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Bevor Patienten privat für ärztliche Leistungen bezahlen, sollten sie sich genau informieren. Und auch bei ihrer gesetzlichen Kasse nachfragen. Manchmal übernimmt sie zumindest einen Teil der Kosten.

Medizin

Meist reicht die Kassen-Leistung

Das Wartezimmer gleicht oft einem Basar: Hier noch eine Vorsorge- untersuchung im Angebot, dort eine alternative Heilmethode – und alles privat zu bezahlen. Manches ist wünschenswert, vieles unnötig. Wer sich auskennt, kann selbstbewusst entscheiden.

Was bedeutet IGeL?

IGeL ist die Abkürzung für individuelle Gesundheitsleistungen. Das sind Untersuchungen und Behandlungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezahlt werden, weil sie als medizinisch nicht notwendig gelten. Der Patient muss sie deshalb aus eigener Tasche begleichen – im Durchschnitt 59 Euro pro Maßnahme. Meist werden zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen als IGeL angeboten, aber auch Reiseimpfungen, Sportuntersuchungen oder alternative Heilmethoden. Vor allem Augenärzte, Urologen oder Gynäkologen arbeiten mit IGeL. Ultraschalluntersuchungen und das Glaukom-Screening beim Augenarzt stehen auf der Hitliste der Angebote. Es gibt heute dreimal so viele Angebote wie im Jahr 2001. IGeL stehen deshalb nicht im Leistungskatalog von Gesetzlichen Krankenkassen, weil die Effektivität oder der Aussagewert der Behandlungen oder Untersuchungen umstritten oder nicht ausreichend belegt ist. Oder aber, weil über eine bestimmte Methode noch gar nicht in den entsprechenden Gremien beraten wurde.

Was wird kritisiert?

Ob eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist oder nicht, kann der Patient kaum selbst entscheiden. Doch manche Ärzte klären nicht sachlich auf, sondern schüren sogar die Angst beim Patienten, fahrlässig zu handeln, wenn er etwa das Glaukom-Screening nicht machen lässt. „Seit 1998 gibt es IGeL, und seitdem gibt es Beschwerden darüber“, sagt Christiane Lange, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherzentrale hat deshalb eine Website ins Leben gerufen (www.igel-aerger.de), auf der Patienten ihre Beschwerde einreichen können. Auch der Igel-Monitor (www.igel-monitor.de), eine Initiative der Kassen, informiert rund um IGeL.

Gerade beim Thema Vorsorgeuntersuchungen sind Patienten oft verunsichert. Viele Ärzte – und auch die Deutsche Krebshilfe – sind der Ansicht, dass zum Beispiel das Krebsfrüherkennungsprogramm, das die Kassen bezahlen, völlig ausreichend ist. Nur unter besonderen individuellen Voraussetzungen können weitere Untersuchungen ratsam sein. Zusatzuntersuchungen können aber auch zu einer Überdiagnostik führen, die den Patienten vor allem verunsichern und seelisch belasten. Oder ihn unnötigen weiteren Untersuchungen aussetzt.

Das zahlt die Kasse

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen folgende Krebs-Früherkennungsuntersuchungen.

  • Ab 20 Jahren (Frauen): Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung, einmal im Jahr
  • Ab 30 Jahren (Frauen): Brustkrebsfrüherkennung, einmal im Jahr
  • Ab 35 Jahren (Frauen und Männer: Hautkrebs-Früherkennung, alle zwei Jahre
  • Ab 45 Jahren (Männer): Prostatakrebs-Früherkennung, einmal im Jahr
  • 50 bis 69 Jahre (Frauen): Brustkrebs-Früherkennung, zusätzlich zur üblichen Untersuchung Mammographie-Screening, alle zwei Jahre
  • 50 bis 54 Jahre (Frauen und Männer: Darmkrebs-Früherkennung, Test auf verborgenes Blut im Stuhl, einmal im Jahr
  • Ab 55 Jahre (Frauen und Männer): Darmkrebs-Früherkennung, Darmspiegelung, nach zehn Jahren Wiederholung

Der richtige Umgang

„Der Arzt sollte sachlich beraten, warum eine Zusatz-untersuchung in meinem speziellen Fall notwendig ist und welche Vor- und Nachteile sie bringt“, sagt Lange. Eine schriftliche Vereinbarung vor Behandlungsbeginn ist nötig, ebenso eine Auflistung der Kosten. Eine ordentliche Rechnung ist selbstverständlich, „bloß kein Geld in bar über den Tresen schieben“, sagt Lange. Der Patient sollte Bedenkzeit erhalten und lieber einen weiteren Termin vereinbaren. „Den wird er schnell bekommen, wenn er der Untersuchung zustimmt, denn dann gilt er als Privatpatient.“ Ohne schriftliche Vereinbarung muss der Patient keine Rechnung begleichen.

Lange rät, vorher bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, ob sie die Untersuchung nicht doch bezahlt. Denn bei tatsächlichen Beschwerden oder bestimmten Indikationen werden viele IGeL zur Kassenleistung. So wird zum Beispiel eine Ultraschall-Untersuchung zur Kassenleisten, sobald ein Patient Beschwerden hat oder der Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt.

Alternative Methoden

Wünschenswert sind für viele Patienten alternative Heilmethoden. Auch sie werden als IGeL angeboten. Manche Kassen bezahlen einzelne Behandlungsmethoden, wenn sie ein Arzt mit Zusatzqualifikation ausführt. So übernehmen beispielsweise Techniker, Barmer GEK oder DAK Kosten für Homöopathie oder Osteopathie in begrenztem Umfang. Wer mehr wünscht, muss selbst bezahlen. Auch Tarife der privaten Zusatzversicherungen decken solche Kosten teilweise. Bevor man eine alternative Heilmethode als IGeL wahrnimmt, lohnt sich eine Anfrage bei der Kasse, ob sie die Behandlung nicht zumindest teilweise übernimmt.

Private Zusatztarife

Es gibt kaum reine Heilpraktikertarife auf dem Markt. Meist sind im Tarif noch andere Leistungen enthalten wie Kostenerstattung für Vorsorgeuntersuchungen oder Seh- und Hörhilfen. Erstattet werden in puncto Heilpraktiker oft 80 Prozent des Rechnungsbetrags, gedeckelt durch einen Höchstbetrag im Jahr, der zwischen 250 und 1000 Euro liegt. Tarife kosten für einen 35-Jährigen 20 bis 40 Euro im Monat. „Solche Tarife rechnen sich nur, wenn man häufig und regelmäßig einen Heilpraktiker aufsucht“, sagt Versicherungsberater Thorsten Rudnik. Vor dem Abschluss einer Police ist zu klären, ob die favorisierte Behandlungsmethode auch vom Tarif gedeckt ist, rät er. Denn auch in der Privaten gilt: Nur was einen medizinischen Nutzen hat, wird erstattet.

Von Annette Jäger

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