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Sprunggelenke sind häufig bei Sportunfällen betroffen.

Die neuesten Entwicklungen in der Orthopädie

München - tz-Redakteurin Susanne Stockmann sprach mit Professor Dieter Kohn über die neuesten Entwicklungen in der Orthopädie, von der Unfallverhütung bis hin zur Infektionsgefahr der Endoprothesen.

Knapp 400 000 Menschen haben im vergangenen Jahr ein neues Knie bzw. eine neue Hüfte bekommen. Laut Statistischem Bundesamt sind unter den 20 häufigsten Operationen elf aus dem Bereich der Orthopädie. Die Operation ist das Behandlungsinstrument Nummer eins für Orthopäden. Über 12 000 Ärzte und Wissenschaftler treffen sich in dieser Woche in Berlin zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. tz-Redakteurin Susanne Stockmann sprach vorab mit Professor Dieter Kohn, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie in Homburg, über die neuesten Entwicklungen, von der Unfall- verhütung bis hin zur Infektionsgefahr der Endoprothesen.

Die Antwort überrascht. Auf die Frage, auf was er sich beim größten europäischen Orthopäden-Kongress so richtig freue, antwortet Professor Dieter Kohn: „Auf den Vortrag über künstliche Intelligenz.“ Es wird darum gehen, wie Technik in Zukunft hilft, Unfälle zu verhüten – weil sich Autos zum Beispiel selbst bremsen, bevor es zum Crash kommt. Warum das für einen Gelenkspezialisten so wichtig ist? Weil Unfälle das sind, was Knochen und Gelenke am meisten schädigt! Kohn: „Wenn Leistungssportler im Alter von 30 das Gelenk von 70-Jährigen haben, liegt das nicht an der hohen Belastung. Das halten Gelenke aus. Zu schaffen machen ihnen, nicht richtig kurierte Verletzungen.“

Eine Revolution hat das Fachgebiet in den letzten Jahren nicht erlebt: „Es ist eine Evolution, eine Entwicklung in kleinen Schritten.“ Gelenkbeschwerden beginnen mit Knorpelbeschwerden. Die Ärzte werden die neuesten Forschungen diskutieren, ob Stammzellen neuen Knorpel wachsen lassen, oder ob es mit Genveränderungen möglich ist, einen beschädigten Knorpel zu heilen.

Bisher gibt es die traditionellen Maßnahmen wie Krankengymnastik, Wärmeanwendung, Strombehandlung und Schmerz- und Entzüngungshemmende Medikamente. Ziel ist es, die Patienten beweglicher zu machen, damit die empfindliche Knorpelschicht besser mit Gelenkflüssigkeit versorgt wird. Doch alles hilft bestenfalls, den Verfall zu bremsen.

Eine Operation ist immer das letzte Mittel. Dennoch gibt es Kritiker die mahnen, dass sich Deutsche unnötig häufig unters Messer legen. Professor Kohn: „In anderen Ländern wird weniger operiert. Das stimmt. Aber keiner fragt, wie es den Patienten geht, die monatelang oder jahrelang auf Wartelisten für eine Operation stehen.“ Reibt Knochen auf Knochen, leidet der Patient höllische Schmerzen. Wer kaum noch laufen kann, nimmt kaum am Leben teil. „Und Schmerzmittel wirken ja leider nicht auf Dauer“, so der Arzt. Die Lebensqualität ist deutlich eingeschränkt. „Wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist, muss der Arzt gemeinsam mit dem Patienten überlegen. Es geht um die Frage, welche zusätzliche Lebensqualität gewonnen werden kann.“ Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht: „Ich habe rüstige 80-Jährige operiert, die sehr glücklich mit ihrem neuen Knie sind.“ Eine Gelenkprothese hält zehn bis 15 Jahre – bei einer Belastung von fünf Millionen Schritten im Jahr.

Die Prothesen selbst wurden in den letzten 50 Jahren, seit sie das erste Mal in England ausprobiert wurden, besser und stabiler. Aber leider: „Eine Patentlösung gibt es bis heute nicht.“ Es gibt bessere Kunststoffe, Keramik hat einen Vorteil gebracht, während Metallgelenke im Körper nicht so gut funktioniert haben. Kohn: „Metall auf Metall stellt außerordentlich hohe Anforderungen an die Fertigung, und der Metallabrieb im Gelenk ist problematisch.“

Die Operationsmethoden sind abhängig von der Struktur der Knochen. Ist dieser noch elastisch (also jünger), wird das neue Gelenk aus rauer Oberfläche im dafür im Knochen vorbereiteten Bett verklemmt oder verschraubt. Binnen sechs Wochen hat der Knochen es fest umwachsen. Bei älteren Patienten werden die neuen Gelenke einzementiert. Der Knochenzement wird mit Antibiotika versetzt, um die gefürchtete Infektion zu verhindern. Kohn: „Die Gefahr der Infektion ist klein, aber schrecklich.“ Bei etwa einem Prozent der frisch Operierten (rund 3700 pro Jahr) kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Entzündungen, deren Behandlung meist schwierig und langwierig ist: „Bakterien, die sich auf den Oberflächen von Fremdkörpern festgesetzt haben, sind für die körpereigenen Abwehrmechanismen kaum angreifbar. Über neue Ansätze, die Prothesen antibakteriell zu beschichten, wird auch auf diesem Kongress berichtet werden. Für die Zukunft setzt Professor Kohn auf die Entwicklung von Oberflächen, auf denen Bakterien keinen Halt finden. Damit die Gefahr der Infektion ihren Schrecken verliert.

tz

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