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Herz-Professor Dr. Harald Kühl.

Chefarzt aus Klinikum Harlaching 

Nach Seehofers Schwächeanfall: So können Viren das Herz schädigen

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München - Bei einer Bürgersprechstunde am Samstag sackte der erkältete Horst Seehofer (67) zusammen. Schwächeanfall. Hier erklärt Herz-Professor Dr. Harald Kühl, Chefarzt im städtischen Klinikum Harlaching, warum ein verschleppter Infekt so tückisch werden kann.

Die Gefahren: Bei einer Erkältung, aber auch bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, sind Viren überall im Körper verteilt. „Sie können auch den Herzmuskel befallen und in dessen Zellen Entzündungsprozesse auslösen. Wir Mediziner sprechen von einer Myokarditis“, erläutert Prof. Kühl. „Oft nimmt eine Myokarditis einen harmlosen Verlauf. Sie bleibt unentdeckt, bildet sich von alleine wieder zurück. Aber es können sich auch dramatische Folgeschäden entwickeln. So kann die Pumpfunktion des Herzmuskels dauerhaft geschädigt bleiben. Der Patient behält dann eine chronische Herzschwäche zurück, die lebensbedrohlich werden kann.“ 

Die Alarmsignale: Weil sich eine Myokarditis schleichend verschärft, können viele Patienten die Symptome zunächst nicht eindeutig zuordnen. Sie fühlen sich schlapp und müde, klagen über Rhythmusstörungen oder etwas Luftnot. „Wenn neben dem Herzmuskel auch der Herzbeutel entzündet ist, können Brustschmerzen dazukommen“, berichtet Prof. Kühl. „Diese kombinierte Erkrankung ist relativ häufig. Der Fachbegriff heißt Perimyokarditis.“ 

Die Diagnose: Entzündungsreaktionen des Herzens lassen sich in der Regel mit einer Kernspintomografie des Herzens nachweisen, mit dem Herz-Ultraschall wird die Pumpfunktion des Herzens im Verlauf überprüft. Auch ein EKG gehört zur Standarddiagnostik

Die Behandlung: „In erster Linie ist Schonung wichtig“, betont Kühl. In manchen Fällen verordnen die Ärzte unterstützend Medikamente, die das Herz entlasten – etwa Diuretika; sie wirken entwässernd. Dagegen bekommen Myokarditis-Patienten fast nie Antibiotika verschrieben. „Denn die Entzündungsprozesse werden in den allermeisten Fällen nicht von Bakterien, sondern von Viren verursacht“, so Prof. Kühl. Nach einer unkomlipzierten Myokarditis ohne Einschränkung der Pumpleistung des Herzens sollte man mindestens vier Wochen keinen Sport treiben – falls die Pumpfunktion des Herzmuskels eingeschränkt ist, sollte man sogar mindestens ein halbes Jahr pausieren und sich regelmäßig kardiologisch untersuchen lassen. 

Die Vorbeugung: „Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl auch noch höheres Fieber kommt. Bei Temperaturen über 38,5 Grad gehört man ins Bett“, sagt der Herz-Spezialist. „Allerdings kann sich eine Myokarditis auch ohne Fieber entwickeln. Deshalb sollte man sich nach einem Infekt erst wieder körperlich anstrengen, wenn die Symptome verschwunden sind und man sich wieder hundertprozentig fit fühlt. Das gilt für die Arbeit genauso wie für den Sport.“

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