Nutzen und Risiko abwägen

Sehr selten erhöhtes Blutungsrisiko nach Biontech-Impfung: Mögliche Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe im Überblick

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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In Deutschland verimpfen Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitswesens den Biontech-, Astrazeneca- oder Moderna-Impfstoff. Welche Komplikationen möglich sind, erfahren Sie hier.

Der Nutzen der Corona-Impfung für den Einzelnen und für die Allgemeinheit überwiegt die möglichen Risiken: Zu diesem Schluss kommen unter anderem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und auch nationale Behörden wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland. Erst nach strenger klinischer Prüfung an großen Gruppen von Freiwilligen wurden die Impfstoffe in Europa zugelassen. Doch Impfungen wie auch jede andere medikamentöse Therapie kann Nebenwirkungen bergen.

Dass nach einer Impfung bestimmte Nebenwirkungen auftreten, ist erwünscht und zeigt an, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert und Abwehrstoffe bildet. Meist sind diese Impfreaktionen leicht und legen sich innerhalb einiger Tage wieder. Doch es gibt auch Nebenwirkungen, die gesundheitsschädliche Ausmaße annehmen können. „Schwerwiegende sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) nach Impfungen sind sehr selten“, informiert das Robert Koch-Institut. Doch vor allem neue Impfpräparate wie Corona-Vakzine, die noch nicht seit Jahrzehnten angewandt werden wie etwa der Masern-Impfstoff, verunsichern viele Bürger. Drohen später einsetzende Impfschäden? Kann man unfruchtbar werden? Kann es zu einer schweren Thrombose kommen? Fragen, die viele Menschen aktuell beschäftigen.

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Corona-Impfstoffe im Überblick: Impfreaktionen des Körpers in der Regel harmlos

Studien belegen, dass Corona-Impfungen schwerwiegende Covid-Verläufe oder sogar die Ansteckung mit Coronaviren verhindern können. Doch bei manchen Menschen kann es nach der Impfung zu Komplikationen kommen. Erfahren Sie hier mehr über die Nebenwirkungen je nach Corona-Impfstoff im Überblick.

Mögliche Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffes

Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel sind bis zum 15. April 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrom­bosen nach der ersten Impfung mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca gemeldet worden, wie das Ärzteblatt informiert. 45 Frauen und 14 Män­ner waren betroffen. Bis Mitte April wurden dem RKI zufolge mehr als 4,2 Millionen Erstdosen und 4.153 Zweitdosen des Astrazeneca-Impfstoffs verabreicht. Wie das Portal Gesundheitsinformation.de im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) informiert, zeigte eine Auswertung durch die EMA und das PEI, dass sich je nach Alter bei schätzungsweise sechs bis 14 von einer Million Menschen nach der Impfung mit Vaxzevria/Astrazeneca Blutgerinnsel bilden. Diese traten innerhalb von zwei Wochen nach der Impfung in den Venen von Kopf (Sinusvenenthrombose), Bauch (splanchnische Venenthrombose) oder in den Arterien auf. Meist waren Frauen unter 60 Jahren betroffen.

Im Rahmen der Astrazeneca-Zulassungsstudien kam es Gesundeitsinformation.de zufolge zu einer Reihe von normalen Impfreaktionen. So traten bei 75 Prozent der Geimpften Schmerzen, Rötung, Schwellung oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle auf. 73 Prozent der mit dem Astrazeneca-Präparat Geimpften litten vorübergehend an Erschöpfung, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen.

Treten nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff folgende Symptome auf, sollten Sie einen Arzt konsultieren, da Impf-Komplikationen der Grund sein könnten:

  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust oder im Magen
  • Schwellung in einem Bein
  • schwere oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen
  • mehrere kleine Blutergüsse, rötliche oder violette Flecken oder Blutbläschen unter der Haut.
Mit dem Impfstoff Biontech geimpfte Menschen sitzen im Wartebereich eines Impfzentrums, in dem mögliche Nebenwirkungen der Corona-Impfung beobachtet werden. Die meisten Nebenwirkungen sind harmlos, doch auch schwerwiegende Komplikationen sind in sehr seltenen Fällen möglich.

Mögliche Nebenwirkungen der Biontech-Impfung

Wie das Paul-Ehrlich-Institut informiert, kommt es im Rahmen der Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech im Vergleich zur Moderna- oder Astrazeneca-Impfung häufiger zu Impfreaktionen wie Schmerzen an der Impfstelle (73 Prozent der Teilnehmer an der Zulassungsstudie des Präparats klagten darüber). Auch Kopfschmerzen, Ermüdung, Schwindelgefühle, Unwohlsein, Übelkeit und Muskelschmerzen wurden bei dem Biontech-Impfstoff Comirnaty häufiger beobachtet (bei 70 Prozent der Zulassungsstudien-Teilnehmer). Wie das Portal Gesundheitsiformation weiter informiert, trat bei sehr wenigen Menschen (0,02 Prozent in der Zulassungsstudie) eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese) auf. In 0,1 Prozent der Fälle kam es zu allergischen Reaktionen. Ob ein Zusammenhang mit der Impfung besteht, konnte allerdings in beiden letzteren Fällen nicht bestätigt werden.

Es gebe Gesunheitsinformation.de zufolge bisher keine Hinweise darauf, dass es durch die Biontech-Impfung zu schweren Nebenwirkungen kommt. Das bezieht nach Informationen der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) auch auf Thrombosen. Unter den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna wurden bislang keine diesbezüglichen Sicherheitssignale detektiert, so die PZ. Das PEI führt in einem aktuellen Sicherheitsbericht allerdings 14 Thrombozytopenie-Fälle auf, die seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember 2020 bis 2. April 2021 nach Impfung mit Comirnaty gemeldet wurden – in elf Fällen innerhalb von 49 Tagen nach der Impfung. Bei Thrombozytopenie handelt es sich um eine zu niedrige Thrombozytenzahl im Blut. Die Thrombozyten sind hauptverantwortlich für die Blutstillung und Blutgerinnung, Thrombozytopenie kann Blutungen begünstigen – von minimalen Hauteinblutungen über Nasenbluten bis hin zu Organblutungen. (jg)

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