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Neue Arzneimittel gegen den schwarzen Hautkrebs sind eine Hoffnung im Kampf gegen den Krebs. 

Schwarzer Hautkrebs

Den Krebs besiegen - so wirken neue Medikamente

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Der Mensch ist eigentlich sehr gut gegen Krankheiten geschützt: Das Immunsystem verrichtet seine Arbeit als Gesundheitspolizei ausgezeichnet.

Und schon lange fragten sich Mediziner deshalb, warum Krebszellen und tödliche Tumore nicht attackiert und vernichtet werden. Vor drei Jahren gelang der internationale Durchbruch bei der zellulären Immuntherapie gegen Krebs, und immer mehr Medikamente stehen vor der Zulassung. In Europa und auch in Deutschland werden demnächst zwei neue Arzneimittel gegen den schwarzen Hautkrebs zur Verfügung stehen – mit ihnen kann sogar den Patienten geholfen werden, für die Ärzte bisher nichts mehr tun konnten. Wir sprachen mit Professor Carola Berking, Dermato-Onkologin und Oberärztin an der Hautklinik der LMU, ob diese Medikamente halten, was sie versprechen.

Oft liest man, die Immuntherapie gleiche einem Wunder. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Je besser die Forscher verstehen, wie ein Tumor entsteht und wächst, desto mehr Angriffsflächen finden sie, um ihn zu enttarnen und zu zerstören. Diese Mechanismen sind sehr kompliziert. Die Methode, auf die nun die neuen Immuntherapien setzen, bedient sich Antikörpern, die allerdings nicht gegen die Krebszellen direkt wirken, sondern die T-Zellen des Immunsystems aus ihrem Dornröschenschlaf wecken.

Der Tumor spielt den T-Zellen nämlich vor, dass überhaupt keine Gefahr besteht. Die Antikörper jedoch unterbrechen den Kommunikationsweg, indem sie einen wichtigen Rezeptor der T-Zellen besetzen und unterdrücken. Daher werden diese Antikörper auch als Immun-Checkpoint-Inhibitoren bezeichnet. Die Beschwichtigungen des Tumors verhallen nun also ungehört, und die T-Zellen gehen zum Angriff über. „Durch die Blockade des Signalweges erfolgt letztlich ein Weckruf für das Immunsystem“, erklärt die Dermato-Onkologin Berking. Ein solcher Therapieansatz birgt allerdings das Risiko, dass das Immunsystem auch gegenüber körpereigenen Zellen überreagiert und gesundes Gewebe angreift. Dennoch wird diese Methode als Durchbruch in der Krebsforschung und Behandlung gefeiert. Gerade wurden zwei Forscher, die auf diesem Gebiet arbeiten, mit dem renommierten Leibniz-Forschungspreis ausgezeichnet. Melanompatienten mit Metastasen hatten bis vor wenigen Jahren eine Restlebenszeit, die in Monaten gemessen wurde. Durch eine Ipilimumab-Therapie (erster Immun-Checkpoint-Inhibitor) überlebt jetzt etwa jeder fünfte Melanompatient länger als drei Jahre.

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

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Professorin Carola Berking: Die Immuntherapie zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses stellt tatsächlich einen Durchbruch dar. Und nun stehen zwei neue Medikamente vor der Zulassung in Deutschland, die einen weiteren Fortschritt bringen werden. Das Wunder besteht darin, dass man es über einen intelligenten Weg schafft, dass das Immunsystem den Tumor dauerhaft fernhält. Zwar sind etwa 80 Prozent aller Melanompatienten bereits durch die rechtzeitige Operation des Primärtumors dauerhaft geheilt. Wenn sich aber Metastasen bilden, konnten wir früher mit Chemotherapien in nur fünf bis 20 Prozent der Fälle einen meist nur kurzfristigen Rückgang erreichen, ohne aber das Gesamtüberleben dieser Patienten wirklich zu verlängern. Mit den neuen Medikamenten haben wir dauerhafte Erfolge bei 30 bis 40 Prozent. Das ist eine wirklich messbare Verbesserung.

Wie unterscheiden sich die beiden neuen Medikamente von der bisherigen Immuntherapie?

Prof. Dr. Carola Berking ist Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Uni München.

Berking: Diese neuen Antikörper lösen eine andere Bremse des Immunsystems als der bereits 2011 zugelassene Antikörper mit ähnlichem Wirkmechanismus. Wir sind eines der Melanomstudienzentren in Deutschland und konnten daher die neuen Wirkstoffe schon unseren Patienten geben. Dabei haben wir festgestellt, dass die Chance auf Erfolg gesteigert ist und die Verträglichkeit sogar besser ist. Trotzdem können die Nebenwirkungen der Immuntherapie schwerwiegend sein. Es handelt sich meist um Autoimmunreaktionen, die gegen Darm, Leber, Hirnanhangsdrüse oder die Haut gerichtet sein können. Besonders unangenehm sind Darmentzündungen, die mit Durchfällen einhergehen. Bei nicht rechtzeitiger und adäquater Behandlung kann dabei der Darm schlimmstenfalls sogar durchbrechen. Diese unerwünschten Reaktionen müssen mit immununterdrückenden Medikamenten, meist mit hohen Kortisondosen, behandelt werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade die gefürchteten Durchfälle bei den neuen Wirkstoffen deutlich seltener auftreten.

Auch wir freuen uns mit den Patienten, die so gut auf die Therapie angesprochen haben, dass sie auf lange Sicht keine Medikamente mehr brauchen. Der Tumor bleibt stabil, oder er ist sogar nicht mehr messbar. Wir haben einen unglaublich positiven Eindruck von den Wirkstoffen. Wir konnten wirklich Menschen helfen, für die wir vorher nichts mehr hätten tun können.

Muss man die Medikamente auf Dauer nehmen?

Berking: Das weiß man noch nicht genau. Die Therapie mit dem ersten zugelassenen Wirkstoff Ipilimumab ist auf vier Infusionen im Abstand von drei Wochen ausgelegt. Die beiden neuen Wirkstoffe mit den Namen Pembrolizumab und Nivolumab werden dauerhaft alle drei bzw. zwei Wochen gegeben. Bei guter Verträglichkeit und Wirkung sogar über Jahre. Aber ob das wirklich nötig sein wird, wissen wir noch nicht. Dazu gibt es noch keine Studien.

Gerade der schwarze Hautkrebs gilt als sehr aggressiv, warum spricht er so gut auf die Immuntherapie an?

Berking: Man wusste schon früh, dass beim Hautkrebs das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Man hat sogar beobachtet, dass T-Zellen in die Tumoren einwandern. Sie können dort nur leider oftmals nichts ausrichten. Die Forschung hat herausgefunden, was die T-Zellen in ihrer Arbeit blockiert. Nun werden sie wieder in die Lage versetzt, ihre Arbeit zu tun. Und dieses Therapieprinzip, das Immunsystem wieder aufzuwecken, lässt sich für andere Tumorarten wiederholen. Allerdings ist das nicht ganz einfach. Denn obwohl sich die Abwehrmechanismen der verschiedenen Tumore ähneln, können sie doch auf verschiedenen Genmutationen beruhen. Dazu muss man wissen, dass sich ein Melanom z. B. deutlich von einer Darmkrebszelle unterscheidet. Und nicht mal gleiche Tumorarten sind gleich, so gibt es z.B. ganz verschiedene Arten von Brustkrebs. Es laufen gerade Studien mit Immuntherapien zu rund 30 verschiedenen Krebsarten. Auch bei Lungenkrebs hat man vielversprechende Erfolge, dort wird wohl das nächste Medikament zugelassen werden. Bei der Therapie von Lymphomen bin ich ebenfalls zuversichtlich.

Die Expertin

Prof. Dr. Carola Berking ist Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Uni München.

Statistik

In Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs und rund 220.000 Menschen sterben an ihrer Krebserkrankung (Zahlen von 2010). Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate (aller Krebsarten zusammen) beträgt 67 Prozent bei Frauen und ­61 Prozent bei Männern.

Tödliches Versteckspiel

Tumorzellen entstehen aus körpereigenem Gewebe, sie sind also niemals so fremd wie Bakterien oder Viren und machen es dem Immunsystem daher von Anfang an schwer, sie zu entdecken. Dennoch geht man davon aus, so die Professorin Carola Berking, dass im Körper ständig neue Tumorzellen erkannt und eliminiert werden. Dieser Vorgang heißt in der Fachsprache Eliminierungsphase und ist die erste von drei Phasen der Tumorentstehung. Mit der Zeit nämlich gehen bei den veränderten Zellen immer mehr auffällige Eigenschaften verloren. Irgendwann gelingt es den Zellen des Immunsystems nicht mehr, diese Krebszellen vollständig aufzuspüren und zu beseitigen. Einige bleiben bestehen und teilen sich weiterhin. In einem Ausleseprozess bleiben immer mehr Zellen mit Eigenschaften übrig, die sie für das Immunsystem unsichtbar machen. In der dritten Phase ist dann der Zustand erreicht, in dem die Tumorzelle praktisch unsichtbar geworden ist: Sie ist dem Immunsystem entkommen und kann nun ungehindert ­wachsen.

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