+
Das Kreuz mit dem Knie: immer mehr Schmerzen, auch im Ruhezustand, und gleichzeitig immer weniger Bewegungsspielraum.

Ratgeber zum Chirurgen-Kongress

Neues Knie: Die 28 wichtigsten Infos für Patienten

  • schließen

Der große Gelenkersatz-Ratgeber zum Münchner Chirurgen-Kongress: Alle Infos über den richtigen Zeitpunkt der OP, den Eingriff selbst sowie die Vor- und Nachteile der Prothesentypen.

München - Allein in Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an Arthrose - eine Volkskrankheit, die den Betroffenen immer mehr von ihrer Lebensqualität raubt. Wenn der schleichende Verschleißprozess in den Gelenken erst mal ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, dann haben die Patienten fast rund um die Uhr mit Schmerzen zu kämpfen, auch im Ruhezustand und vor allem nachts. In vielen Fällen werden die Beschwerden so stark, dass an einen erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken ist.

Das große Problem dabei: Bis heute gilt Arthrose als unheilbar, Medikamente und bestimmte Therapien können allenfalls den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und ihre Symptome lindern. Als letzter Ausweg aus der Schmerzhölle bleibt nur noch eine Prothese. Besonders häufig lassen sich Arthrosepatienten künstliche Hüft- und Kniegelenke einsetzen. Aber obwohl die OP - in den Händen eines erfahrenen Operateurs - inzwischen als Routine-Eingriff gilt, sind noch immer viele Patienten verunsichert: Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Prothese gekommen? Was sollte man berücksichtigen, bevor man sich unters Messer legt, und was kommt im Alltag auf einen zu? Antworten auf alle wichtigen Fragen liefert unser großer Gelenkersatz-Ratgeber. Hier erfahren Sie, was Sie über ein neues Knie wissen müssen.

Die Ursachen

1. Was sind die häufigsten Gründe fürs Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks?

„In den allermeisten Fällen leiden die Patienten an Arthrose. Der Fachbegriff lautet Gonarthrose“, erläutert Professor Dr. Volkmar Jansson. Dabei nutzt sich der Knorpel zunehmend ab, und der Gelenkspalt verringert sich immer mehr – solange, bis Knochen auf Knochen reibt. Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich knöcherne Anbauten bzw. Höckerchen, sogenannte Osteophyten. Im Gelenk entsteht ein dauerhafter Reizzustand. Dieser mechnische Entzündungsprozess verursacht immer größere Schmerzen. Häufig wird die Entstehung der Gonarthrose durch Vorschädigungen befeuert, etwa Kreuzbandrisse, größere Meniskusverletzungen oder Überbelastungen durch Fehlstellungen der Beinachse (starke O- oder X-Beine).

2. Welche Besonderheiten gilt es bei Gonarthrose zu beachten?

Bei Gonarthrose unterteilen die Mediziner das Knie in drei Gelenk- bzw. Schadenszonen. Sie werden in der Fachsprache Kompartimente genannt: hinter der Kniescheibe (retropatellar) sowie auf der Innen- und Außenseite, jeweils zwischen Oberschenkel- und Schienbeinknochen. Wenn nur die Innen- oder die Außenseite betroffen ist, spricht der Arzt von einer unikondylären Gonarthrose, bei beidseitiger Schädigung von bikondylärer Gonarthrose. Die Bezeichnung leitet sich vom Fachbegriff Kondylen (auf Deutsch: Knorren) ab. Das sind knöcherne Vorsprünge, jeweils am Ende von Oberschenkel- und Unterschenkelknochen. „Man kann sie sich wie eine Art Höcker oder Rollen vorstellen“, erklärt Jansson.

Die Diagnose

3. Warum sprechen die Ärzte von einer Endoprothesen?

Als Endoprothesen bezeichnet man Implantate (künstliche Ersatzteile), die dauerhaft im Körper verbleiben, die Endung „endo“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „innen“.

4. Was bedeuten Knie-TEP und Oberflächenersatz-Prothese?

Manchmal ist auch von einer Knie-TEP die Rede. Die Abkürzung TEP steht für totale Endoprothese. Dabei wird das komplette Kniegelenk ersetzt – genauer gesagt die Knochen­oberflächen. Davon leitet sich der Begriff Oberflächenersatz-Prothese ab, der ebenfalls häufig verwendet wird (mehr dazu unter den Punkten 7 bis 9).

5. Welche Untersuchungen sind nötig, um das Ausmaß der Arthrose festzustellen?

Der Arzt befragt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden, untersucht ihn dann mit seinen Händen – der Fachbegriff dafür lautet klinische Untersuchung. Dabei prüft er unter anderem, wie beweglich und stabil das Kniegelenk noch ist, und bei welchen Bewegungsmustern Schmerzen auftreten. Grundsätzlich wird ein Röntgenbild gemacht, manchmal kann ergänzend auch eine Kernspin- oder Computertomografie sinnvoll sein.

Zeitpunkt der OP

6. Woran merkt der Patient, dass der Zeitpunk für ein neues Knie gekommen ist?

Je später man sich ein künstliches Gelenk einsetzen lässt, umso besser – es sei denn, die Knochen nehmen bereits massiv Schaden. „Außerdem spielen bei einem künstlichen Kniegelenk die Achsen und die Stabilität der Bänder eine entscheidende Rolle“, betont Jansson. „Insbesondere können ein starkes X-Bein und eine ausgeprägte Bandinstabilität dazu führen, dass man keine kleinen Gelenke mehr verwenden kann. Beim künstlichen Kniegelenk gilt aber die Regel: Je kleiner das Gelenk gewählt werden kann, desto besser ist dessen Funktion. Die besten Ergebnisse werden mit dem sogenannten Halbschlitten erzielt. Daher ist der richtige Operationszeitpunkt schwieriger zu bestimmen als bei dem Hüftgelenkersatz.“ Das wichtigste Entscheidungsmerkmal aber – Ärzte sprechen von einer Hauptindikation – ist der Schmerz. „Wenn der Patient auf Dauer größere Mengen an Schmerzmitteln braucht, um die Beschwerden auszuhalten, dann sollte er über eine Endprothese nachdenken“, sagt Jansson. Bei stark fortgeschrittener Gonarthrose treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf, etwa nachts im Bett. Die Betroffenen können kaum noch laufen, die bewältigten Gehstrecken werden immer kürzer.

Vorbereitung

7. Wie ist ein künstliches Knie aufgebaut?

Wie der Name Oberflächenersatz-Prothese schon vermuten lässt, werden die defekten Gelenkanteile entfernt und die darunterliegenden Knochen praktisch überkront – und zwar mit Metallteilen. Je ein sogenannter Prothesen-Anteil wird im Oberschenkel- und im Unterschenkelknochen verankert. Dazwischen befindet sich ein Inlay aus einem Kunststoff namens Polyethylen.

8. Welche unterschiedlichen Modelltypen gibt es?

Im Wesentlichen verwenden die Operateure drei verschiedene Typen. In etwa 80 Prozent der Fälle kommen klassische Oberflächenersatz-Prothesen zum Einsatz. Etwa 15 Prozent der Patienten werden mit einer sogenannten unikondylären Schlittenprothese versorgt, verkürzt auch Hemischlitten oder Halbschlitten genannt. Dabei wird nur eine Gelenkseite ersetzt – entweder innen oder außen. Vergleichsweise selten verwenden die Ärzte (teil-)gekoppelte Knieprothesen. „Die Oberschenkel- und Unterschenkelanteile werdem mit wesentlich längeren Schaften in den entkernten Knochen verankert und etwa auf Höhe der Kniescheibe miteinander verbunden. So entsteht praktisch ein geführtes künstliches Kniegelenk“, erklärt Prof. Jansson.

9. Welches Modell eignet sich für welche Patienten?

Wenn die Gonarthrose auf einen Gelenkanteil beschränkt ist, kommt eine unikondyläre Schlittenprothese in Betracht. Voraussetzung ist allerdings zusätzlich, dass die Kreuzbänder noch erhalten und die Seitenbänder stabil sind. „Außerdem darf der Patient kein extremes X- oder O-Bein haben“, erläutert Jansson. Die Schlittenprothese wird in den allermeisten Fällen minimalinvasiv eingebaut – das bedeutet: Dem Operateur reicht ein etwa acht Zentimeter langer Hautschnitt als Zugang aus. Bänder und Muskeln bleiben unverändert, die Reha ist kürzer als bei einem kompletten Oberflächenersatz. Allerdings ist die sogenannte Revisionsrate mit etwa fünf Prozent (gelockerte Prothesen nicht eingerechnet) höher als bei der TEP. Revision bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Schlitten wieder ausgebaut und ersetzt wird – dann in der Regel mit einem kompletten Oberflächenersatz. Der komplette Oberflächenersatz, auch bicondylärer Schlitten oder Doppelschlitten genannt, ist nach wie vor Standard bei den meisten Gelenkersatz-OPs am Knie. In diesen Fällen hat die Arthrose bereits das gesamte Kniegelenk geschädigt. Wie beim Hemischlitten auch können die Metallteile entweder im Knochen verklemmt (Fachbegriff: Press-Fit-Verfahren) oder mit Knochenzement befestigt werden. Das vordere Kreuzband wird entfernt, in manchen Fällen auch das hintere. Die Seitenbänder werden an das künstliche Kniegelenk angepasst. Bei Patienten mit sehr laxen Bändern oder auch nach Prothesenlockerungen kann eine (teil-)gekoppelte Prothese neue Stabilität bieten.

10. Wie weit sind Ärzte-Knowhow und Technik bei der Knie-TEP inzwischen fortgeschritten?

Das Knie ist von Natur aus leider kein einfaches Schanier-Gelenk, auf das sehr vielschichte Belastungen einwirken. „Das Bewegungsmuster beim Abbiegen des Kniegelenkes ist komplex, das Knie rotiert um mehrere Achsen, gleichzeitig schiebt der Unterschenkel auf der äußeren Seite ein wenig nach vorn“, erläutert Jansson. Trotz dieser Herausforderungen ist der Gelenkersatz am Knie längst zur Erfolgsgeschichte geworden. „Allerdings ist noch viel zu tun“, merkt Jansson an. „Aus Befragungen und Studien wissen wir, dass nur 80 Prozent der Patienten mit ihrer Knie-TEP wirklich zufrieden sind, 10 Prozent bewerten ihre Situation als unverändert, und weitere 10 Prozent kommen schlechter zurecht als vor der OP“, berichtet Prof. Jansson. „Die besseren Ergebnisse liefert nach wie vor die zementierte Knie-TEP.“

Operation

11. Wie lange dauert die Operation?

Etwa eine bis eineinhalb Stunden.

12. Welche Narkoseverfahren sind möglich?

Meistens wird der Eingriff in Vollnarkose vorgenommen. Es ist aber auch eine Spinalanästhesie möglich. Dabei sind die Patienten ansprechbar, aber unterhalb des Rumpfs betäubt.

13. Welche Komplikationen sind möglich?

Neben den allgemeinen Operationsrisiken ist ein Infekt besonders gefürchtet. Das große Problem dabei: Bestimmte Keime können sich auf den Oberflächen der Implantate ansiedeln und dort einen sogenannten Biofilm bilden, der sie unangreifbar für Antibiotika macht. Allerdings liegt dieses Risiko für ansonsten gesunde Patienten statistisch gesehen bei unterm einem Prozent. Es kann jedoch auf bis zu drei Prozent steigen, wenn bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes vorliegen. Infekte werden unter anderem mit Medikamenten und Gelenkspülungen behandelt. „Ganz wichtig ist es, dass man sie so früh wie möglich entdeckt“, erläutert der erfahrene Endoprothetiker. „Dann liegt die Chance, dass man das Problem wieder in den Griff bekommt, bei 90 bis 95 Prozent. Als grobe Richtschnur lässt sich sagen: Wenn die Behandlung des Infekts innerhalb von zwei Wochen beginnt, können die Implantate in der Regel im Körper verbleiben. Sind zwei Wochen überschritten, steigt die Wahrhscheinlichkeit, dass man die Prothese wieder ausbauen und durch eine keimfreie ersetzen muss, massiv an.“ Manche Patienten beschreiben nach dem Einsetzen der Knie-TEP eine Art „Fremdgefühl“. „Um dies zu vermeiden, muss die Prothese so exakt wie möglich geplant und eingebaut werden. Dabei gilt: Je kleiner das Gelenk, desto größer die Herausforderung“, betont Jansson.

Nachbehandlung

14. Wie läuft die Nachbehandlung ab?

Der Patient bekommt Schmerzmittel, manchmal auch einen Schmerzkatheter – das ist ein Schläuchlein, der Betäubungs- und Schmerzmittel direkt ans operierte Knie transportiert. Die Physiotherapie beginnt praktisch direkt nach der OP: Der Patient kann in der Regel bereits am Abend danach oder am nächsten Tag erste Schritte machen – mit Gehstützen und in Begleitung eines Physiotherapeuten.

15. Wie lange muss der Patient auf Krücken laufen?

„Theoretisch wären die Implantate sofort vollbelastbar“, berichtet Jansson. „Aber damit die Wunde gut heilen kann, geht der Patient zwei Wochen lang auf Gehstützen. Das Bein wird ungefähr mit dem halben Körpergewicht belastet.“ Meist wird das Bein zusätzlich in eine motorisierte Schiene gelegt, um die Beweglichkeit zu fördern.

16. Wie lange muss der Patient im Krankenhaus bleiben?

Etwa sieben bis 10 Tage.

17. Wie geht es nach dem Klinikaufenthalt weiter?

„Wir empfehlen eine dreiwöchige stationäre Anschlussheilbehandlung“, sagt Jansson, der Volksmund spricht von einer Reha. In der Regel kann sich der Patient seine Reha-Klinik selbst aussuchen, oft helfen Mitarbeiter der OP-Klinik, der sogenannte Sozialdienst, bei der Suche.

18. Welche Nachuntersuchungen sind erforderlich?

Die erste erfolgt direkt nach der OP, dann nach der Reha und ein Jahr nach dem Eingriff. Anschließend sollte sich der Patient alle zwei Jahre zur Kontrolle beim Arzt vorstellen, ab dem zehnten Jahr wird dies besonders wichtig. „Dadurch kann man frühzeitig erkennen, wenn sich eine Lockerung der Prothese anbahnt, und das Problem oft mit vergleichsweise geringem Aufwand beheben“, erläutert Jansson.

Alltag

19. Worauf muss man im Alltag achten?

Grundsätzlich halten die Implantate genauso viel aus wie der gesunde Knochen. Das gilt auch beim Stolpern oder beim Sturz. „Allerdings sind dauerhaft hohe Belastungen zu vermeiden, da dieses den Implantatverschleiß begünstigen. Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk sollten längeres Abwärtsgehen, vor allem beim Treppensteigen, vermeiden.“ Druckmessungen haben ergeben, dass beim Treppabgehen das Vierfache des Körpergewichts aufs Knie einwirkt, beim Stolpern sogar das Neunfache. „Bei diesen Belastungen kann es insbesondere bei Patienten mit Osteoporose zu Knochenbrüchen um die Prothese kommen“, warnt Jansson. Deshalb sollten ältere Patienten regelmäßig ihre Knochendichte messen lassen. Osteoporose ist der Fachbegriff für Knochenschwund. Dabei nimmt die Stabilität der Knochen massiv ab.

20. Wann darf der Patient wieder Sport treiben?

Wenn das künstliche Gelenk zementfrei eingesetzt worden ist, muss es zunächst in den Knochen einwachsen. Zudem müssen sich die Weichteile wie Sehnen und Bänder an die neue Situation anpassen. Deshalb braucht der Patient etwa drei bis sechs Monate Geduld. Die Dauer der Sportpause hängt auch von der Sportart und den Fortschritten beim Muskelaufbau ab. So ist leichtes Radeln auf dem Hometrainer oft schon in der Reha wieder möglich.

21. Welche Sportarten sind mit einem neuen Knie sinnvoll?

Allgemein gilt: „Trainieren Sie regelmäßig, aber in Maßen“, rät Jansson. Gut geeignet sind Schwimmen, Radlfahren – am besten mit hochgestelltem Sattel – und Einheiten auf einem Crosstrainer, die Bewegungen wie beim Skilanglauf simulieren. Solide Crosstrainer gibt’s ab circa 800 Euro. Beim Wandern gilt: „Grundsätzlich ist die Belastung mit dem zweifachen des Körpergewichts vertretbar, aber bergab sollte man nach Möglichkeit die Seilbahn nehmen“, so Jansson. Wer vor seiner Knie-OP bereits routiniert Ski gefahren ist, der kann auch hinterher wieder die Brettl anschnallen. Allerdings sollte er moderat fahren, das heißt: auf nicht zu steilen, wenig eisigen Pisten, mit weiten Schwüngen und mäßigem Tempo.

22. Welche Sportarten sind ungeeignet?

Skifahrer sollten Buckelpisten meiden und nicht zu intensiv carven, das Skifahren mit einer Knieprothese erst zu lernen, macht wenig Sinn. Joggen sollte Tabu sein – vor allem wegen der hohen Stoßbelastung, die bei jedem Schritt das Fünffache des Körpergewichts betragen kann, bei Ballsportarten wie Tennis oder Squash sogar das Neunfache. Gleiches gilt für Mannschaftsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball sowie für Kampfsportarten wie Karate oder Judo.

Lebensdauer

23. Wie lange hält das neue Knie?

„Die durchschnittliche Standzeit beträgt 15 Jahre“, sagt Jansson. Als Standzeit bezeichnen Mediziner die Lebensdauer des Implantats – genauer gesagt die Zeitspanne, bis sich die Ersatzteile aus ihrer Verankerung im Knochen zu lockern beginnen. Es gibt allerdings auch viele Patienten, die wesentlich länger als 15 Jahre mit ihrem neuen Knie zurechtkommen.

24. Wie kommt es zu einer Lockerung der Prothese?

Durch Verschleiß. Hauptursache ist der Abrieb des Kunststoffinlays. „Bei älteren Polyethyleninlays werden pro Schritt bis zu einer halben Million winzige Polyethylenpartikel freigesetzt“, erklärt Jansson, der nicht nur Mediziner, sondern auch Diplomingenieur ist. „Diese Partikel führen durch eine Entzündungsreaktion zum Knochenschwund und zur Lockerung. Allerdings konnten aufgrund intensiver Forschung die Materialen in den letzten Jahren deutlich verbessert und verschleißfester gemacht werden.“

25. Wie bemerkt der Patient Anzeichen für eine Lockerung der Prothese?

„Leider bemerkt der Patient die Lockerung erst dann, wenn sich das Implantat soweit gelockert hat, dass es sich im Knochen bewegt. Dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen“, sagt Jansson. Der Patient hat dann in der Regel wieder Schmerzen – vor allem unter Belastung, also beispielsweise beim Sporteln oder auch bereits beim Gehen.

26. Wie kann der Arzt eine Lockerung feststellen?

Dazu reicht in den meisten Fällen ein Röntgenbild. Manchmal ist auch eine Knochen-Szintigraphie nötig. Das ist eine bildgebende Spezialuntersuchung, die ähnlich abläuft wie eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) in der „Röhre“.

27. Wie geht der Arzt vor, wenn sich die Prothese gelockert hat?

„Oft ist entweder der Oberschenkel- oder der Unterschenkelanteilgelockert. Nur der gelockerte Anteil wird ausgetauscht“, erklärt Jansson. „Gelockerte Schlittenprothesen können oft durch eine normale Knie-TEP ersetzt werden.“

28. Wie oft lässt sich eine Prothese austauschen?

„Die gewechselte Prothese hält zwar meist nicht mehr so lange wie die erste Prothese“, weiß Jansson. „Aber heutzutage sind auch mehrere Wechsel möglich, manchmal sogar mehr als fünf. Deswegen ist es wichtig, bei der ersten Implantation so knochensparend wie möglich zu verfahren. Es gibt aber bei sehr schlechter Knochenqualität auch die Möglichkeit, den betroffenen Bereich mit Fremdknochen wieder aufzubauen. Dabei handelt es sich um Knochen von Organspendern, die wir hier in Großhadern beispielsweise in einer eigenen Knochenbank vorhalten. Fast immer können wir den Patienten ein Leben im Rollstuhl ersparen.“

Informationen für Patienten aus erster Hand

Treffen Sie Top-Ärzte und holen Sie sich Informationen aus

Prof. Dr. Tim Pohlemann.

erster Hand: Begleitend zu ihrem großen Münchner Chirurgen-Kongress veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) im Pressehaus Bayerstraße eine Patientenveranstaltung. Am

Mittwoch, 15. März

, ab 17 Uhr stehen mehrere renommierte Mediziner Rede und Antwort, darunter auch DGCH-Präsident Prof. Dr. Tim Pohlemann sowie Prof. Dr. Volkmar Jansson zum Thema Gelenkersatz. Außerdem berichtet Prof. Dr. Jens Werner vom Uniklinikum Großhadern über minimalinvasive Bauchchirurgie, etwa bei Krebsleiden, und Privatdozent Dr. Knut Beitzel vom Uniklinikum rechts der Isar erklärt moderne Behandlungsmethoden bei Schultererkrankungen. Die Moderation übernimmt der Großhaderner Urologe und Gesundheitsexperte des Münchner Merkur, Prof. Dr. Christian Stief. 240 Leser haben die Chance, dabei zu sein.

Und so bekommen Sie kostenlose Karten (je zwei pro Person): Rufen Sie einfach bis Montag, 6. März, 24 Uhr, unter der folgenden Telefonnummer an und nennen das Stichwort „Patiententag“: 013 78-80 66 38 (50 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz/Mobilfunkpreise abweichend). Die Leser, die Karten bekommen, werden schriftlich benachrichtigt.

Lesen Sie auch:

Chirurgie-Report: Ersatzteile im Körper – und trotzdem fit

Künstliches Knie: Was Patienten wissen müssen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Diese Wirkung von Aspirin hätten Sie sicher nicht vermutet
Wer Kopfschmerzen hat, greift oftmals zu Aspirin. Doch Forscher haben nun eine neue Wirkung entdeckt: Der Wirkstoff ist auch gut fürs Herz.
Diese Wirkung von Aspirin hätten Sie sicher nicht vermutet
Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Die Krebsneuerkrankungen steigen mit jedem Jahr. Doch manche sind, wenn sie früh erkannt werden, erfolgreich zu behandeln. Achten Sie daher auf folgende Warnzeichen.
Krebserkrankung: Deuten Sie die Warnsignale richtig
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Eine Frau wacht eines Tages auf und kann ihren Mund nicht mehr öffnen. Fünf Jahre lang muss sie durch die Hölle gehen – und erlebt keinen Tag ohne Schmerzen.
Frau kann Mund nicht mehr öffnen - und leidet qualvoll
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund
Er hat ständig Hunger und fühlt sich dennoch immer kurz vorm Verhungern: Der kleine Evan leidet an einem unstillbaren Appetit, der sein Leben zur Hölle macht.
Junge hat ständig Heißhunger - aus einem traurigen Grund

Kommentare