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Viele Menschen leiden regelmäßig an Kopfschmerzen.

Migräne: Die neuesten Tricks der Spezialisten

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München - Kopfschmerz ist eine Volkskrankheit. Wer regelmäßig davon geplagt ist, leidet höchstwahrscheinlich unter Migräne. Wir erklären die neuesten Tricks der Spezialisten gegen das quälende Pochen.

90 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter quälendem Schädelweh. Dabei gibt es keine Altersgrenze, Kinder trifft es ebenso wie Greise. In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um einen primären Kopfschmerz, bei dem keine andere Erkrankung die Ursache ist. Davon wiederum werden 90 Prozent oder schätzungsweise acht Millionen Menschen regelmäßig vom Spannungskopfschmerz oder Migräne geplagt. Laut Schätzungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft haben jeden Tag etwa 350 000 Menschen einen Anfall. Am häufigsten trifft es Frauen im jungen und mittleren Erwachsenenalter. Wenn die Schmerzen das Leben zur Qual machen, Arbeiten und ein soziales Leben kaum noch möglich sind, finden viele Kranke den Weg in die Kopfschmerzambulanz des Klinikums Großhadern oder ihre Außenstelle im Neurologischen Konsiliardienst der Innenstadtklinik. tz-Redakteurin Susanne Stockmann sprach mit der Oberärztin Stefanie Förderreuther über die neuesten Möglichkeiten, schlimme Kopfschmerzen zu behandeln.

Die gute Nachricht zuerst: „Die Krankheit ist keine Sackgasse“, ermutigt Stefanie Förderreuther. „Zwar gibt es wirklich schlimme Zeiten für Migränekranke, aber das bleibt nicht so. Bei den meisten Patienten können wir den Kopfschmerz mit einer gezielten Schmerztherapie gut behandeln und die Attackenfrequenz reduzieren.“

Das sind die Risikofaktoren

Risikofaktoren, die einen ungünstigen Migräneverlauf begünstigen, sind schon einige erforscht: Man findet statistisch eine erhöhte Assoziation zu Übergewicht, psychosozialen Belastungsfaktoren, Depressionen oder Angsterkrankungen. Auch hormonelle Schwankungen im Monatszyklus der Frau beeinflussen den Verlauf einer Migräne. All diese Faktoren führen für sich allein jedoch nicht zwingend dazu, dass das Hirn schmerzt.

Die Migräne ist eine organische Erkrankung. Vorbeugend haben sich Entspannungstechniken, Verhaltenstherapien z. B. zur Stressbewältigung, Sport und ein regelmäßiger Lebenswandel bewährt. Es gibt die Wochenendmigräne, bei der die Ärztin rät, auch am Samstag und Sonntag in der Früh den Wecker klingeln zu lassen: „Einmal kurz aufstehen, reicht meist schon, um die Migräne zu überlisten.“

Doch oft ist es nicht möglich, die Ursache für eine Attacke zu finden. Wer dann versucht, die Schmerzen mit starken Medikamenten in den Griff zu bekommen, kann sie genau dadurch noch verschlimmern. Wer regelmäßig Schmerzmittel schluckt, bekommt immer öfter Kopfschmerz. Aus einzelnen Attacken wird ein Dauerschmerz. „Wir sprechen dann von einem Medikamenten-übergebrauchs-Kopfschmerz und müssen einen Medikamentenentzug durchführen. Allein durch diese Maßnahme bessern sich die meisten Patienten erheblich“, berichtet Förderreuther. Daher sollte jeder spätestens dann ärztlichen Rat einholen, wenn er über längere Zeit (drei Monate) Schmerzmittel braucht, um seinen Kopf ruhigzustellen.

Von chronischen Kopfschmerzen sprechen die Mediziner, wenn ihre Patienten über mindestens drei Monate an mindestens 15 Tagen pro Monat von Stunden anhaltenden Attacken gematert werden. Steckt eine chronische Migräne dahinter, gibt es nun eine erfreuliche Neuigkeit. Wenn andere vorbeugende Therapien erfolglos waren, kann vielleicht Botox helfen. Das aus der Schönheitschirurgie bekannte Antifalten-Mittel wirkt verblüffenderweise auch bei Chronischer Migräne. Botox wird an 31 verschiedenen Stellen an Kopf und Nacken gespritzt. Das Nervengift entspannt die Muskeln, daher galt es als erfolgversprechend für Patienten mit Spannungskopfschmerz. Doch Botox blieb dort und bei Patienten mit episodischer Migräne wirkungslos. Nur bei Patienten mit sehr häufigen Attacken besserte sich der Zustand: Sie hatten im Schnitt acht Tage pro Monat weniger Kopfschmerz.

Allerdings besserten sich auch die Patienten, die Placebospritzen bekamen, um etwa sechs Tage pro Monat! Stefanie Förderreuther: „Das ist unser Problem in der Kopfschmerzforschung, wir sehen jeweils einen großen Placeboeffekt.“ Allein der Arztbesuch und die Beratungsgespräche sorgen für ein besseres Verständnis für die Abläufe im Körper und wirken sich günstig auf den Verlauf einer Migräne aus. Der wichtigste Rat ist also: Rechtzeitig zum Arzt bzw. zum Spezialisten gehen, damit der Kopf wieder Ruhe gibt.

sus

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