Tipps, die die Sehkraft verbessern

Mythen der Medizin: Darum werden wir kurzsichtig

München - Priv.-Doz. Dr. med. habil. Barbara Richartz, Chefärztin in der Privatklinik Jägerwinkel in Bad Wiessee, erklärt, was an gut gemeinten Ratschlägen wirklich dran ist.

Es gibt Mythen in der Medizin, die sich hartnäckig halten. Die meisten davon sind medizinisch gesehen falsch, andere beunruhigen uns, wieder andere sind gefährlich. Letzteres betrifft beispielsweise die Mär von den bösen Statinen, die in Wirklichkeit schon vielen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Leben gerettet haben. Oder der Mythos, dass man am Tag vier bis fünf Liter Wasser trinken muss. Menschen mit einer Herzschwäche kann das ernsthaft gefährden.

Andere Mythen, wie „der Körper muss regelmäßig entschlackt werden“, „nächtliche Mahlzeiten machen dick“ oder „Rohkost ist besonders gesund“, wirken zwar auf den ersten Blick interessant, sind wissenschaftlich aber unhaltbar. Hinter manchen Mythen steckt jedoch zumindest eine spannende Geschichte. So wie die Aussage, dass „Nahes Lesen bei schwachem Licht den Augen schadet und dadurch Kurzsichtigkeit entsteht“. Dieser Zusammenhang wurde lange in der Medizin vertreten, um ihn später vehement zu bestreiten. Offenbar ist es doch nicht so einfach.

Dr. Barbara Richartz

In Europa und den USA sind inzwischen mehr als 30 Prozent der Bevölkerung kurzsichtig, mit steigender Tendenz. Und in Asien finden wir noch ganz andere Zahlen: In städtischen Metropolen, wie Singapur oder Hongkong, brauchen 60 Prozent der Bevölkerung eine Brille, Studenten bereits zu 90 Prozent – besonders nachdem sie sich auf eine Prüfung vorbereitet haben. Das ist auch der Schlüssel zur richtigen Erklärung: Wir werden definitiv umso eher kurzsichtig, je mehr „Naharbeit“ wir verrichten. Im Alter von fünf Jahren sieht noch fast jeder gut, nachdem ein komplizierter innerer Mechanismus die Abstände von Linse, Hornhaut und Augenlänge auf einen Zehntel-Millimeter adjustiert hat. So weit, so gut – wäre da nicht der PC im Kinderzimmer, der der Kurzsichtigkeit den Weg ebnet. Lese-, Lern- oder Spieltätigkeiten mit dem immer gleichen Blickabstand, etwa auf den Computerbildschirm, lassen uns immer häufiger und früher kurzsichtig werden. Einer aktuellen Hypothese zufolge steigt das Risiko für die Kurzsichtigkeit deshalb, weil das Auge bei feinen Tätigkeiten so eingestellt ist, dass das Bild knapp hinter die Netzhaut fällt. Um diese Anstrengung auszugleichen, wächst der Augapfel in die Länge. Und viele von Ihnen wissen, dass starke Kurzsichtigkeit mit erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) und Netzhautablösungen im Zusammenhang steht, weil das Wachstum des Augapfels Dehnungen und Zerrungen im Auge selbst verursacht.

Aber kommen wir zurück zu den Mythen in der Medizin. Diese existieren auch beim Thema Kurzsichtigkeit, etwa: „Augenmuskeltraining kann die Kurzsichtigkeit beheben“, „Kurzsichtigkeit wird sich im Alter von alleine ausgleichen“ oder „Eine Brille fördert nur die Verschlechterung der Kurzsichtigkeit“. Auch diese Mythen vergessen Sie bitte, denn sie sind medizinisch gesehen falsch.

Trotzdem kann man etwas für seine Augen tun: Lesen Sie wirklich nur bei guter Beleuchtung. Denn im Schummerlicht ist das Auge für Kurzsichtigkeit besonders anfällig. Halten Sie mindestens eine 30 cm große Distanz zum Buch oder zum Bildschirm, schauen Sie zwischendurch immer auch mal zum Fenster raus. Bereits kurzes Unterbrechen der Naharbeit unterbindet den Reiz für das Längenwachstum des Augapfels.

Und: Selbstverständlich sollte die Kurzsichtigkeit durch eine Brille oder eine Kontaktlinse korrigiert werden. Zwar öffnet der Computer das Tor zur Welt, aber er kann unser Blickfeld nachhaltig einschränken.

Rubriklistenbild: © dpa

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