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Menschen mit einer Schizophrenie werden von ihrer Umwelt oft ausgegrenzt. Zu Unrecht, meinen Experten. Foto: Jörg Carstensen

Fachtagung in Stralsund

Mehr Akzeptanz für Schizophrenie-Erkrankte gefordert

Menschen mit einer Schizophrenie werden Studien zufolge zunehmend ausgegrenzt. Dabei sind die Übergänge zwischen psychisch krank und gesund fließend. Auf einer Fachtagung in Stralsund diskutieren Experten und Betroffene über die Krankheit und die sozialen Auswirkungen.

Stralsund (dpa) -  Menschen mit einer Schizophrenie werden laut Studien zunehmend ausgegrenzt. Auf einer internationalen Fachtagung in Stralsund forderten Experten mehr Akzeptanz für die Betroffenen.

"Wir brauchen neue Strategien, um diese Grenze zwischen Betroffenen und anderen Menschen zu überwinden", sagte Tagungsleiter Georg Schomerus zum Auftakt in Stralsund. Nach Angaben des Facharztes für Psychiatrie am Universitätsklinikum Greifswald tragen rund ein Prozent der Bevölkerung das Risiko in sich, an einer Schizophrenie zu erkranken.

Das Krankheitsbild sei breit, neben Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen leiden Betroffene auch unter Antriebslosigkeit und zögen sich aus den sozialen Strukturen zurück. Beunruhigend sei, dass Menschen mit Schizophrenie zunehmend ausgegrenzt würden, sagte Professor Schomerus.

Wie eine 2014 veröffentlichte Studie von Greifswalder und Leipziger Wissenschaftlern ergab, lehnte es 1990 jeder fünfte Deutsche (20 Prozent) ab, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten. Mehr als 20 Jahre später stieg der Anteil auf 31 Prozent. Die Ergebnisse basierten auf einer Umfrage unter 3600 Menschen.

Andere Studien belegten, dass eine psychische Erkrankung häufig mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbssituation einhergeht und das Risiko einer Frühberentung steigt.  Besonders betroffen sind demnach vor allem Menschen mit einer Schizophrenie, von denen durchschnittlich lediglich 10 bis 20 Prozent erwerbstätig seien. "Mit dem Verlust der Arbeit wächst das Risiko der Ausgrenzung und des sozialen Abstiegs bis zur Obdachlosigkeit", sagte Schomerus.

Wichtig sei, dass die Gesellschaft generell offener werde für die Übergänge zwischen psychisch gesund und psychisch krank. Menschen mit einer Schizophrenie hätten auch immer wieder längere symptomfreie Phasen. Zudem lasse sich die Psychose, wenn sie diagnostiziert sei, häufig gut therapieren. Schomerus fordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Grundsätzlich müsse die Unterstützung von Betroffenen im ersten Arbeitsmarkt verbessert werden, sagte er. Möglich wäre dies durch Förderungen der Unternehmen, die diese Menschen beschäftigen. So könnte den Erkrankten Job-Coaches zur Seite gestellt werden.

Zu der Fachtagung "Die subjektive Seite der Schizophrenie" sind mehr als 400 Experten, Therapeuten, Betroffene und Angehörigeaus Deutschland, Österreich, Kanada und der Schweiz in Stralsund zusammengekommen. In einem Workshop wollen die Tagungsteilnehmer auch darüber beraten, ob sich die Betroffenen und deren Angehörige zu einem Netzwerk zusammenschließen, um ihre Forderungen gezielter an die Politik zu tragen.

Tagungsprogramm

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