+
Wer sich krank fühlt, muss gar nicht mehr aus dem Haus. Aber: Kann das gesund sein?

Informationen und Hilfsmittel aus dem Web

Gesund per Mausklick?

München - Viele suchen online nach medizinischem Rat und Hausmittelchen. Wir haben die beliebtesten Web-Angebote angeschaut und geprüft, wann das Internet eine gute Alternative sein kann und wann nicht.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – oder gleich das Internet. Immer mehr Patienten verzichten auf den Arztbesuch, sie scheuen lange Wartezeiten und die zehn Euro Praxisgebühr. Statt dessen suchen viele online nach medizinischem Rat und Hausmittelchen und greifen lieber auf den unerschöpflichen Vorrat an Informationen und Angebote aus dem Internet zurück. Die tz hat die beliebtesten Internetangebote angeschaut und nachgefragt, wann das Internet eine gute Alternative sein kann und wo man auf keinen Fall an seiner Gesundheit sparen sollte.

Gesundheitsportale

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger nutzen das Internet als Informationsquelle zu Gesundheitsthemen. Damit hat das WWW den Halbgott in Weiß als Hauptinformant verdrängt. 41 Prozent der Patienten informieren sich vor einem Arztbesuch, 31 Prozent suchen hinterher nach vertiefenden Erklärungen. Das ist keineswegs ein Zeichen, dass die Patienten an der Kompetenz ihres Arztes zweifeln, so das Ergebnis einer US-Studie. Vielmehr wollen sie besser informiert mit dem Mediziner sprechen können. An der Berliner Charité gibt es sogar schon Kurse, die Patienten in der Internet-Recherche fit macht.

Vorsicht: Oft werden Sachverhalte einseitig dargestellt und schüren so Ängste. Oder angebliche Forschungserkenntnisse werden mit Werbung für Produkte verknüpft. Nicht jeder Information blind vertrauen, sondern prüfen, von wem sie stammt – um abschätzen zu können, welche Interessen der Inhaber der Seite verfolgt. Weitere wichtige Fragen: Wie werden die Informationen belegt (Quellen)? Sind sie auf dem aktuellen Forschungsstand?

Tipp: Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf das Internet. Was für einige passt, muss überhaupt nicht auf Sie persönlich zutreffen. Schreiben Sie sich die wichtigsten Fakten und Fragen auf. Diese Informationen können ergänzend zum Arztbesuch sehr nützlich sein, doch die Internet-Recherche sollte das persönliche Arztgespräch und eine Untersuchung nie ersetzen. Die Stiftung Warentest hat die Portale GesundheitPro.de, netdoktor.de, und vitanet.de mit der Note „gut“ benotet. Bewertet wurde die inhaltliche Qualität, die Handhabung der Seite sowie der Umgang mit Anfragen.

Online-Arzt:

Virtuelle Arztpraxen sind in Deutschland gesetzlich verboten, daher hat sich der deutschsprachige DrEd auch in Großbritannien niedergelassenen. Er behauptet, hauptsächlich bei eher unangenehmen Leiden wie z. B. Erektionsstörungen konsultiert zu werden.

Vorsicht: Stiftung Warentest hat den Arzt getestet und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Die Patienten gehen ein hohes Risiko der Falschbehandlung ein.“ Rezepte werden per Post geschickt und dauern entsprechend lange. Die Behandlung muss übrigens privat bezahlt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Tipp: Lieber einmal zu viel zum Hausarzt gehen. Viele Krankheiten haben ähnliche Symptome. Nur im persönlichen Gespräch und durch eine Untersuchung gelingt es, die wahre Ursache der Beschwerden zu finden.

Medikamente online kaufen:

Vor einem Jahr gaben 61 Prozent der Bundesbürger an, schon einmal Arzneien bei einer Versandapotheke bestellt zu haben. Über 2000 einheimische Apotheker haben eine Zulassung als Versandapotheker, aber es gibt auch mehrere Hundert Versandapotheken im europäischen Ausland die mit günstigen Preisen um deutsche Kunden werben. Diese müssen sich jedoch seit August ebenfalls an die strenge deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente halten und dürfen keine Rabatte mehr gewähren. Übrigens: Der Versand von Arzneimitteln aus dem nicht europäischen Ausland an Privatpersonen in Deutschland ist verboten.

Vorsicht: Wer online bestellt, kann dabei an Medikamenten-Fälscher geraten. Der deutsche Versandhandel gilt als sehr seriös, aber wer garantiert, dass die Website nicht gefälscht ist? In den vergangenen Jahren ist der Anteil der vom Zoll beschlagnahmten Medikamenten drastisch gestiegen: Knapp 23 000-mal wurden im vergangenen Jahr gefälschte Arzneimittel sichergestellt. Dreiviertel davon kamen aus China. Wer im Internet rezeptpflichtige Medikamente bestellt, ohne ein Rezept vom Arzt einzuschicken, kann sich in Lebensgefahr bringen. Sehr häufig werden Potenzpillen oder Diätmittel gefälscht.

Tipp: In Deutschland steht hinter jeder Versandapotheke eine Apotheke vor Ort. Im Internet muss sich also ein Impressum mit Name und Anschrift finden. Zudem wird Name und Adresse der zuständigen Aufsichtsbehörde geannt. Es werden nur in Deutschland erhältliche Medikamente angeboten. Geht es um rezeptpflichtige Medikamente, muss das Rezept eingeschickt werden. Versandapotheken sind verpflichtet, einen Beratungsservice anzubieten.

Hörgeräte kaufen:

Der Patient kann Hörgeräte online bestellen, aber geliefert werden sie an einen Hörgeräte-Akustiker, oder der Kunde bekommt einen Gutschein, den er bei einem Akustiker einlösen muss. Denn, wie die Gesundheitsexpertin Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen anmerkt: „Die Geräte müssen von einem Fachmann individuell eingestellt werden.“ n Vorsicht: Bei Online-Händlern zahlen die meisten Krankenkassen nicht! Wer zu Sonderangeboten aus dem Internet greift, kann hinterher auf den Kosten sitzenbleiben. Vorher auf jeden Fall bei der Krankenkasse nachfragen.

Tipp: Es kann sich lohnen, bei den regelmäßig benötigten Batterien die Preise zu vergleichen und diese eventuell online zu bestellen.

Brillen und Kontaktlinsen:

Fünf Prozent der Deutschen können sich vorstellen, eine Brille online zu kaufen (Umfrage Allensbach-Institut). Die Anbieter werben damit, dass sie sich die Mieten für Geschäfte in teuren Innenstadtlagen sparen und daher gleiche Qualität zu bis zu 60 Prozent günstigeren Preisen anbieten. Anprobiert wird online über ein eingescanntes Foto. Wer sich nicht entscheiden kann, bekommt bei manchen Anbietern Gestelle auch zur Ansicht nach Hause geschickt. Für Nachfragen bezüglich der Glasart und besonderer Wünsche stehen Ansprechpartner am Telefon zur Verfügung.

Vorsicht: Brillen müssen individuell angepasst werden. Der Optiker vor Ort wird die Stellung der Augen messen, um die Gläser optimal einpassen zu können. Der Online-Optiker greift auf Werte aus einem bestehenden Brillenpass zurück. Wenn sich die Sehstärke verändert hat, kann er das nicht berücksichtigen. Auch die fertige Brille muss der Kopfform und den Ohren angepasst werden, damit sie optimal sitzt. Um diesen Nachteil auszugleichen, hat der Online-Händler Mr Spex Kooperationen mit örtlichen Optikern für Sehtests und Brillenanpassungen geschlossen.

Tipp: Preise vergleichen schadet nicht, vielleicht lässt ja der Optiker vor Ort mit sich handeln. Relativ bedenkenlos kann man online seine Kontaktlinsen kaufen: Die Gesundheitsexpertin Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Im Prinzip bekommt man im Internet die gleichen Marken, die auch beim Optiker bestellt werden können.“ Wer also seine Sehstärke und die Linsenwerte kennt, mit einer Marke zufrieden ist und im Internet-Versand günstiger erhält, geht kein Risiko ein.

Hilfsmittel wie z. B. Rollator kaufen:

Dieser Markt der gesundheitlichen Hilfsmittel wächst stetig. Verbraucherschutz-Expertin Anke Kirchner rät, sich vorher über die Bedingungen zur Rückgabe und Gewährleistung bei Mängeln zu informieren und auch darüber, wer zuständig ist, wenn das Gerät mal defekt ist. Wer im Internet bestellt, kann das Hilfsmittel nicht ausprobieren, ob es wirklich zu einem passt.

Tipp: Ganz wichtig ist es, sich vorher bei der Krankenkasse und der Pflegekasse zu erkundigen, ob und welche Kosten übernommen werden. Sonst kann das Online-Schnäppchen unerwartet teuer werden, wenn die Kassen sich weigern zu zahlen.

sus

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Diese Frau schluckt 100 Tabletten am Tag - sonst stirbt sie
Eine junge Frau leidet gleich an drei seltenen Erkrankungen - und kann dadurch kaum mehr das Haus verlassen. Zudem nimmt sie fast 100 Tabletten am Tag zu sich.
Diese Frau schluckt 100 Tabletten am Tag - sonst stirbt sie
Wie Patienten sich Namen von Medikamenten leichter merken
Viele Arzneimittel tragen komplizierte Namen und dem medizinische Laien fällt es oft schwer sich die Bezeichnung einzuprägen. Eselsbrücken und andere Tricks können dabei …
Wie Patienten sich Namen von Medikamenten leichter merken
Krass: Diese zwei Charakterzüge schützen Sie vor Depressionen
In Deutschland leiden der Weltgesundheitsorganisation zufolge über vier Millionen Bürger an Depressionen. Doch wie kann man sich dagegen schützen?
Krass: Diese zwei Charakterzüge schützen Sie vor Depressionen
Youtube-Star lässt sich 30 Mal operieren - so sieht sie jetzt aus
Eine junge Frau unterzieht sich unzähligen Schönheitsoperationen – und sieht am Ende ganz anders aus. Was dahinter steckt, ist tragisch.
Youtube-Star lässt sich 30 Mal operieren - so sieht sie jetzt aus

Kommentare