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Parkinson: Möglichkeiten, Fortschritte und Perspektiven bei den Therapien

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Von: Susanne Sasse

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Bewegungstherapie ist bei Parkinson das A und O.
Bewegungstherapie ist bei Parkinson das A und O. © fkn

Parkinson gilt als zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. Laut Parkinson-Gesellschaft sind aktuell in 400 000 Menschen in Deutschland erkrankt.

München – Die Krankheit führt bei den Betroffenen zu vielen Frustrationen, da sie – vereinfacht gesagt – die Übertragung von Reizen stört, indem sie die dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn zugrunde gehen lässt, erklärt Professor Andres Ceballos-Baumann, Chefarzt der Parkinson-Fachklinik der Schön-Klinik München-Schwabing.

Ihr zerstörerisches Werk vollzieht die tückische Krankheit vor allem im Gehirn in der sogenannten Substantia nigra, der schwarzen Substanz. Dort wird der meiste Nervenüberträgerstoff Dopamin produziert. Kommt es dort zu Eiweißverklumpungen von Proteinen, darunter das sogenannten a-Synuklein, zerstört das die dopamin-produzierenden Zellen.

Diese Hintergrundinformation lässt einen verstehen, warum Erkrankte manchmal plötzlich wie eingefroren sind. „Manche Patienten umschreiben es so, dass sie manchmal on sind, also sehr präsent, und dann wieder off, also quasi nicht handlungsfähig“, erklärt Prof. Ceballos-Baumann. Oft werde diese Symptomatik missverstanden, denn vor allem frisch Erkrankte reagieren oft frappierend gut auf die Medikamente, die zumeist das Dopamin ersetzen. „Manche denken sogar, sie seien geheilt, weil die Medikamente so gut wirken“, sagt der Experte.

Doch nach Jahren verkürze sich die Wirkdauer. „In solchen Fällen kann die moderne Medizin heute ganz gut helfen, zum Beispiel mit Medikamentenpumpen“, sagt. er. Oder auch durch sogenannte Tiefe Hirnstimulation. Hierbei werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, umgangssprachlich als „Hirnschrittmacher“ bezeichnet. Welche Therapie für wen geeignet sei, könne man nur individuell feststellen, ältere Patienten kämen oft mit Medikamentenpumpen sehr gut zurecht, jüngeren Patienten sprächen sehr oft gut auf die Tiefe Hirnstimulation an.

Neue Forschung macht Hoffnung auf Heilung

Die neurodegenerative Krankheit Parkinson sei sehr komplex, so Prof. Ceballos-Baumann. „In der Forschung passiert aber sehr viel, sodass wir inzwischen die Aussicht haben, in ein bis zwei Generationen die Krankheit nicht nur symptomatisch behandeln zu können, sondern auch von Grund auf zu heilen.“ Im Jahr 2021 gab es 156 registrierte Studien zu neuen Medikamenten, Verbesserungen bestehender Therapien und zu Ansätzen zur Heilung, etwa durch eine Impfung.

Hierbei gibt es verschiedene Ansätze, die Prof. Ceballos-Baumann mit Interesse beobachtet. Zum einen hat die Medizin festgestellt, dass für andere Krankheiten zugelassene Substanzen die Krankheit abbremsen könnten. Es gibt Studien zu Medikamenten, die die Verklumpung von a-Synuklein in Nervenzellen stoppen und dabei helfen sollen, die Zellen davon quasi zu entrümpeln. Auch Ansätze zur Immuntherapie scheinen vielversprechend. „Dank der regen Forschung verstehen wir die Krankheit inzwischen sehr gut und stehen an einer entscheidenden Weiche, endlich auch kausal eingreifen zu können und die bislang unheilbare Krankheit irgendwann doch heilen zu können“, sagt Prof. Ceballos-Baumann.

Die Therapie: Aktivität und Medikamente

„Parkinson-Therapie ist sehr viel mehr als die Gabe von Medikamenten“, sagt Prof. Ceballos-Baumann. Leider werde die Wichtigkeit aktivierender Therapien oft unterschätzt – zum Nachteil für die Patienten, denn wenn diese nicht aktiv gegen die Krankheit ankämpfen, dann könne sie viel schneller voranschreiten. „Es ist wichtig, konstant die Inaktivität zu durchbrechen“, mahnt der Experte. So etwa durch Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und einiges mehr. Die Bandbreite ist groß und reicht von Musik, Tischtennis, Tanzen, Boxtraining bis zu Spaziergängen in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen, die die Symptome kennen und verstehen. Wie gut das den Patienten tut, ist wissenschaftlich erwiesen – im Gehirn werden durch das Einüben neuer Bewegungsmuster neue Verknüpfungen gebildet, zudem hat das Ausdauertraining einen positiven Effekt.

Bei den medikamentösen Therapien gibt es verschiedene Ansätze und Arten: „Goldstandard ist die Behandlung mit dem Dopaminersatzstoff Levodopa. Das ist eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin, der im Gehirn von Parkinson-Kranken fehlt“, erklärt Prof. Ceballos-Baumann. Weiterhin werden sogenannte Dopaninagonisten eingesetzt. Bei diesen handelt es sich um Medikamente, die im Gehirn die Wirkung von Dopamin nachahmen und so den Mangel dieses Botenstoffs ausgleichen. Anders als Levodopa müssen die Dopaminagonisten nicht erst in eine wirksame Form umgewandelt werden, sondern wirken direkt.

Um die Menge an verfügbarem Dopamin im Gehirn zu erhöhen, werden sogenannte COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer eingesetzt. Beide wirken ähnlich und hindern – vereinfacht gesagt – den Abbau von Dopamin durch Enzyme. Dadurch können Parkinson-Beschwerden über einen längeren Zeitraum gelindert werden, ohne dass die Medikamentendosis erhöht werden muss.

Zudem gibt es viele weitere medikamentöse Therapien gegen Begleiterrscheinungen der Krankheit – um etwa sogenannte Dyskinesen in Griff zu bekommen, Das sind Überbewegungen wie Zappeligkeit oder Zuckungen, die durch Wirkungsschwankungen nach langer medikamentöser Behandlung auftreten.

Weiterhin arbeitet die Medizin in manchen Fällen auch mit Antidepressiva, ebenso mit Mitteln gegen Störung der Blasentätigkeit oder Verstopfung. Wenn Patienten wegen Schluckbeschwerden durch Parkinson unter vermehrtem Speichelfluss leiden, kann manchmal die gezielte Gabe von Botox helfen.

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