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Prof. Georg E. Vogel (links; hier bei einer früheren Untersuchung seines Patienten Peter Behrends) weiß: „Allein durch Händewaschen lassen sich Millionen Keime abtöten!

Neue Medizinserie: Immun-Abwehr, Training, Ernährung

Ihr Schutzschirm für Herbst & Winter

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München - Willkommen in der dunklen und kalten Jahreszeit – spätestens seit dem Wochenende hat sie auch offiziell begonnen! In der neuen tz-Medizinserie erklären Ärzte, wie Sie Ihren Körper herbst- und winterfest machen, praktisch einen Schutzschirm aufspannen.

Die Uhren sind wieder um eine Stunde zurückgedreht worden, die Sonne geht jetzt schon gegen 17 Uhr unter. Tagsüber ist es zwar noch recht mild, aber gerade in der Früh und am Abend klettert die Temperatur nicht mehr allzuweit über den Gefrierpunkt. Wenn dann noch Regen, Nebel und Wind dazukommen, kann es richtig ungemütlich werden.

Äußere Bedingungen, die Körper und Geist besondere Belastungen aufbürden: Husten und Schnupfen liegen in der Luft, das Herz-Kreislauf-System hat mehr Stress. Die Psyche leidet oft unter Lichtmangel, macht uns anfälliger für Stimmungstiefs. Der Antrieb zu sporteln lässt nach, Süßigkeiten auf dem Sofa im warmen Wohnzimmer werden (noch) verlockender als ein Salat nach dem Joggen. Am Ende schwächeln die allgemeine Fitness und die schützende Muskulatur, Rückenschmerzen sind eine mögliche Folge. Was kann man selbst tun, um vorzubeugen; und was sollte man lassen, um das persönliche Risiko zu minimieren? In der neuen tz-Medizinserie erklären Ärzte, wie Sie Ihren Körper herbst- und winterfest machen, praktisch einen Schutzschirm aufspannen. Zum Auftakt in die Erkältungssaison gibt Professor Dr. Georg E. Vogel Tipps zur Stärkung des Immunsystems.

Wir können sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen, aber sie bahnen sich unter anderem durch die Nase ihren Weg in den Körper. „Es gibt allein rund 200 verschiedene Erkältungsviren, die in den Atemwegen unter anderem die schützende Schleimhautoberfläche schädigen. Im Zusammenspiel mit Bakterien sind sie besonders gefährlich“, weiß der erfahrene Münchner Internist Professor Dr. Georg E. Vogel. Gegen solche Infekte gibt es zwar keinen hundertprozentigen Schutz, aber man kann seinen Körper für den Kampf gegen die Bazillen praktisch hochrüsten. Hier Vogels (Vorbeuge)-Tipps im tz-Überblick.

Lassen Sie sich unbedingt gegen Grippe impfen! Zwar gab es im vergangenen Winter Probleme mit dem Impfstoff; er hat nicht bei allen Patienten so gewirkt, wie es sich die Spezialisten erhofft hatten. „Die Grippeviren verändern sich ständig. Für die Impfstoff-Entwickler bedeuten diese Mutationen eine enorme Herausforderung“, weiß Vogel. Trotzdem rät der Nymphenburger Mediziner und erfahrene Influenza-Spezialist seinen Patienten dringend dazu, sich auch heuer wieder gegen die echte Virusgrippe impfen zu lassen – insbesondere Senioren, Patienten mit Vorerkrankungen etwa am Herzen, Schwangeren und Kindern sowie Menschen, die in Risikoberufen mit besonderer Ansteckungsgefahr arbeiten.

„Dieser kleine Piekser in den Oberarm ist nach wie vor eine der wichtigsten Investitionen in die Gesundheit. Denn selbst wenn die Impfung nicht in allen Fällen den Ausbruch der Influenza verhindern kann, so mildert sie doch zumindest häufig ihren Verlauf und schützt auch gegen eine Ansteckung mit anderen Virustypen“, erklärt Professor Vogel.

Zudem birgt die Influenza neben ihren Symptomen eine weitere tückische Gefahr. „In manchen Fällen siedeln sich neben den Viren obendrein Bakterien im geschwächten Körper an“, erklärt Professor Vogel. Mediziner sprechen in diesen Fällen von einer heiklen Superinfektion. Sie kann sehr gefährlich werden, beispielsweise eine Lungenentzündung verursachen.

Für die Grippe-Impfung müssen Patienten in aller Regel nichts selbst bezahlen – egal, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind. In Deutschland übernehmen derzeit mehr als 100 Krankenkassen die Kosten. Der Arzt spritzt den Wirkstoff in der Regel in den Oberarm, die Wirkung hält etwa ein Jahr an. Die Belastung für den Patienten sei minimal, das Impfverfahren gut erprobt und sehr sicher, betont Professor Vogel. „Außer geringen äußerlichen Reaktionen wie Hautrötungen haben wir noch nie größere Komplikationen gehabt.“

Häufiges Händewaschen hilft

Gewöhnen Sie sich häufiges Händewaschen an! „Wir haben die Ansteckungsgefahr im wahrsten Sinne des Wortes direkt in den Fingern“, betont Professor Vogel. „Denn auf der Haut unserer Hände können sich bis zu etwa 200 Millionen Keime ansiedeln. Über 90 Prozent davon lassen sich durch gründliches und regelmäßiges Händewaschen mit gewöhnlicher Seife abtöten.“

Stecken Sie sich Hygienetücher in die Hosentasche! „Unterwegs, wenn man sich nicht ganz so oft die Hände waschen kann, sind solche Tücher sehr hilfreich: etwa dann, wenn man vielen Menschen die Hände schüttelt“, rät Professor Vogel.

Hüten Sie sich vorm Open-Window-Effekt nach dem Sporteln, halten Sie Erholungsphasen ein! Aus dem Englischen übersetzt bedeutet der Begriff open window offenes Fenster. „Damit wird die Phase bezeichnet, in der unser Körper anfälliger für Infektionen ist“, erklärt Professor Vogel. „Denn nach einer größeren sportlichen Belastung ist das Immunsystem geschwächt und braucht einige Zeit, um sich zu erholen. Diese Phase kann zwischen drei und 72 Stunden andauern. Man sollte sich währenddessen schonen und körperlich vom Gas gehen“, warnt der Internist. Wer das nicht tut, der erhöht gerade in der Erkältungssaison sein Infektrisiko massiv. Dazu kommt: Bereits im Körper vorhandene Viren oder Bakterien können leichter in den Herzmuskel wandern und sich dort ansiedeln. Prof. Vogel: „Das kann zu einer schleichenden Herzmuskelentzündung oder sogar zum plötzlichen Herztod führen.“

Die besten Tipps für ihr Immunsystem

Achten Sie darauf, dass Ihr Immunsystem mit genügend Vi­taminen und Spurenelementen ernährt wird – vor allem mit Vitamin D und mit Zink! „Letzteres spielt bei der Stärkung des körpereigenen Schutzschildes gegen Viren und Bakterien eine zentrale Rolle. Es stimuliert nämlich natürliche Fresszellen dazu, Krankheitserreger zu vertilgen“, erläutert Professor Vogel.

Natürliche Zinklieferanten sind unter anderem Edamer Käse, Weizenkleie, Haferflocken, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Kalbsleber und Rinderfilet. Es gibt das Spurenelement aber auch in Form von Tabletten oder als Sirup.

Vitamin D, das die Funktion der körpereigenen Abwehrmechanismen fördert, steckt unter anderem in fettem Seefisch wie Lachs, Sardinen oder Hering, aber auch in Champignons, Steinpilzen, Schmelzkäse oder Gouda. Vitamin D in Tablettenform zu schlucken, davon rät der Internist ab. „Das sollte man nur dann machen, wenn bei einer Blutuntersuchung ein Mangel festgestellt worden ist.“ Übrigens: Auch bei einem Spaziergang können Sie Ihr Vitamin-D-Depot auffüllen – der Körper bildet es in gewissem Maße mit Hilfe von Sonneneinstrahlung auf der Haut.

Füttern Sie Ihr Immunsystem mit einer selbst gemachten Biokur! Professor Vogels Tipp: „Rühren Sie einfach Flohsamen aus dem Reformhaus in einen probiotischen Joghurt aus dem Supermarkt. Die Flohsamen sind praktisch aufquellende Kräuterkügelchen, die die Nährstoffe des Joghurts aufnehmen und in den Dünndarm transportieren. Dort sitzen 80 Prozent unserer Immunzellen. Sie werden von den Probiotika – das sind Milchsäurebakterien, Hefepilze und einige andere nützliche Bakterien – ernährt und gestärkt. Eine gute dauerhafte Investition ins Immunsystem.“

Gönnen Sie sich mindestens so viel Schlaf wie im Sommer, damit Ihr Immunsystem über Nacht auftanken kann! „Unser Immunsystem verbraucht viel Energie, nachts füllt es sozusagen durch Ruhe und geringeren Verbrauch seine Akkus wieder auf. Sieben Stunden Schlaf sollten drin sein. Wer regelmäßig weniger schläft, der erkältet sich schneller – gerade jetzt, wenn die Erreger geballter auftauchen als im Sommer!“

Vorsicht bei der Einnahme von Antibiotikum ohne genauere Untersuchung! „Nur eine von zehn Erkältungen wird von Bakterien verursacht, die anderen von Viren. Es gibt übrigens rund 200 verschiedene Typen von Erkältungsviren. Gegen sie können Antibiotika nichts ausrichten“, erklärt Professor Vogel. „Lassen Sie sich von Ihrem Arzt im Zweifelsfall erklären, warum er Ihnen ein Antibiotika verschreibt.“

Erinnern Sie sich selbst immer wieder daran, ausreichend zu trinken! Viele Menschen trinken in der kalten Jahreszeit weniger als im Sommer – allein schon, weil sie weniger Durst haben. „Ein Kardinalfehler, der oft gemacht wird“, weiß Professor Vogel. „Denn unsere Schleimhäute als wichtigste Barriere gegen Krankheitserreger brauchen viel Flüssigkeit, um möglichst belastbar und undurchlässig zu bleiben. 1,5 bis zwei Liter Wasser oder Tee pro Tag sollte man mindestens trinken. Am besten, man stellt sich die Wasserflasche oder Teekanne direkt auf den Schreibtisch beziehungsweise an den Arbeitsplatz, dadurch wird man immer wieder ans Trinken erinnert.“

Fahren Sie heftig erkältet lieber nicht mit dem Auto! „Schwere Erkältungen können die Reaktionszeit um bis zu elf Prozent verringern“, erläutert Professor Vogel in seinem Buch Unser Immunsystem (Trias-Verlag; ISBN 978-3-8304-3555-6). „Damit wird die Fahrtüchtigkeit so vermindert, als hätte man 0,5 bis 0,65 Promille Alkohol im Blut. Außerdem verlängert sich durch zwei Sekunden Unaufmerksamkeit bei Tempo 50 der Bremsweg um zusätzlich knapp 30 Meter. Diese Zeit kann bei starkem Niesreiz und Niesen leicht erreicht werden.“

Andreas Beez

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