+
Der Radiologe Dr. Walter Heindel deutet im Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster (UKM) auf eine Auffälligkeit in einer weiblichen Brust, dargestellt auf einem Computermonitor. 

Brustkrebs

Mammographie-Screening: Nur selten Falschdiagnosen

Skeptiker gibt es beim Mammographie-Screening in Deutschland genug. Einen Kritikpunkt können beteiligte Ärzte nun ausräumen: Fehlalarm gibt es zwar - aber er ist selten.

Bei der Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland kommt es nur selten zu Falschdiagnosen. Insgesamt werde bei 6 von 1000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren durch systematische Röntgenuntersuchungen Brustkrebs entdeckt, teilte die Kooperationsgemeinschaft Mammographie mit.

Insgesamt erhielten dabei nur drei Prozent der regelmäßigen Teilnehmerinnen eine falsche Tumordiagnose. Damit liege Deutschland bei den falsch-positiven Befunden unter dem Grenzwert von fünf Prozent, den die Europäischen Leitlinien empfehlen. Die neuen Ergebnisse beruhen auf dem jüngsten Qualitätsbericht des Screenings für das Jahr 2013.

Ist eine Mammografie sinnvoll?

Von rund 2,9 Millionen untersuchten Frauen, die der Einladung zum Screening folgten, erhielten nach den jüngsten Zahlen 17 430 die Diagnose Brustkrebs. Allerdings wurden zuvor fast 129 000 Frauen erneut eingeladen, weil mindestens ein geschulter Arzt den Befund auffällig fand. "Das Mammographie-Screening steht immer wieder wegen vermeintlich vieler Falschdiagnosen in der Kritik", sagt Vanessa Kääb-Sanyal, Leiterin der Geschäftsstelle der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Ärzte im Screening müssten jedoch jedem begründeten Verdacht nachgehen, um kein Karzinom zu übersehen.

Die Aufforderung zur Abklärung ist für viele Frauen ein Schock. Bei zwei Dritteln von ihnen konnten Ärzte 2013 aber schon nach kurzer Zeit durch weitere Untersuchungen, zum Beispiel mit Ultraschall, Entwarnung geben. Bei rund 35 000 Frauen blieb der Verdacht jedoch weiter bestehen. Nur ihnen wurde die Entnahme einer Gewebeprobe durch eine Mini-Operation empfohlen. Rund die Hälfte erhielt danach die Diagnose Brustkrebs. 

Beim Screening würden heute 75 bis 80 Prozent der Brustkrebserkrankungen entdeckt, erläutert Corinna Heinrich, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft. Dass es nicht 100 Prozent sein können, liege vor allem daran, dass Tumore auch zwischen den Untersuchungen im Abstand von zwei Jahren wachsen können. Und sie könnten auch übersehen werden.

Bei Frauen sind Karzinome in der Brust die häufigste Krebsart - und entsprechend gefürchtet. Nach den jüngsten Zahlen für 2012 gab es in Deutschland rund 70 000 Neuerkrankungen, 17 750 Frauen starben.

Der Radiologe Gerhard Dilbat deutet auf einer Röntgen-Aufnahme einer Brust auf eine gutartige Fettzellen-Verkalkung.

Das Screening-Verfahren, das zwischen 2005 und 2009 flächendeckend in Deutschland eingeführt wurde, ist mit Blick auf Kosten und Nutzen nicht unumstritten. Denn sichere Ergebnisse, ob Frauen durch das Verfahren wirklich einen Überlebensvorteil haben, können frühestens nach 10 Jahren vorliegen. Dafür wären Teilnehmeraten von 70 Prozent wünschenswert, in Deutschland liegen sie im Moment bei 57 Prozent. Oft haben Frauen Angst vor der Untersuchung - sie ist nicht ganz schmerzlos.

Nach den Statistiken des Robert Koch-Instituts (RKI) stiegen die Brustkrebs-Neuerkrankungsraten in Deutschland seit 2005 zunächst sprunghaft an. Seit 2009 sind sie leicht rückläufig. Das deute darauf hin, dass in der ersten Phase des Programms viele Tumore deutlich früher entdeckt wurden als ohne Screening, heißt es im RKI-Zentrum für Krebsregisterdaten.

Fest steht auch schon, dass Tumore in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen durch das Screening in einem früheren und kleineren Stadium entdeckt werden als vor Beginn der Reihenuntersuchung. Das kann die Chancen erhöhen, dass Frauen bei Operationen ihre Brust behalten können und der Krebs noch nicht gestreut hat.

Kritiker sprechen von Überdiagnose

Trotz gestiegener Erkrankungszahlen sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren, heißt es beim RKI. Die Überlebenschancen hätten sich vor allem durch Fortschritte in der Therapie deutlich verbessert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden beim Screening aber auch einige Tumore diagnostiziert, die sonst lebenslang unerkannt geblieben wären und keine Beschwerden verursacht hätten. Kritiker sprechen deshalb von Überdiagnosen.

Strahlenrisiko

Das Strahlenrisiko bei der Röntgenuntersuchung wird heute von Experten wegen moderner Geräte als deutlich geringer eingeschätzt als noch vor 20 Jahren. Doch die Frage bleibt, ob die Vorteile der Untersuchung das Risiko überwiegen, vorwiegend gesunde Frauen überhaupt Röntgenstrahlung auszusetzen.

Mammografie-Screening: Die wichtigsten Fakten

Was ist eigentlich ein Mammografie-Screening? Frauen sollten die Vor- und Nachteile kennen, um eine persönliche Entscheidung über die Teilnahme zu treffen. Hier finden Sie Fragen und Antworten.

Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So viel essen, wie Sie wollen — und dabei auch noch sechs Kilo abnehmen
Low Carb, Keto oder Stoffwechselkur: Viele Diäten setzen auf kalorienarme Speisen. Doch eine Expertin erklärt, welche Lebensmittel sogar helfen, Gewicht zu verlieren.
So viel essen, wie Sie wollen — und dabei auch noch sechs Kilo abnehmen
Dreifache Mutter spürt Stich im Nacken – dann erlebt sie blanken Horror
Rachel Foulkes-Davies dachte sich nichts, als sie bei der Gartenarbeit einen kleinen Stich im Nacken spürte. Doch dieser veränderte ihr Leben drei Jahre lang.
Dreifache Mutter spürt Stich im Nacken – dann erlebt sie blanken Horror
Ekel-Alarm: Das soll in stillem Wasser oftmals lauern
Stilles Wasser soll gesünder sein, während Kohlensäure für Blähungen sorgt und sogar dick machen soll. Doch Tests haben nun Schauriges ergeben.
Ekel-Alarm: Das soll in stillem Wasser oftmals lauern
Arzt sieht Frau in TV-Show - und entdeckt Seltsames an ihrem Hals
Was für ein Zufall: Ein Arzt sieht eine Kandidatin in einer TV-Show. Er entdeckt etwas Gefährliches an ihrem Hals – und rettet so ihr Leben.
Arzt sieht Frau in TV-Show - und entdeckt Seltsames an ihrem Hals

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.