreich. Vielleicht deshalb, weil sie als wenig anspruchsvoll gilt. Inzwischen surren die Insekten auch in Italien, Frankreich und Spanien – und seit etwa drei Jahren in Süddeutschland. Immer wieder gehen Mückenjägern hier seither Exemplare von Aedes albopictus ins Netz. So meldete etwa das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), man hätte in den Sommermonaten 2012 und 2013 an einigen Rastplätzen entlang der Autobahnen A5 und A93 mehr als 30 Exemplare entdeckt. Auch Eigelege der Asiatischen Tigermücke haben die Forscher gefunden. „Offenbar stammen die Mücken aus Italien und sind als blinde Passagiere mit dem Güterverkehr über die Schweiz oder Österreich nach Deutschland gekommen“, sagte Professor Egbert Tannich vom BNITM.

Noch sind es nur einzelne Exemplare, die hierzulande auftauchen. Auch sind die Blutsauger nur dann eine Gefahr, wenn sie auch Krankheitserreger in ihrem Körper tragen. Dazu müssten sie aber zuvor einen Infizierten gestochen haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist in Deutschland gering. Zwar wurden beim Berliner Robert Koch-Institut im vergangenen Jahr 879 Dengue-Infektionen registriert. „Das sind so viele gemeldete Fälle wie noch nie“, sagt Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am BNITM. Doch hatten sich alle Erkrankten auf Reisen angesteckt, keiner von ihnen in Deutschland.

Die Gefahr rückt aber näher: Längst sind es nicht mehr nur ferne Länder wie Thailand, Indien oder Brasilien, in denen tropische Mücken schwere Krankheiten übertragen. So hat sich 2010 erstmals ein Reisender in Kroatien mit dem Dengueviren infiziert, es folgten einige Fälle in Südfrankreich. 2012 kam es auf der portugiesischen Insel Madeira sogar zu einem Ausbruch, bei dem sich mehr als 2000 Menschen infizierten. Überträger war in diesem Fall die ägyptische Tigermücke Aedes aegypti, auch sie kann Dengue-Viren in sich tragen. Zwar gilt der Ausbruch auf der Insel als beendet. Doch: „Es kann immer wieder zu einem Ausbruch kommen“, warnt Dr. Thomas Jänisch vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Das gilt nicht nur für das gefährliche Denguefieber, dessen Symptome mit Gliederschmerzen, Schüttelfrost und hohem Fieber oft denen einer Grippe ähneln. Richtig gefährlich wird es, wenn innere Blutungen hinzukommen. Das passiert bei einer Erstinfektion jedoch selten. Meist weniger dramatisch verläuft das Chikungunyafieber, das ebenfalls von Tigermücken übertragen wird, normalerweise aber nur in Teilen Afrikas und Asiens. 2007 kam es jedoch auch in Italien zu einem Ausbruch.

Wer auf Reisen geht, sollte sich daher früh informieren, welche Krankheiten in seinem Urlaubsland drohen – und wie man sich schützen kann. Verlässliche und aktuelle Informationen hierzu gibt es etwa auf der Internetseite des „Forum Reisen und Medizin“ (www.frm-web.de).

Hier erfährt man auch, dass man sich durch eine Impfung vor einer Infektion mit Gelbfieber-Viren schützen kann. Die muss man in vielen Ländern sogar nachweisen, um überhaupt einreisen zu dürfen. Eine Impfung gegen Malaria, die von der Anopheles-Mücke übertragen wird und vor allem in den Tropen ein Problem ist, gibt es leider nicht. Je nach Risiko im Urlaubsland empfehlen Reisemediziner daher ein Medikament für den Notfall mitzunehmen – oder sogar vorbeugend ein Arzneimittel zu schlucken. Weltweit betrachtet ist das Malariarisiko allerdings gesunken: Anopheles-Mücken konnten in ihrer Ausbreitung zurückgedrängt werden. Die Zahl der Malariainfizierten sind der WHO zufolge seit dem Jahr 2000 um etwa 29 Prozent gesunken.

Anders beim Dengue-Fieber. Das liegt auch daran, weil sich Tigermücken in der Nähe des Menschen besonders wohl fühlen. Sie legen ihre Eier auch in dreckiges Wasser – und finden solches in Abwasserkanälen, Müllhalden und Slums. Wachsende Städte bedeuten daher beste Bedingungen für die Tigermücken. Die Zahl der Dengue-Infektionen spiegelt das wieder. In den vergangenen 50 Jahren hat diese der WHO zufolge um das 30-fache zugenommen. Dengue ist auf dem Weg zur weltweiten Seuche.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien könnte die Ausbreitung des Erregers sogar noch beflügeln. Manche Bundesstaaten wie etwa Bahia, in dem auch die deutsche Nationalmannschaft spielen wird, seien Hochendemie-Gebiete, warnt Schmidt-Chanasit. Dengue tritt hier also gehäuft auf. Mit den vielen Fans, die zur WM reisen, steige die Gefahr, dass infizierte Mücken auch nach Europa gelangen. Reisende könnten sich zudem unbemerkt infizieren – und den Erreger zuhause auf Tigermücken übertragen.

Zwar gibt es keine Impfung, doch kann man sich durchaus auch vor Dengue schützen – indem man die Mücken gar nicht erst zum Stich kommen lässt. Reisende packen daher am besten Moskitonetz und mückenabwehrendes Mittel ein. Auf der Packung steht, ob dieses auch vor tropische Mücken schützt. Sicher vor der Seuche ist man aber nicht.

Andrea Eppner

*mit Material von dpa

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