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Durch Müdigkeit und Gliederschmerzen, aber auch durch Fieber und Gelbsucht kann sich eine Hepatitis-E-Infektion äußern. Foto: Oliver Killig

Mehr Hepatitis E-Erkrankungen in Deutschland registriert

Die ursprünglich in den Tropen verbreitete Lebererkrankung Hepatitis E wird in Deutschland immer häufiger gemeldet, obwohl viele Infizierte gar nicht in diesen Regionen waren. Forscher sind auf neue Zusammenhänge gestoßen.

Berlin (dpa) - Ärzte diagnostizieren in Deutschland zunehmend mehr Hepatitis E-Fälle. 2014 wurden 670 dieser Lebererkrankungen gemeldet. Das sei im Vergleich zu 2013 ein Plus von mehr als 46 Prozent, teilte das Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli mit.

"Die Tendenz ist klar steigend", sagte RKI-Epidemiologe Mirko Faber. Hintergrund sei in Europa allerdings nicht eine rasant ansteigende Verbreitung der Erreger, sondern eine verbesserte Diagnostik sowie eine höhere Sensibilität der Mediziner.

Hepatitis E galt lange Zeit als eine aus Asien und Afrika importierte Infektionskrankheit. Dort werde der Erreger hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen, erklärte eine Sprecherin des Brandenburger Gesundheitsministeriums.

Die Viren wurden erst 1983 von einem russischen Forscher entdeckt. Später konnten andere Wissenschaftler eine Epidemiewelle in Indien, die 1955 insgesamt 30 000 Erkrankungen verursachte, auf Hepatitis E zurückführen. Im Rückschluss wurde laut Faber so belegt, dass es wohl keine ganz neu aufgetretene Krankheit ist.

Das RKI schätzt, dass sich in Afrika und Asien jährlich bis zu 20 Millionen Menschen mit dem Virus anstecken. "Viele Leute machen eine Hepatitis E-Infektion durch, ohne es zu wissen", erklärte Faber, denn häufig verlaufe die Infektion mit nur leichten Beschwerden. Oft beginnt die Krankheit mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Gliederschmerzen, es kann aber auch zu Fieber und Gelbsucht kommen. Zumeist klingen die Beschwerden innerhalb von Wochen ab. Noch häufiger hat die Infektion gar keine Krankheitszeichen.

Die akute Hepatitis E-Erkrankung ist jedoch alles andere als harmlos und kann zu tödlichem Leberversagen führen. Das RKI geht in Afrika und Asien jährlich von bis zu 65 000 Todesfällen aus. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 60 Tage, und die Erkrankung hat in manchen Ländern eine Sterblichkeitsrate von bis zu vier Prozent. Eine Gefahr besteht nach RKI-Angaben bei Vorschäden der Leber, Immungeschwächten wie etwa Krebspatienten in der Chemotherapie oder in der Schwangerschaft.

In Deutschland galt Hepatitis E lange Zeit als eine bei Reisen erworbene Krankheit. Wissenschaftler fanden erst vor einigen Jahren heraus, dass es diesen Erreger hier vermutlich schon seit langer Zeit gibt. "Die Übertragung läuft hier aber nicht fäkal-oral über das verunreinigte Trinkwasser, sondern über den Verzehr von kontaminierten Schweine- und Wildfleisch", erklärte Faber. In Europa treten andere Genotypen des Erregers auf, diese werden in der Regel nur vom Tier auf den Menschen übertragen und nicht wie in Afrika und Asien von Mensch zu Mensch. Die Mehrzahl der in Europa auftretenden Hepatitis E-Erkrankungen sind demnach nicht eingeschleppt, sondern hier erworben.

"Da hilft wirklich nur strikte Hygiene", rät Faber. Es sollte nur gut durchgebratenes oder gegartes Fleisch gegessen werden. Nach Tierkontakten sollten stets die Hände gründlich gereinigt werden.

Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis A: Übertragung von Mensch zu Mensch sowie über verunreinigte Nahrung und Wasser, Impfung gegen die "Reise-Gelbsucht" möglich, keine spezielle Therapie. Das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte 2014 bundesweit 681 Fälle, 98 weniger als im Vorjahr.

Hepatitis B: Hohe Ansteckungsgefahr über Blut (etwa verunreinigte Spritzen) und Sex, Impfung möglich, nicht heilbar, antivirale Therapie für chronisch erkrankte Patienten, laut RKI 755 registrierte Fälle im Jahr 2013, 68 mehr als im Vorjahr.

Hepatitis C: Übertragung meist über Blutkontakt, keine Impfung, mit neuen Medikamenten zu über 90 Prozent heilbar, antivirale Therapie für chronisch erkrankte Patienten, 5817 Fälle 2013 diagnostiziert, 661 mehr als im Vorjahr.

Hepatitis D: Tritt nur mit einer Infektion Typ B auf, Schutz durch Hepatitis-B-Impfung, keine wirksame Therapie, 17 Fälle 2014, Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.

Hepatitis E: Virus wird ausgeschieden und zum Beispiel über Wasser übertragen, keine Impfung, akute Leberentzündung kommt meist von selbst zum Stillstand, gefährlich für Schwangere, 670 Fälle 2014, 212 mehr als im Vorjahr, damit setzt sich dem RKI zufolge der steigende Trend der vergangenen Jahre fort.

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