Kinderarzt warnt vor Ausbreitung

Masern: Bis zu 1000 neue Fälle?

München - Rund 320 kleine und große Münchner haben sich seit April bereits angesteckt, und in den nächsten Wochen könnten in der Landeshauptstadt noch wesentlich mehr Patienten dazukommen.

„Ich befürchte etwa 500 bis 1000 neue Fälle“, sagte der erfahrene Kinderarzt Dr. Bernd Simon in einem tz-Gespräch.

In der großen Gemeinschaftspraxis, die der Impf-Experte bereits seit 1981 leitet, hatte er seit anderthalb Jahrzehnte lang keinen einzigen kleinen Masern-Patienten gesehen – bis heuer: „Zuletzt waren es fünf Fälle in vier Wochen“, berichtet Dr. Simon.

Den Grund für die Verbreitung des Virus hat er in einer steigenden Impfmüdigkeit ausgemacht: „In München sind vergleichsweise viele Kinder nicht geimpft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Masern wieder ausbrechen.“

Viele Eltern seien beim Thema Masern sorgloser geworden, so der Mediziner. „Sie sehen in der Erkrankung keine konkrete Bedrohung und empfinden es als lässliche Sünde, wenn sie mit ihren Kindern nicht zur Impfung gehen.“ Dies sei allerdings eine fatale Fehleinschätzung. Denn die Masern könnten im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Und es trifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. „Viele Erwachsene leiden dann sieben bis zehn Tage unter starken Symptomen wie hohem Fieber oder Husten. Manchmal entwickelt sich aus den Masern heraus sogar eine Lungen- oder Hirnhautentzündung.“

Trotzdem gebe es gerade in Großstädten viele Eltern und Erwachsene, die eine Impfung ablehnen. Sie vertrauen darauf, dass der Körper selbst mit dieser Krankheit fertig werden könne. Dr. Simon hält diese Einstellung für problematisch: „Jedes Verharmlosen der Masern­erkrankung ist verantwortungslos.“

Erst im Juni war ein 14-Jähriger an den Spätfolgen von Masern gestorben. So dramatisch verläuft die Erkrankung allerdings selten. Je nach Statistik kommt auf 1000 bis 3000 Patienten ein Toter.

Die wichtigsten Fragen

Masern-Alarm in München – wie verhalte ich mich richtig? gegenüber der tz beantwortet der erfahrene Kinderarzt Dr. Bernd Simon (68) die wichtigsten Fragen. Der Experte impft jährlich etwa 700 Kinder und Erwachsene mit 1600 Impfstoffen.

Mal abgesehen von den roten Hautflecken: Woran erkennt man die Masern? „Die Diagnose ist gar nicht so leicht zu stellen. Zunächst haben die Patienten starken Husten und hohes Fieber. Erst nach drei bis vier Tagen kommt der charakteristische Ausschlag dazu.“

Wie sollten sich Eltern oder erwachsene Patienten bei einem Verdacht auf Masern verhalten? „Gehen Sie nicht direkt in die Arztpraxis, sondern rufen Sie dort zunächst an. Das Virus ist ungeheuer infektiös, Sie könnten andere Patienten anstecken. Deshalb ist es oft besser, wenn der Arzt im Verdachtsfall einen Hausbesuch macht.“

Was kann man tun, wenn die Masern bereits ausgebrochen sind? „Die Masern sind eine Virus-Erkrankung. Wir Ärzte können sie nicht stoppen, sondern nur die Symptome lindern. Man kann sich das vorstellen wie einen fahrenden Zug ohne Notbremse. Man muss hoffen, dass nicht allzu viel passiert.“

Kann man sich auch als Erwachsener noch gegen Masern impfen lassen? „Natürlich, eine Impfung ist in jedem Lebensalter sinnvoll. Dabei bekommt man im Abstand von vier bis sechs Wochen zwei Spritzen in den Oberarm. Wichtig: Wenn man nur einmal geimpft ist, besteht noch kein ausreichender Schutz."

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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