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Das Ergebnis beim Nägelkauen sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch eine Eintrittspforte für Krankheitserreger.

Knabbern und Beißen

Nägelkauer brauchen ein anderes Stressventil

Kauen, knabbern, beißen: Im Stress müssen oft die Fingernägel dran glauben. Manchmal steckt hinter der Kauerei aber auch mehr. Das Ergebnis sieht nicht nur unschön aus, sondern begünstigt auch Entzündungen. Betroffene können aber gegensteuern.

München - Ob unter Anspannung oder aus Langeweile: Bei vielen Menschen wandern die Finger in manchen Situationen automatisch zum Mund, und dann wird gekaut, geknabbert und gebissen. Nicht selten bis es blutet und die Nägel völlig abgenagt sind.

Das sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch eine Eintrittspforte für Krankheitserreger. Die Ursachen sind individuell verschieden. Meist ist das Nägelkauen ein harmloser Ausgleichs-Mechanismus zum Beispiel bei Stress. Es kann aber auch ein ernsthaftes psychisches Problem dahinter stecken.

Im Stress müssen oft die Fingernägel dran glauben. Manchmal steckt hinter der Kauerei aber auch mehr.

Grundsätzlich ist Nägelkauen zwar ein zwanghaftes Verhalten oder auch eine Störung der Impulskontrolle, aber meist ist es harmlos, wie Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärt. Kritisch werde das Nägelkauen, wenn es stärker oder häufiger wird. "Oder wenn Leute so intensiv und so verbissen Nägel kauen, dass Verletzungen entstehen, zum Beispiel der Haut", erklärt Falkai, der auch Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München ist. "Dann ist es oft Symptom einer Erkrankung."

Durch das Nägelkauen können die nagelbildenden Zellen auf Dauer unumkehrbar geschädigt werden. Dan wächst der Nagel nur noch deformiert nach - typisch sind etwa ausgeprägte Längsrillen.

Die Unterscheidung zwischen schlechter, aber harmloser Angewohnheit und Ausdruck einer psychischen Störung ist nicht leicht, weiß der Arzt und Diplom-Psychologe Harald Tegtmeyer aus Lindau. Er ist beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie. Dabei sind Nägelkauer in zahlreicher Gesellschaft, vor allem in jüngeren Jahren: "Geschätzt sind 30 bis 40 Prozent der Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen betroffen."

Oft gewöhnen Kinder sich das Nägelkauen nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren wieder ab: "In der Pubertät achtet man mehr auf sich, nimmt das Nägelkauen anders wahr. Es wird peinlich, auch von der Optik her", erklärt Tegtmeyer. Die Eltern können die Kinder bei der Entwöhnung unterstützen - zum Beispiel, indem sie sie in der entsprechenden Situation dezent auf das Nägelkauen hinweisen.

Abgeknabberte Nägel und kaputte Nagelhaut sehen aber nicht nur unschön aus. "Sie dienen auch als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien und begünstigen somit Entzündungen", sagt die Hautärztin Marion Moers-Carpi vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Auf Dauer können die nagelbildenden Zellen unumkehrbar geschädigt werden, so dass der Nagel nur noch deformiert nachwächst - typisch sind etwa ausgeprägte Längsrillen.

Damit es so weit nicht kommt, sollte man das Kauen möglichst sein lassen. Dazu ist es zunächst wichtig herauszufinden, in welchen Situationen die Finger überhaupt in den Mund wandern, erklärt Falkai. Meist nämlich dann, wenn das Stresslevel ansteigt. Dann gilt es, die Frage zu klären: "Was kann ich tun, um den Stress nicht aufkommen zu lassen?" Manchmal reicht es schon, an ein paar Stellschrauben zu drehen - etwa die Uhr vorzustellen, wenn man immer auf den letzten Drücker kommt, oder sich täglich ein entspanntes Mittagessen zu gönnen.

Um sich vom Nägelkauen abzuhalten, setzen manche auf bittere Lacke oder auch Pflaster um die Fingerkuppen. Das hält Falkai als alleinige Methode für nicht sinnvoll. Wichtiger sei es, den Ursachen auf den Grund zu gehen und gezielt gegenzusteuern. Manchmal fällt es leichter, sich das Nägelkauen nicht von Hundert auf Null abzugewöhnen sondern zunächst zu versuchen, die Häufigkeit zu reduzieren, sagt Falkai.

dpa/tmn

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