Mesale Tolu kommt aus türkischem Gefängnis frei - doch es gibt einen Haken

Mesale Tolu kommt aus türkischem Gefängnis frei - doch es gibt einen Haken

Merkur-Sprechstunde

Thema Darm: Experten geben Antwort

Bei der Merkur-Sprechstunde hatten die Zuschauer viele Fragen und die Gelegenheit, diese anonym auf einen Zettel zu schreiben. Hier finden Sie alle Antworten auf die Leserfragen:

Ich habe seit 25 Jahren Morbus Crohn, hatte bereits drei OPs und ein Kurzdarmsyndrom. Wie oft soll ich zur Darmspiegelung?

Prof. Mayinger: Bei einem erneuten klinischen Schub sollte primär immer eine sonographische Diagnostik (Ultraschall) erfolgen. Eine ergänzende Diagnostik mit Endoskopie und anderen bildgebenden Verfahren ist bei unklarem Befund oder Verdacht auf Komplikationen erforderlich. Bei der Colitis ulcerosa ist aber auch das Risiko für ein Kolonkarzinom (Darmkrebs) erhöht. Ratsam sind daher alle ein bis zwei Jahre eine endoskopische Kontrolle des Darmes bei einer Krankheitsdauer von mehr als acht Jahren. Beim Morbus Crohn sind die Daten zum Kolonkarzinom indes widersprüchlich. Große Studien der letzten Jahre sprechen für ein 2,5-fach erhöhtes Risiko bei Patienten, bei denen auch der Dickdarm betroffen ist. Die Datenlage erlaubt daher derzeit keine generelle Empfehlung. Doch scheint bei Patienten mit ausgedehntem Dickdarmbefall ein Vorgehen analog zur Colitis ulcerosa gerechtfertigt.

Ich muss häufig sofort nach dem Essen auf die Toilette, der Stuhlgang ist oft extrem dünn. Könnten Geschmacksverstärker die Ursache sein?

Prof. Schmitt: Das ist eher unwahrscheinlich, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gibt es jedoch prinzipiell gegen alles. Der einfachste Test ist, diese einmal zwei bis vier Wochen lang wegzulassen. Wenn sich hiernach an Ihrer Symptomatik nichts ändert, scheidet der Geschmacksverstärker als Ursache aus. Die Symptomatik ist wahrscheinlich eher funktionell im Sinne eines Reizdarmes zu sehen.

Ich leide seit drei Monaten an Colitis ulcerosa mit eher leichtem Verlauf und nehme Claversal 500. Was ist das für ein Mittel?

Prof. Brand: Claversal ist ein Standard-Medikament für Patienten mit einer leichten Colitis ulcerosa. Es gehört zur Gruppe der 5-Aminosalicylate (5-ASA). Im akuten Schub wird es in Dosierungen von 3000 bis 4800 mg eingesetzt. Zur Erhaltungstherapie (= Langzeittherapie zur Vermeidung eines erneuten Krankheitsschubs) wird eine Dosierung von 1500 mg empfohlen.

Wie gefährlich ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung?

Prof. Mayinger: Gefährlich können die Komplikationen des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa werden: Bei letzterer kann es in seltenen Fällen zu einer Überdehnung des Dickdarms (toxisches Megakolon) mit der Gefahr eines Darmdurchbruchs kommen, aber auch zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung sowie zu starken Blutungen. Beim Morbus Crohn besteht die Gefahr eines Darmverschlusses aufgrund von Darmverengungen. Ebenso kann es zu Darmfisteln kommen. Das sind offene Verbindungsgänge zwischen verschiedenen Darmabschnitten und anderen inneren Organen oder der Körperoberfläche. Auch Abszesse, unter anderem im Analbereich, können entstehen. Bei der Colitis ulcerosa, ist zudem das Darmkrebsrisiko erhöht. Bei beiden Erkrankungen lassen sich die Beschwerden mit Medikamenten und operativen Maßnahmen lindern und Komplikationen so zumindest teilweise vermeiden. Der Morbus Crohn ist bisher nicht heilbar. Die Colitis ulcerosa könnte durch operative Entfernung des gesamten Dickdarms inklusive des Enddarms geheilt werden. Die Lebenserwartung ist bei beiden Erkrankungen nahezu normal, dies gilt bei der Colitis ulcerosa insbesondere wenn die Entzündung auf den Enddarm und den unteren Dickdarm beschränkt bleibt. Die 10-Jahres-Überlebensrate beträgt bei der Colitis ulcerosa mit Linksseitenkolitis 96 Prozent und bei Pankolitis (Entzündung des gesamten Dickdarms) 93 Prozent. Patienten mit Morbus Crohn haben eine 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 96 Prozent im Vergleich zur Normalbevölkerung. Den günstigsten Verlauf weisen jene Patienten auf, bei denen bis zur ersten Operation ein langer Zeitraum verstreicht. Zu betonen ist, dass bei langjährigem Krankheitsverlauf der Colitis ulcerosa das Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken überdurchschnittlich ansteigt: Für die Pancolitis ulcerosa wird ein Gesamtrisiko für die Krebsentstehung von zwei Prozent nach 10-jähriger Erkrankungsdauer und von 18 Prozent nach 30 Erkrankungsjahren angegeben. Daher müssen regelmäßige, jährliche Darmspiegelungen durchgeführt werden.

Kann mein eine lokale Entzündung mit einer bestimmten Ernährungsform in den Griff bekommen? Was sind die Ursachen einer solchen Entzündung bei der sonst keine Symptome auftreten?

Prof. Schmitt: Eine lokale Entzündung beispielsweise im Enddarm hat mit der Ernährung nichts zu tun. Die Ursachen kennt man nicht.

Leserin (77): Ich nehme Mucofalk, muss fünf bis sieben Mal täglich den Darm entleeren, bin auch inkontinent. Kann das ein Vorbote für Darmkrebs oder ein Hinweis auf Morbus Crohn sein? Eine Darmspiegelung vor einem Jahr war ohne Befund.

Prof. Mayinger: Da die Darmspiegelung bei Ihnen vor zwölf Monaten unauffällig war, sind sowohl die Diagnose Darmkrebs als auch eines Morbus Crohn weitgehend auszuschließen. Es gibt eine Reihe anderer Erkrankungen, die ebenfalls Durchfälle verursachen können.

Leserin: Ich leide unter rheumatoider Arthritis, Osteoporose, Psoriasis und autoimmuner Thyreoiditis, nehme dauerhaft Kortison (PredniHexal). Ich hatte im Januar eine Lungenentzündung, bekam Antibiotika. Seit Februar leide ich unter Durchfall, die Darmspiegelung war ohne Befund. Jetzt nehme ich Flohsamen. Bringt das was? Und wie lang darf ich die nehmen?

Prof. Mayinger: Flohsamen können beim Reizdarm oder dem nervösem Darm sehr gut wirksam sein. Die Einnahme ist unbedenklich, so lange Sie nicht zu große Mengen einnehmen und genug trinken – ansonsten droht eine Verstopfung. Die Einnahmedauer sollten Sie von Ihren Beschwerden abhängig machen. Wenn sie keine Beschwerden mehr haben, dann versuchen sie, ob es auch ohne geht. Aufgrund Ihrer Vorgeschichte (Antibiotikatherapie) sollte sicherheitshalber der Stuhl auf Clostridien untersucht werden.

Leser: Die Krankenkasse zahlt die Koloskopie alle zehn Jahre. Zahlt sie auch, wenn der Arzt zu einer Untersuchung nach drei Jahren rät, weil etwa ein Adenom entdeckt und entfernt wurde? Oder muss man das selbst bezahlen?

Prof. Mayinger: Wenn ein präziser Grund zur erneuten Darmspiegelung besteht oder weitere Symptome aufgetreten sind, die abgeklärt werden muss – zum Beispiel Blut im Stuhl, unklare Bauchbeschwerden oder der Verdacht auf ein Rezidiv des Polypen – dann zahlt die Krankenkasse die Darmspiegelung auch vorzeitig.

Können Flohsamen begleitend bei einer chronischen Darmentzündung helfen? Wie wirken sie?

Prof. Brand: Flohsamenschalen sind Samenschalen der Pflanze Plantago ovata. Sie sind ein Quellmittel und können zur Darmregulierung, das heißt nicht nur bei Durchfall, sondern auch bei Verstopfung, eingesetzt werden. Ihre Wirkung bei CED beruht vor allem auf der Bindung von Wasser, was den Durchfall vermindert. Zusätzlich sollen sie das Wachstum von schützenden, „darmfreundlichen“ Bakterien fördern. Außerdem wird eine Gallensäurebindung diskutiert, die vor allem bei Morbus Crohn-Patienten mit Befall oder Entfernung des letzten Dünndarmabschnitts (terminalen Ileums) relevant ist, da diese Patienten Gallensäuren nicht mehr im Dünndarm aufnehmen können und die Gallensäuren im Dickdarm Durchfall-auslösend wirken. Flohsamen können als begleitende Therapie eingesetzt werden, aber Standard-CED-Medikamente nicht ersetzen.

Hat vegetarische Ernährung einen positiven Effekt bei Colitis ulcerosa und hilft einen Rückfall zu verhindern? Gibt es andere Möglichkeiten einen Rückfall zu verhindern?

Prof. Schmitt: Vegetarische Ernährung hat statistisch keinen positiven Effekt in der Behandlung der Colitis ulcerosa. Um einen Rückfall zu verhindern muss man Medikamente einnehmen wie zum Beispiel Salicylate oder bei chronisch aktivem Verlauf Azathioprin.

Leserin:Was darf ich bei einem Kurzdarm-Syndrom nach einer OP essen? Ich muss den Darm täglich zehn bis 15 Mal entleeren, nehme drei bis vier Mal täglich Loperamid.

Prof. Brand: Bei einem Kurzdarmsyndrom ist eine energie- und flüssigkeitsreiche Ernährung zu empfehlen, die auch ausreichend Eiweiß enthält. Da bei einem Kurzdarmsyndrom wie bei Ihnen oft Durchfall besteht, sind „stopfende“ Lebensmittel wie etwa Bananen, Zwieback, Toastbrot, Weißbrot, Reis und Nudeln empfehlenswert.

In der Anfangsphase direkt nach der Operation oder bei der Entfernung großer Teile des Dünndarms muss zusätzlich eine Gabe von Nährstoffen über die Vene erfolgen. Bei der Ernährung sollten milchzuckerreiche (laktosereiche) Lebensmittel wie Milch eher gemieden werden, da Milchzucker (Laktose) in den oberflächlichen Darmzellen aufgespalten wird. Ist nicht mehr ausreichend Darmgewebe erhalten, wird der Milchzucker nicht vollständig aufgespalten, sondern durch Darmbakterien im Dickdarm abgebaut, was den Durchfall verstärkt und zu Blähungen führt.

Oxalathaltige Lebensmittel (wie Rharbarber, Spinat, Mangold, Kakao, Rote Rüben, Petersilie) sind bei Kurzdarmsyndrom ebenfalls zu meiden, da durch fehlende Oxalatbindung und –ausscheidung vermehrt freies Oxalat vorliegt. Dies erhöht das Risiko für Nierensteine. Bei einem Kurzdarmsyndrom ist es besonders wichtig, den Arzt zu fragen, welcher Teil des Dünndarms entfernt wurde, da die unterschiedlichen Abschnitte des Dünndarms auch unterschiedliche Funktionen haben und bestimmte Mangelzustände dann nicht mehr durch Ernährung, sondern nur durch eine zusätzliche Gabe über die Vene (zum Beispiel als Infusion) ausgeglichen werden können.

Wird etwa der letzte Teil des Dünndarms (terminales Ileum) entfernt, kann nicht mehr ausreichend Vitamin B12 aufgenommen werden. Es muss dann regelmäßig gespritzt werden. Ohne terminales Ileum kommt es auch zur verringerten Aufnahme (Rückresorption) von Gallensäuren, die in der Leber gebildet werden. Diese gelangen dann in den Dickdarm und führen hier zu einer Verstärkung des – bei einem Kurzdarmsyndrom oft ohnehin bestehenden – Durchfalls. Dies lässt sich bei bestimmten Patienten durch das Medikament Cholestyramin, das Gallensäuren bindet, vermeiden. Der Verlust von Gallensäuren führt auch zu einem erhöhten Risiko der Gallensteinbildung in der Gallenblase. Wird hingegen der obere Teil des Dünndarms entfernt, ist die Eisenaufnahme und die Aufnahme anderer Stoffe und Vitamine (wie zum Beispiel der Folsäure) gestört, die in diesem Fall über die Vene (parenteral) gegeben werden müssen.

Ich bin unsicher, ob meine Darmbeschwerden von einer Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel kommen. Wo kann ich das testen lassen?

Prof. Mayinger: Dies können Sie bei einem Spezialisten für Magen- und Darm-Erkrankungen überprüfen lassen, also einem Internisten oder Gastroenterologen. Der kann sie auf eine Milchzucker- und Fruchtzucker-Unverträglichkeit testen sowie auf Sprue, eine Unverträglichkeit von Mehlprodukten, speziell des Klebereiweißes Gluten, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Durch eine gezielte Anamnese und Führen eines Nahrungsmittel-Tagebuches lassen sich bereits im Vorfeld wichtige Informationen gewinnen.

Kann ich als gesetzlich Versicherte in einer Uniklinik auch mit einer Kapazität sprechen? Gibt es eine spezielle Ambulanz?

Prof. Göke: Ja, Sie können unter Tel. 0 89/70 95 30 03 einen Beratungstermin in unserer CED-Sprechstunde bekommen.

Können sich Sonnenblumenkerne oder andere Körner an der Darmwand festsetzen?

Prof. Schmitt: Das ist in der Regel unproblematisch außer bei schwerer Divertikulose. Hier gibt es die Möglichkeit, dass sich Körner in die Divertikelöffnungen ablagern und einen Schub auslösen. Hat man allerdings eine ausreichende Stuhlregulation (es darf keine Verstopfung vorliegen!), ist dieses Phänomen aber nicht relevant.

Ich leide seit 14 Jahren an Colitis ulcerosa, ein eher milder Verlauf. Ich hatte nur einen längeren, kräftigen Schub. Ich nehme nur Salofalk ein. Bei der Darmspiegelung war sich der Arzt unsicher, ob ich nicht doch vielleicht an Morbus Crohn leide. Müsste ich dann ein anderes Mittel nehmen? Und ist es normal, dass bei einer Darmspiegelung 20 Gewebeproben entnommen werden, davon etwa acht aus demselben Darmabschnitt?

Prof. Mayinger: Die Therapie der Colitis ulcerosa in milder Form besteht wie bei Ihnen geschehen in der Verabreichung von 5-ASA-Präparaten, entweder lokal oder oral verabreicht je nach Ausmaß des Befalls. Beim Morbus Crohn wäre bei leichter Entzündungsaktivität Budenosid – ein Kortison-Präparat – das empfohlene Mittel. Bei der Colitis ulcerosa werden in den Leitlinien bei ausgedehntem Darmbefall ab dem 8. Jahr und bei linksseitiger oder distaler Colitis ulcerosa ab dem 15. Jahr nach Erstmanifestation alle ein bis zwei Jahre eine Überwachungskoloskopie empfohlen, da ab diesem Zeitpunkt ein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs besteht. Die Zeit zwischen den Untersuchungen sollte höchstens zwei Jahre betragen – in diesem Zeitraum können bereits Intervallkarzinome auftreten. Bei einer Überwachungskoloskopie bei Colitis ulcerosa sollen sowohl gezielte Gewebeproben aus auffälligen Arealen als auch ungezielte Biopsien (mindestens vier alle 10 cm) entnommen werden.

Gehört zu den Nebenwirkungen von Mesalazin eine Bauchspeicheldrüsenentzündung? Mich plagen zudem ständige Darmwinde und Haarausfall.

Prof. Brand: Mesalazin (5-Aminosalicylat, 5-ASA) ist für die meisten Patienten ein sehr gut verträgliches Medikament. In seltenen Fällen können aber eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und Haarausfall auftreten. Zu diesen Nebenwirkungen kann es auch bei anderen CED-Medikamenten wie Azathioprin kommen. Darmwinde können durch Mesalazin manchmal verstärkt werden, obwohl dies häufiger auf die Darmentzündung selbst oder damit verbundene Störungen (wie zum Beispiel eine Milchzuckerunverträglichkeit, also eine Laktoseintoleranz) zurückzuführen ist.

Gehört eine Divertikulitis auch zu den chronischen Darmentzündungen? Wie gefährlich ist das? Was hilft? Prof. Schmitt: Die Divertikulitis gehört nicht zu den chronischen Darmentzündungen. Die Erkrankung ist in der Regel harmlos. Die meisten Fälle verlaufen ungefährlich. Allerdings gibt es eine sogenannte komplikative Form der Divertikulitis, das heißt, es ist zu einer gedeckten Perforation oder auch zu einer Abszessbildung (Eiterbildung) gekommen. In diesem Fall muss man nach der Behandlung mit Antibiotika eine Operation vornehmen, zum Beispiel eine laparoskopische Sigmaresektion.

Was bringt Heilerde bei einer chronischen Darmentzündung?

Prof. Brand: Auch der Effekt von Heilerde ist bei CED nicht ausreichend erforscht. Heilerde wird eine antientzündliche Wirkung zugeschrieben, sie bewirkt eine teilweise Neutralisierung von Magensäure und enthält Spurenelemente wie Zink, das bei CED-Patienten meist vermindert im Blut vorkommt, wobei gerade Zink ein wichtiges Element für die Wundheilung – und damit auch für die Abheilung der Darmentzündung - ist. Im Einzelfall kann Heilerde daher zusätzlich zu Standard-CED-Therapeutika gegeben werden, allerdings kann es die Wirkung dieser Medikamente nicht ersetzen und eine alleinige CED-Therapie mit Heilerde sollte nicht empfohlen werden. Außerdem kann Heilerde die Wirkstoffe von Medikamenten binden und diese dadurch unwirksam machen. Daher sollte eine Heilerde-Therapie nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Bei mir wurde 1995 die Diagnose Colitis ulcerosa gestellt. Ich war dann 15 Jahre beschwerdefrei, habe nun wieder akute Probleme. Ist ein Rückfall nach so langer Zeit möglich oder stecken andere Ursachen dahinter?

Prof. Mayinger: Ein Rückfall ist lei der auch nach Jahrzehnten möglich. Zur Sicherung der Diagnose, ob ein erneuter Schub einer Colitis ulcerosa oder eine andere Ursache vorliegen, sollte eine Stuhlprobe auf krankmachende Keime untersucht und eine Darmspiegelung durchgeführt werden.

Was ist Humira für ein Medikament? Hat es weniger Nebenwirkungen?

Prof. Brand: Humira ist ein bei CED sehr gut wirksamer Anti-TNF-Antikörper, der im Körper das Entzündungseiweiß TNF-alpha bindet und neutralisiert. Es wirkt damit regulierend auf das „überaktivierte“ Immunsystem von CED-Patienten, das den körpereigenen Darm angreift. Humira ist für die Therapie mittelschwerer und schwerer Fällen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen. Das Medikament wird als Spritze alle zwei Wochen in das Fettgewebe unter die Haut gespritzt. Insgesamt hat es ein sehr gutes Risiko-Nutzen-Profil und ist gut verträglich. Seltene Nebenwirkungen sind unter anderem eine erhöhte Infektionsgefahr und Hautnebenwirkungen (zum Beispiel Reaktionen an der Einstichstelle und trockene, schuppige Haut bei manchen Patienten). Vor der Anwendung müssen eine Tuberkulose, eine chronische Virushepatitis und eine schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ausgeschlossen werden.

Was unterscheidet eine Colitis von einem Reizdarm?

Prof. Schmitt: Beide Erkrankungen sind manchmal klinisch schwer zu unterscheiden. Letztlich ist dies nur möglich wenn eine Koloskopie mit Stufenbiopsie durchgeführt wird. Gegen einen Reizdarm sprechen Blutbeimengungen im Stuhl – dieses Phänomen spricht eher für eine Colitis ulcerosa. Schleimabgänge und durchfallartiger Stuhl können bei beiden Erkrankungen auftreten.

Ich habe seit Jahren immer wieder Durchfälle, die sich verschlimmern. Nur mit hochdosierten Flohsamen komme ich einigermaßen zurecht. Mehrere Darmspiegelungen und ein MRT des Dünndarms haben nichts ergeben, die Blutwerte sind normal. Was kann ich noch tun?

Prof. Schmitt: Bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr kommt gehäuft die sogenannte kollagene Colitis vor. Diese Erkrankung wird in der Regel durch eine histologische Untersuchung der Darmschleimhaut gesichert. Es gibt jedoch Fälle, die segmental verlaufen und sich der bioptischen Diagnose (Gewebeprobe) entziehen. In diesem Fall spricht nichts gegen eine probeweise Behandlung mit beispielsweise Budenofalk drei Mal drei Milligramm zwei bis drei Wochen lang. wenn die Durchfälle damit verschwinden, ist die Wahrscheinlichkeit für eine kollagene Colitis hoch. In diesem Fall sollte man dann die Behandlung über ein halbes Jahr fortführen und dann ausschleichen. Bemerkt der Patient aber nach drei Wochen keinerlei Verbesserung der Beschwerden, hat der Durchfall andere Ursachen!

5-ASA setzt man bei einem leichten Verlauf von Colitis ulcerosa ein. Was aber hilft bei einer leichten Form von Morbus Crohn?

Prof. Göke: Bei leichtem Morbus Crohn im Übergang von Dünn- zu Dickdarm hilft Budenosid.

Was halten Sie von der Colon-Hydrotherapie als Prophylaxe oder als Therapieunterstützung?

Prof. Mayinger: Nichts, da diese bakterielle Einschwemmungen und Fehlbesiedelungen des Dickdarmes verursachen kann.

Ist bei chronischen Darmentzündungen Heilung möglich – oder vielleicht in Zukunft?

Prof. Brand: Mit neuen, hocheffektiven Medikamenten wie den Anti-TNF-Antikörpern Infliximab oder Adalimumab sind bei vielen Patienten anhaltende, oft über Jahre bestehende krankheitsfreie Phasen zu erreichen. Derzeit kann aber mit keinem Medikament eine lebenslange „CED-Heilung“ garantiert werden. Bei der Colitis ulcerosa beseitigt die Darmentfernung (Kolektomie) die Darmentzündung, kann aber zu neuen Problemen wie eine Entzündung des letzten Dünndarmstücks (Pouchitis) führen. Außerdem können auch nach einer Dickdarmentfernung andere, Colitis ulcerosa-assoziierte Probleme (wie zum Beispiel Gelenkentzündungen) erneut auftreten. Derzeit sind eine ganze Reihe neuer Medikamente in klinischer Testung, so dass sich die Therapie von CED-Patienten in den nächsten Jahren weiter verbessern wird.

Was kann man gegen eine Analfistel tun?

Prof. Schmitt: Die Fistel am Anus kann an der Oberfläche oder zwischen den beiden Schließmuskeln (Sphinkter externus und internus) verlaufen. Sie kann auch durch beide Sphinktären durchgehen oder auch als sogenannte extrasphinktäre Fistel verlaufen. Je nach Situation ist die Behandlung unterschiedlich. In der Regel ist eine chirurgische Behandlung erforderlich. Ansprechpartner ist ein erfahrener Proktochirurg.

Wegen einer Dickdarmentzündung soll ich drei Monate lang PentasaX nehmen. Genügen nicht auch zwei? Und ist dann wieder eine Darmspiegelung nötig oder wie lässt sich feststellen, ob das Medikament anschlägt?

Prof. Brand: Pentasa wird wie auch andere sogenannte 5-Aminosalicylate (5-ASA) beim akuten Schub und der Erhaltungstherapie (Dauertherapie) der Colitis ulcerosa (insbesondere der leichten Colitis ulcerosa) eingesetzt. Bei einem Krankheitsschub werden üblicherweise drei bis 4,8 Gramm dieses Medikaments eingesetzt, nach Besserung der Symptome wird die Dosierung reduziert (meist auf 1,5 Gramm) und das Medikament langandauernd (üblicherweise mindestens zwei Jahre) weiter gegeben, um einen Rückfall zu verhindern. Auch in Ihrem Fall würde ich eine langandauernde Therapie mit Pentasa (1,5 Gramm) über mindestens zwei Jahre empfehlen. Lag bei Ihnen nur eine leichte Colitis (Dickdarmentzündung) vor und die Beschwerden sind unter Pentasa verschwunden, ist innerhalb der ersten zwei Monate keine erneute Darmspiegelung notwendig. Das Ansprechen der Therapie wird in diesem Fall anhand Ihrer Symptome beurteilt (zum Beispiel kein Durchfall, bei Stuhlgang keine Blutauflagerungen, keine Bauchschmerzen). Sind die Beschwerden unverändert oder sogar verstärkt, muss eine Therapiesteigerung mit Ihrem Arzt diskutiert werden und unter Umständen erneut eine Darmspiegelung erfolgen. Patienten, die eine langjährige Colitis ulcerosa haben, sollten aber regelmäßig (alle ein bis zwei Jahre) zu einer Vorsorgekoloskopie gehen.

Seit Mai leide ich unter Durchfall. Die Hausärztin tippt auf eine Kreuzallergie. Ich bin allergisch auf Hausstaub und Gräserpollen, gehe zur Hyposensibilisierung und nehme Cetirizin-ADGC. Kann der Durchfall davon kommen oder liegt es vielleicht an einer Darmentzündung?

Prof. Mayinger: Für chronische Durchfälle gibt es sehr viele Gründe: eine Antibiotika-assoziierte Darmentzündung, eine Colitis (Darmentzündung) durch Schmerzmedikamente oder andere Nebenwirkungen von Medikamenten, eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmitteln (Milchzucker, Fruchtzucker oder Gluten), eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms, Durchblutungsstörungen am Darm, eine mikroskopische Colitis, eine Nahrungsmittel-Allergie, das Reizdarm-Syndrom, Dickdarmkrebs und natürlich auch eine chronisch entzündlich Darmerkrankung. Primär hilfreich für die Diagnose ist die Krankengeschichte (Beginn und Art der Symptome) und nachfolgend weitere Untersuchungen, zu der auch die Darmspiegelung gehört.

Ist es schädlich für Darm hochdosiert Vitamine, Kalzium und Magnesium zu nehmen?

Prof. Schmitt: Nein. Sie müssen aber damit rechnen, dass Magnesium abführend wirkt.

Wie sollte man sich ernähren wenn man an einer chronischen Darmentzündung leidet?

Prof. Schmitt: Die Ernährung spielt nur eine marginale Rolle. Die früher verordnete sogenannte Colitisdiät hat sich nicht bewährt. Entscheidend ist die medikamentöse Therapie.

Wie lange darf und soll man Claversal einnehmen?

Prof. Brand: Claversal ist ein 5-Aminosalicylat (auch als 5-Aminosalicylsäure, kurz: 5-ASA, oder Mesalazin bezeichnet). Im akuten Schub einer Colitis ulcerosa wird meist über mehrere Wochen eine Dosierung von drei (bis max. 4,8) Gramm pro Tag gegeben. Insbesondere bei Befall des Enddarms (Rektum) oder des linken Darms ist eine Kombination mit einem Mesalazin-Zäpfchen oder -Einlauf (topische Therapie) sinnvoll. Es ist empfehlenswert, die Claversal-Therapie auch nach einem Krankheitsschub fortzusetzen, um einen erneuten Colitis ulcerosa-Schub zu vermeiden. Die exakte Behandlungsdauer ist dabei noch nicht abschließend geklärt, sinnvoll ist aber eine längere Therapie (mindestens zwei Jahre). Die Dosierung bei dieser Erhaltungstherapie beträgt bei den meisten Präparaten 1,5 Gramm pro Tag. Wahrscheinlich schützt diese Therapie auch vor Darmkrebs; allerdings haben Studien dazu teils unterschiedliche Ergebnisse ergeben.

Wie und wo finde ich einen Arzt mit Spezialgebiet CED-Behandlung?

Prof. Mayinger: Internisten mit der Zusatzbezeichnung Gastroenterologie sind spezialisiert auf Magen- und Darm-Erkrankungen. In aller Regel kann Ihr Hausarzt Sie hierüber recht gut informieren.

Alle Ärzte wollen immer gleich Immunsuppressiva verordnen. Warum untersucht man nicht zuerst auf Unverträglichkeiten? Und warum versucht man nicht, zuerst die Darmflora aufzubauen?

Prof. Brand: Hier muss man unterscheiden, ob tatsächlich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, oder eine primäre Nahrungsmittel-Unverträglichkeit vorliegt. Bei einer CED kommen vor den Immunsuppressiva (insbesondere bei der leichten Colitis ulcerosa) andere Medikamente wie Mesalazin (5-ASA) in Frage. Der „Aufbau der Darmflora“ wird auch bei der CED-Therapie von Ärzten heute schon praktiziert. Insbesondere bei leichter Colitis ulcerosa sind Probiotika wie das Bakterium E. coli Nissle 1917 effektiv.

Was halten Sie von der Lutz-Diät (fettreich, kohlenhydratarm)? Ist eine basische Ernährung sinnvoll?

Prof. Mayinger: Ich halte diese Diät und auch die basische Ernährung für nicht angezeigt. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gelten die allgemeinen Regeln zur gesunden Ernährung. Zudem gilt es, krankheitsbedingte Mangelzustände (Eiweiß, Calcium- und Vitamin D-Mangel) auszugleichen. Man sollte vermehrt auf eine abwechslungsreiche Kost mit viel Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen (Calcium, Zink et cetera) achten. In aller Regel ist eine ausgewogene, mediterrane Kost mit Obst und Gemüse, ungesättigten Fettsäuren und regelmäßige körperliche Bewegung (zum Beispiel jeden Tag 30 Minuten schnelles Gehen) zu empfehlen.

Können zu viele Darmspiegelungen schaden?

Prof. Mayinger: Darmspiegelungen sollten indiziert sein, wie zum Beispiel die Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr. Unabhängig davon gibt es Risikogruppen mit Darmkrebs-Erkrankungen in jungen Jahren oder überdurchschnittlich hohem Darmkrebsrisiko, bei denen jährlich eine Darmspiegelung erforderlich ist. Auch bei verbliebenen Polypen (Adenomen) im Darm ist eine vorzeitige Darmspiegelung erforderlich, um diese zu entfernen, oder bei neu aufgetretenen Symptomen wie Blut im Stuhl. Bei der Colitis ulcerosa werden in den Leitlinien bei ausgedehntem Darmbefall ab dem 8. Jahr und bei linksseitiger oder distaler Colitis ulcerosa ab dem 15. Jahr nach Erstmanifestation alle ein bis zwei Jahre eine Koloskopie empfohlen, da ab diesem Zeitpunkt ein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs besteht.

Wie ist ein Krankheitsschub bei Morbus Crohn definiert? Spricht man davon nur bei Durchfall und Schmerzen? Und ist man in der Zeit dazwischen frei von Beschwerden?

Prof. Mayinger: Der Crohn-Aktivitätsindex ist ein Parameter zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und des Schweregrades des Morbus Crohns. Dieser beinhaltet überwiegend klinische Beschwerden: Zahl der ungeformten Stühle pro Woche, Bauchschmerzen, Allgemeinbefinden, Gewicht, tastbare Resistenzen des Bauchs, Haut- und Gelenksbeschwerden, Fieber, Fisteln, Entzündungen der Augen und der Hämatokrit (als Maß für den Blutverlust). Anhand eines ausgeklügelten Punktesystems wird dann der Aktivitätsgrad des Morbus Crohn festgelegt. Es gibt auch symptom- und krankheitsfreie Intervalle beim Morbus Crohn.

Hängt das Risiko an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zu erkranken mit dem Wohnort zusammen? Trifft es Stadtbewohner häufiger?

Prof. Schmitt: Nein.

Ich leide an Morbus Crohn. Könnte ich die Erkrankung an meine Kinder vererben? Und wie ist dies mit Colitis ulcerosa?

Prof. Schmitt: In der Tat gibt es hier genetische Merkmale, die vererbt werden können. Allerdings gibt es keinen eindeutigen Erbgang. Die Bereitschaft, Morbus Crohn geerbt zu haben, kann man durch Genanalyse näher untersuchen. Allerdings gibt es hier noch viele Unsicherheiten.

Ich leide seit 30 Jahren an Durchfällen. Als Diagnose wurde CED angegeben. Es soll aber weder Morbus Crohn noch Colitis ulcerosa sein. Trotz vieler stationärer Behandlungen, unzähliger Darmspiegelungen und Budenosid-Behandlung hat nichts geholfen. Was kann ich tun?

Prof. Brand: Bei etwa 10 Prozent der CED-Patienten lässt sich wie bei Ihnen nicht eindeutig entscheiden, ob ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa vorliegt. Man bezeichnet dieses Krankheitsbild dann auch als „Colitis indeterminata“. Allerdings ist die Behandlung der schweren Colitis indeterminata identisch zur Colitis ulcerosa und im Wesentlichen auch zum schweren Morbus Crohn. Helfen Budenosid (und andere Kortisonpräparate) nicht und wurden zuvor Aminosalicylate (5-ASA) eingesetzt, muss eine immunsuppressive Therapie (zum Beispiel mit Azathioprin) oder eine Behandlung mit einem Anti-TNF-Antikörper (zum Beispiel Infliximab oder Adalimumab) eingeleitet werden. Bei einem sehr langen Verlauf – wie er bei Ihnen mit 30 Jahren Krankheitsdauer vorliegt – ist aber eine genaue Beurteilung des aktuellen Darmzustands durch eine erneute Darmspiegelung entscheidend, da im Falle einer ausgeprägten Narbenbildung und dem erhöhten Darmkrebsrisiko bei langer Erkrankungsdauer in bestimmten Fällen eine Operation (Entfernung des Dickdarms) sinnvoller ist als der Beginn einer immunsuppressiven Therapie, die gerade bei älteren Patienten ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit sich bringt.

Heißt symptomfrei bei Morbus Crohn auch entzündungsfrei?

Prof. Mayinger: Symptomfrei heißt klinisch beschwerdefrei. Es muss aber nicht bedeuten, dass die Darmschleimhaut komplett entzündungsfrei ist.

Ich nehme seit mehr als zwei Jahren Azathioprin, habe zwei bis drei Schübe pro Jahr. Kann ich den Therapieerfolg durch eine bestimmte Ernährung unterstützen? Darf ich Alkohol trinken und wenn ja: wie viel? Gibt es eine wirksame Begleittherapie aus der Naturheilkunde?

Prof. Göke: In schubfreien Phasen dürfen Sie ausprobieren, was Sie vertragen, weil Ernährungseinflüsse eher eine untergeordnete Rolle spielen. Während eines Schubs sollte laktosefreie, „leichte Kost“ genommen werden. Alkohol sollten Sie bei Azathioprin-Gabe wegen der Lebertoxizität eher meiden, gelegentlich geringe Mengen (falls normale Leberwerte und keine Lebervorschädigung vorliegen) sind aber durchaus tolerabel. Als naturheilkundliche Begleittherapie können Probiotika (bestimmte Colibakterien) bei der Colitis ulcerosa eingesetzt werden. Die Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur wird von Experten zur Linderung der Symtom genutzt. Auch werden entzündungshemmende Eigenschaften bestimmter Nahrungsmittel (Flohsamen, Curcuma, Ingwer, Heidelbeeren) aus einzelnen klinischen Beobachtungen berichtet. Hierzu fehlen aber große überzeugende Studien.

Ich bin vor zwei Jahren wegen eines Prostatakarzinoms operiert und dann bestrahlt worden. Seither habe ich Probleme mit bis zu sechs Darmentleerungen pro Tag. Der Stuhl ist breiig, schleimig, manchmal kommt auch nur Schleim. Was kann ich tun?

Prof. Schmitt: Nach Bestrahlung gibt es Schädigungen der Dickdarmschleimhaut im Enddarmbereich. Sie sollten eine Darmspiegelung durchführen lassen. Von der Diagnose hängt dann die Therapie ab.

Was halten Sie von einer Behandlung mit Weihrauch?

Prof. Schmitt: In manchen Fällen hilft sie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung zu lindern. Gesicherte Daten gibt es nicht. Es spricht aber aus meiner Sicht nichts gegen einen Therapieversuch.

Wie groß ist die Gefahr, dass der Darm bei der Darmspiegelung verletzt wird? Gibt es andere Methoden den Darm zu untersuchen, wenn die Spiegelung nicht möglich ist? Und wie oft sollte nachgeschaut werden?

Prof. Mayinger: Das Risiko, den Darm bei der Koloskopie zu durchstechen (Perforation) beträgt etwa eins zu 1200. In Zentren, in denen erfahrene Gastroenterologen die Untersuchung durchführen, ist das Risiko eher deutlich niedriger anzusetzen. Andere Verfahren den Darm zu untersuchen ist die Hydro-Colon-CT. Diese ist aber mit einer Strahlenbelastung verbunden und erspart Ihnen die vorbereitenden Abführmaßnahmen nicht. Falls dabei verdächtige Befunde entdeckt werden, ist der nächste Schritt die Dickdarmspiegelung, um Gewebeproben entnehmen und Polypen entfernen zu können. Ein weiteres Verfahren, das in Erprobung ist, ist die Kapsel-Endoskopie, die aber aufgrund der Datenlage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht empfohlen werden kann. Bei überlangem Dickdarm oder starken Verwachsungen (aufgrund multipler Voroperationen des Bauches) kann es sein, dass eine Dickdarmspieglung nur partiell möglich ist. Dann ergänzen wir die Untersuchung durch einen Kolon-Kontrast-Einlauf, um auch den endoskopisch nicht eingesehenen Bereich mittels Röntgen orientierend beurteilen zu können.

Ich habe immer nachmittags ab ca. 14.00 Uhr starke Blähungen und übel riechende Winde, oft bis spät abends. Liegt es am Eisen? Was kann ich essen, wenn ich abends ins Theater will? Ich wurde 2003 an Darmkrebs operiert.

Prof. Schmitt: Diese Phänomene treten häufig nach Darmoperationen auf. Eine ernste Erkrankung scheint nicht vorzuliegen. Ich gehe davon aus, dass bei Ihnen regelmäßig eine Darmspiegelung durchgeführt wurde. Letztlich bleibt Ihnen nur herauszufinden, welche Nahrungsmittel Blähungen verursachen. Diese lassen Sie dann weg. Antiblähende Medikamente helfen in der Regel nur wenig.

Was halten Sie von homöopathischen Mitteln als begleitende Therapie?

Prof. Brand: Homöopathische Mittel werden von einigen Ärzten als begleitende Therapie eingesetzt, allerdings gibt es bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen – im Gegensatz zu anderen Erkrankungen - keine größeren Studien, die den Erfolg einer homöopathischen Therapie, insbesondere auch bei schwerer CED, klar belegen können. Im Einzelfall kann sie eine sinnvolle Ergänzung zu CED-Therapeutika sein, allerdings kann die homöopathische Therapie die Standard-CED-Therapie mit zugelassenen Medikamenten nicht ersetzen.

Wirkt sich Stress bei Colitis ulcerosa negativ auf die Erkrankung aus und kann vielleicht gar einen Schub auslösen?

Prof. Schmitt: In der Tat ist Stress ein wichtiger Faktor bei der Aktivierung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Deshalb ist neben der medikamentösen Therapie in manchen Fällen auch eine Verhaltenstherapie (Psychotherapie) oder im allgemeinen Sinne Stessabbau sinnvoll.

Leserin: Ich habe seit 35 Jahren Colitis ulcerosa. Gibt es ein gut verträgliches Notfallmittel gegen die erhöhte Stuhlfrequenz und den Durchfall, etwa wenn ich verreisen möchte? Und kann ich das dann auch mal zwei Wochen lang nehmen?

Prof. Göke: Loperamid ist als Notfallmedikament o. K. , für die Dauertherapie aber zu meiden. Ein bis zwei Tabletten pro Tag über zwei Wochen sind kein Problem. Falls das nicht wirkt, können unter Umständen auch gering dosierte Opiumtropfen eingesetzt werden.

Die Vorstellung, womöglich ein Leben lang Medikamente nehmen zu müssen, finde ich fürchterlich. Bekommt man davon nicht auf Dauer eine Medikamentenleber? Und muss man die Mittel wirklich immer nehmen?

Prof. Brand: Tatsächlich müssen verschiedene Medikamente lange eingenommen werden. Zum Beispiel wird für das immunsuppressive Medikament Azathioprin eine Therapie von etwa vier Jahren empfohlen. Ein Absetzen der Medikamente kann man insbesondere bei Patienten erwägen, die eine vollständige Abheilung der Entzündung im Darm über mindestens ein Jahr aufweisen. Dies sollte aber durch einen, in der CED-Therapie erfahrenen Arzt festgelegt werden, da ohne Medikamente von einem erhöhten Risiko für einen erneuten Krankheitsschub auszugehen ist. Insbesondere bei Patienten mit sehr schwerer Erkrankung (zum Beispiel fistulierender Morbus Crohn) sollte man dieses „Schubrisiko“ sorgfältig gegen mögliche Risiken der langen Medikamententherapie abwägen. Die Wirkung von CED-Medikamenten auf die Leber ist sehr unterschiedlich. So sind schwerwiegende Leberveränderungen unter Mesalazin sehr selten. Im Vergleich dazu kommt es bei einer Azathioprin-Therapie häufiger zu einer Erhöhung des Leberwerts. Darum sollte der behandelnde Arzt insbesondere am Beginn der Therapie und bei einer Erhöhung der Dosis die Leberwerte engmaschig durch Blutentnahmen kontrollieren, um schwere Funktionsstörungen der Leber zu vermeiden.

Die Experten:

Prof. Brigitte Mayinger leitet die Medizinische Klinik II des Klinikums München-Pasing.

Prof. Burkhard Göke ist Direktor des Klinikums der LMU München und leitet die Medizinische Klinik II des Klinikums Großhadern.

Prof. Stephan Brand ist Oberarzt am Klinikum Großhadern und CED-Spezialist.

Prof. Wolfgang Schmitt leitet die Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Städtischen Klinikum München-Neuperlach.

Weitere Antworten finden Sie unter www.merkur.de unter der Rubrik „Service“.

Mehr zum Thema Darm:

Kranker Darm: Experten geben Antwort

Wenn der Darm Krawall macht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Junge Braut stirbt nur kurz nach Hochzeit - der Grund ist tragisch
Sie wurde nur 26 Jahre alt – an ihrem Hochzeitstag musste Jamieka nur wenige Stunden nach der Trauung sterben. Doch hätte ihr Tod verhindert werden können?
Junge Braut stirbt nur kurz nach Hochzeit - der Grund ist tragisch
Krankenkassen bemängeln Kostenschub bei Krebsmedikamenten
Sie sollen das Leiden von Todkranken verringern - doch oft haben sie starke Nebenwirkungen und sind extrem teuer: neue Medikamente gegen Krebs. Führende Akteure im …
Krankenkassen bemängeln Kostenschub bei Krebsmedikamenten
Achtung: Darum sollten Sie im Winter nie mit nassen Haaren rausgehen
Schnell frühstücken, duschen und ab in die Arbeit: Viel Zeit zum Haare föhnen bleibt da nicht mehr. Doch kann das im Winter gefährlich werden?
Achtung: Darum sollten Sie im Winter nie mit nassen Haaren rausgehen
Frau hat rätselhafte Augeninfektion - aus pikantem Grund
Erst bekommt eine Frau ein schwarzes Auge, dann stirbt ein Hund in den eigenen vier Wänden. Der Grund ist seltsam, schockierend – und lebensgefährlich zugleich.
Frau hat rätselhafte Augeninfektion - aus pikantem Grund

Kommentare