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Tina Buchholz, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin.

Tagung in München

Debatte über genetische Beratung für Kinderlose

München - Wenn Paare mit unerfülltem Kinderwunsch zum Arzt ankommen, wird alles Mögliche untersucht. Zu kurz kommt dabei oft die Frage nach der genetischen Ursache.

Genetische Gründe werden bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch nach Expertenmeinung zu wenig beachtet. Besonders bei künstlicher Befruchtung könne eine genetische Beratung teure und belastende Fehlversuche ersparen und unter bestimmten Umständen die Schwangerschaftschancen erhöhen, sagte die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, Tina Buchholz. Noch bis Mittwoch diskutieren in München rund 9000 Experten beim viertägigen Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) diese und andere Fragen ihres Faches.

Buchholz fordert mehr Aufmerksamkeit für genetische Fragen: „Man muss sich die Zeit nehmen und hinschauen.“ Andernfalls gehe oft wertvolle Zeit verloren. „Dann werden in drei, vier Zyklen künstliche Befruchtungen versucht - und dann kommt heraus: Da hat einer der Partner eine Translokation.“

Chromosomenveränderung

Bei dieser Form der Chromosomenveränderung sind Chromosomenabschnitte an eine andere Position innerhalb des Chromosomenbestandes verlagert. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind, denn es gibt keine sichtbaren Auswirkungen. Dies kann jedoch eine Schwangerschaft verhindern, zu Abgängen führen oder bei den Kindern Defekte auslösen. Weitere Versuche könnten dann vermieden werden, denn die Aussicht auf eine erfolgreiche Befruchtung ist bei diesen Paaren deutlich geringer. Andere Ursachen von genetisch bedingter Unfruchtbarkeit lassen sich unter Umständen behandeln.

Spätestens nach wenigen gescheiterten Anläufen bei einer künstlichen Befruchtung müssten deshalb auch genetische Ursachen abgeklärt werden, sagt die Medizinerin und Humangenetikerin. „Es muss nicht unbedingt eine aufwendige, teure genetische Diagnostik sein. Aber man muss viel mehr Wert darauf legen, dass man bei all diesen Paaren genetische Beratung macht, mit ausführlichem Stammbaum über drei Generationen.“ Dabei zeige sich in etwa das Verhältnis von erfolgreichen und nicht erfolgreichen Versuchen, Kinder zu bekommen und, ob es eine Häufung von Fehl- oder Totgeburten gab.

Eingriff mit Risiken

Rund 80.000 Befruchtungen in der Petrischale gibt es in einschlägigen Zentren jedes Jahr in Deutschland, darauf folgen gut 10.000 Geburten. „Es wird immer wieder hervorgebracht: Nach so einer künstlichen Befruchtung ist die Gefahr für eine Fehlbildung größer“, sagt Buchholz. Das sei aber letztlich anhand von Studien nicht belegbar. Durch die Methode selbst ist das Risiko nicht erhöht.“

Die in Deutschland lange umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) sei nicht immer angebracht. Denn die Entnahme von Zellen aus dem Embryo - je nach Untersuchungsmethode - kann wiederum die Gefahr einer Fehlgeburt oder eines Behandlungsmisserfolges erhöhen.

Seit 2011 ist laut Buchholz unter bestimmten Bedingungen zulässig, dass in der Petrischale gezeugte Embryonen vor der Einpflanzung auf Erbkrankheiten untersucht werden. Paare dürfen jedoch nur zu der Methode greifen, wenn ihre Erbanlagen eine Tot- oder Fehlgeburt oder schwere Krankheit des Kindes wahrscheinlich machen. Embryonen mit Schäden sollen dann der Mutter nicht eingepflanzt werden. Die Hürden und die Kosten für eine solche PID sind allerdings sehr hoch, unter anderem muss eine Ethikkommission dem Antrag der Frau zustimmen. Die genauen Rahmenbedingungen sind Buchholz zufolge erst im vergangenem Jahr präzise formuliert worden und noch nicht überall in Deutschland umgesetzt.

dpa

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