Ein Paar geht spazieren
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Ein Paar geht spazieren, in langen Beziehungen verändern sich die Partner durch Krisen gemeinsam

Münchner Expertin erklärt, wie Paare die kritische mittlere Hälfte des Lebens überstehen

Gestärkt aus der Midlife-Crisis hervorgehen

  • Susanne Stockmann
    vonSusanne Stockmann
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Wenn Frauen energisch und Männer bunt werden! Die Krise im mittleren Alter hat viele Facetten. Aber die Unzufriedenheit kann auch Sprungbrett ins Glück sein! Die Münchner Persönlichkeitsberaterin Dr. Fiona Berle weiß, wie der Übergang in der Lebensmitte zu einem neuen Ziel erfolgreich gestaltet werden kann.

Eine Freundin seufzte kürzlich zufrieden: „Ich habe alles richtig gemacht!“ Sie hat recht: Ihre zweite Ehe ist glücklich, die kleine Tochter rundum gelungen, der Sohn aus erster Ehe erwachsen und mit einer netten Frau liiert. Ihr Kämpfen um den richtigen Partner, den guten Job auf Umwegen haben sich gelohnt. Doch was, wenn sich nicht alles so gut fügt im Leben oder wenn man nicht so mutig war und rechtzeitig die Kurve gekriegt hat, aus einer unerfüllten Partnerschaft oder dem langweiligen Job auszubrechen?

Keine Sorge! Irgendwann ist die Talsohle erreicht und auf einmal ist man mit der Gesamtsituation unzufrieden. „Es ist oft die Phase des Lebens, wo die Eltern pflegebedürftig werden oder sterben. „Wir erkennen die Endlichkeit des eigenen Lebens“, erklärt Life-Coach Dr. Fiona Berle: „Das verleiht unserem Dasein eine ganz neue Tiefenschärfe.“ Die Beraterin für Persönlichkeitsentwicklung aus München ermutigt: „Um mit dem großen Psychoanalytiker C.G. Jung zu sprechen: Wir haben Mitte 40 unseren Naturzweck erfüllt.“ Wir sind Erwachsene, haben Job und Kinder. Der biologische Sinn der Fortpflanzung ist erledigt. Was sollen wir anfangen mit den circa vier Jahrzehnten, die noch auf uns warten? „Wir können sie nun dem sogenannten Kulturzweck widmen“, so Dr. Berle: „Nach der Pflicht kommt die Kür des Lebens.“

Dazwischen steht oft eine Übergangsphase, die gern ironisch als Midlife-Crisis bezeichnet wird und die sich nicht jeder leisten kann. Berle: „Wer sich ums tägliche Brot sorgt, steckt ständig in der Krise.“ Erst müssen die Grundbedürfnisse erfüllt sein, dann bleibe Zeit für die Sinnsuche. Die Midlife-Crisis als Luxusproblem erklärt, warum es manchmal lächerlich wirkt, wenn Frauen plötzlich aus dem Familiengerüst ausbrechen und verkünden, jetzt nur an sich zu denken. Oder wenn Männer es satt haben, langweilige Ernährer zu sein, sich bunte Klamotten, ein flottes Auto und manchmal eine neue Frau zulegen. Doch wer sich auf einmal in diesen Klischees wiederfindet, sollte seine große Chance nicht verpassen. Dr. Berle: „Indem wir uns ganz auf uns konzentrieren, herausfinden, wer wir sind und wie wir leben möchten, können wir unserem Leben einen neuen Sinn geben.“ 

Menschen sollten in Zielen denken

Letztlich gehe es darum, Verantwortung für das eigene Schicksal zu übernehmen. Das sei einfacher als man denke. Dr. Berles ,Geheimtipp‘: „Wir Menschen müssen mehr in Zielen denken.“ Bewusst formulierte Ziele verändern das Unterbewusstsein. Wer weiß, wie er leben will, sieht plötzlich die Chancen, die sich im Alltag auftun. Berle: „Unser Großhirn ist darauf geeicht, Ziele zu erreichen.“

Wer eine persönliche Veränderung anstrebt, muss mit Widerständen aus dem sozialen Umfeld rechnen. Darauf angesprochen, antwortet Fiona Berle „Bei Problemen macht es keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken. Man muss ausloten, was genau einem nicht behagt.“ Daraus lässt sich ableiten, was man im tiefsten Inneren eigentlich will. Veränderungen müssen abgewägt werden. Da kann man auch zum Schluss kommen, mit der Kursänderung besser noch zu warten. Nur von etwas dürfe man sich nie leiten lassen: Von Scham und der Angst vor dem Urteil der anderen. Berle macht Mut: „Wenn Partner sich lieben, wird der eine den Verändungsprozess des anderen mittragen.“

Gestärkt aus der Krise hervorgehen

Gestärkt aus der Krise hervorgehen durch das Formulieren und Umsetzen von Lebenszielen, so lautet die Glücksformel. Wie findet man seine Ziele und Sehnsüchte? Berle rät, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, und zunächst Filterfragen zu beantworten: Wenn jetzt alles erlaubt wäre, was würde ich tun? Was hätte ich gern in meinem Leben? Was stelle ich mir beruflich vor? Berle: „Die Antworten helfen, sich zu definieren, die eigene Persönlichkeit zu benennen.“ Wer allein nicht weiterkommt, sollte nicht scheuen, einen Profi zurate zu ziehen. Der Blick von außen könne die Augen öffnen für den Weg zur Zufriedenheit: Ich lebe so, wie ich es will. Weitere Infos zu Lebenscoach Dr. Fiona Berle: www.dr-berle.de

Männer und Frauen reagieren ganz verschieden

Der kleine Unterschied tritt in Krisen deutlich zu Tage: Frauen, so die Erfahrung von Dr. Fiona Berle, sorgen eher für einen Druckausgleich im Seelen- und Gefühlshaushalt. Sie reden mit Freundinnen, gehen häufiger zum Coaching. Männer dagegen neigen dazu, Probleme zu verdrängen. Sie halten sich an Strukturen wie Arbeit und tägliche Routinen fest. In der Rente oder bei Jobverlust bricht dann ihr fragiles Lebensgerüst zusammen. „Männer stürzen tiefer in die Krise“, so Dr. Berle: „Und sie reagieren oft deutlich radikaler als Frauen.“ Männer seien eher zu grundlegenden Veränderungen bereit: „Diese Seite erlebe ich im Coaching und das ist oft sehr inspirierend und erfolgreich.“Aber leider gibt es auch eine dunkle Seite: Im Alter zwischen 50 und 65 Jahren steigt die Zahl der Selbstmorde bei Männern an.

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