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In einer OP wird den Patienten der Schlauch eingesetzt

Münchner Spezialisten: Neue Therapie

Hightech gegen ­Diabetes

München - Münchner Magen-Darm-Spezialisten können stark übergewichtigen zuckerkranken Menschen jetzt mit einer neuen Therapie helfen, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen

Zum einen können zuckerkranke Menschen so bessere Blutzuckerwerte erreichen, zum anderen ordentlich abnehmen! Die Methode trägt den englischen Namen Endobarrier, stammt aus amerikanischen Medizintechnik-Labors und wird jetzt auch in Deutschland eingesetzt. Zu den Vorreitern gehören die Gastroenterologen des Städtischen Klinikums Bogenhausen um Chefarzt Professor Wolfgang Schepp und Oberarzt Privatdozent Dr. Arne Schneider . Gegenüber der tz erklären die Experten, wie das innovative Verfahren funktioniert und wer davon profitieren kann.

Andreas Beez

Die ersten Behandlungsergebnisse sind bemerkenswert: „Bei vier von fünf Patienten verbessert sich die Blutzucker­einstellung drastisch, zudem brauchen viele Patienten im Laufe der Behandlung immer weniger Diabetes-Medikamente oder sogar gar keine mehr“, berichtet Dr. Schneider. Und Professor Schepp fügt hinzu: „Abhängig vom Ausgangsgewicht können die Patienten innerhalb eines Jahres etwa ein Fünftel ihres Körpergewichts abnehmen und ihre Blutdruckwerte senken.“

Das Prinzip der Endobarrier-Methode: Dem Patienten wird während einer Magenspiegelung ein dünner Teflon-Schlauch in den oberen Teil des Darmes eingesetzt. Er hat einen Durchmesser von etwa drei Zentimetern und ist etwa 60 Zentimeter lang. Dieser Magen-Darm-Liner – so der Fachausdruck für den Spezialschlauch – bildet eine innere Barriere zur Darmwand. Sie verhindert, dass der Körper Nährstoffe und damit Kalorien aufnehmen kann. „Den eigentlichen Effekt der Behandlung muss man aber auf die Ausschüttung bestimmter Hormone zurückführen, die zum Beispiel das Hungergefühl eindämmen“, so Dr. Schneider. Dadurch verlieren die Patienten einerseits Gewicht, und andererseits wird der Körper sensibel für die Diabetesbehandlung – die sogenannte Insulinresistenz bessert sich.

„Die Methode ist sehr effektiv und vergleichsweise schonend“, weiß Professor Schepp. Bislang blieb den Betroffenen, die immer Diabetesmedikamente einnehmen oder Insulin spritzen mussten, als letzter Ausweg aus dieser Falle oft nur eine operative Magenverkleinerung beziehungsweise ein sogenannter Magenbypass. Aber diese Operation ist gar nicht so ohne: „Schließlich werden dabei 80 Prozent des Magenvolumens entfernt“, erläutert Professor Schepp. „Man kann den Eingriff nicht rückgängig machen.“

Ganz anders beim Endobarrier: Der dünne Schlauch wird nach spätestens zwölf Monaten wieder entfernt. Während dieses „Einsatzjahres“ lernt der Patient in Zusammenarbeit mit einem Team von Ernährungsspezialisten sowie Psychologen, seine Ernährung umzustellen und mit weniger Essen auszukommen. „Man verschafft Patienten mit diesem Eingriff ein Erfolgserlebnis und kann diese Zeit nutzen, um Geist und Einstellung zu ändern“, erklärt Professor Schepp.

Geeignet ist die Endobarrier-Therapie für alle Menschen, die gleichzeitig unter Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas (mehr als Grad II) leiden – darunter versteht man starkes Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35.

Wer die Methode ausprobieren möchte, muss allerdings auch selbst Geld investieren. Momentan zahlen die Krankenkassen die Endobarrier-Methode – etwa 8500 Euro pro Patient – nur in sehr wenigen Fällen. „Unsere medizinischen Fachgesellschaften kämpfen gerade dafür, dass das Verfahren in den Leistungskatalog der Kassen aufgenommen wird“, sagt Professor Schepp. Dieses Prüfverfahren könne sich aber noch einige Jahre hinziehen.

So funktioniert der Eingriff

Die Spezialisten brauchen nur etwa eine halbe Stunde, um den Endobarrier-Schlauch zum Einsatzort zu bringen. Er ist an einem zusammengefalteten Gitterröhrchen befestigt und ähnelt den Stents (Gefäßstützen), die häufig in den Herzkranzgefäßen eingesetzt werden. Dieser Stent wird mit Hilfe eines Endoskops zum Dünndarm gebracht.

Das funktioniert so: Die Ärzte schieben einen dünnen, sehr biegsamen Arbeitsschlauch (Endoskop) durch Mund, Speiseröhre und Magen bis zum Magenausgang. „Dort, am Übergang zwischen dem sogenannten Magenpförtner und dem Zwölffingerdarm wird der Stent verankert und der Teflonschlauch entfaltet. Er erstreckt sich dann über den ersten Teil des Dünndarms“, erklärt Dr. Schneider.

Das Herausnehmen des etwa 60 Zentimeter langen Schlauchs dauert nur eine Viertelstunde. Wie beim Einsetzen auch bekommt der Patient davon nichts mit, er erhält zuvor eine leichte Narkose.

Die Risiken sind gering, aber natürlich nie hunderprozentig auszuschließen. So können sich im Magen-Darm-Bereich Geschwüre bilden oder Verankerungen des Schlauchs von der Darmwand lösen. Dr. Schneider: „Diese Probleme sind jedoch in der Mehrzahl der Fälle gut und sicher zu beherrschen.“

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