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In Oberbayern grassiert derzeit wieder der Norovirus, teils aggressiver als in den Vorjahren.

Aggressiver als in den Vorjahren

Norovirus auf dem Vormarsch

München - Es ist ein tückischer Erreger, der besonders im Winter sein Unwesen treibt: Eine Infektion mit dem Norovirus ist unangenehm. Mit einer durchschnittlichen Magen-Darm-Erkrankung oder einer Grippe hat das Virus, dessen zentrales Symptom der Brechdurchfall ist, wenig zu tun.

Auch in Oberbayern sind wieder neue Norovirus-Fälle gemeldet. In der vergangenen Woche wurden 43 Fälle von Norovirus-Erkrankungen gemeldet. Das teilt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen auf Anfrage mit. Grund zur Besorgnis? Ein aktuelles Beispiel aus dem Landkreis Freising klärt auf.

„Die heutige Anzahl von bekannten Norovirus-Fällen ist nichts Ungewöhnliches. Bis zum 21. Januar verzeichnen wir 22 Fälle und bewegen uns damit im Normalbereich“, sagt Dr. Lorenz Weigl, Direktor der Fachabteilung Gesundheitswesen des Landratsamtes Freising. Im Januar 2013 gab es genau 29 gemeldete Fälle; im Januar 2014 waren es 23 Fälle.

Andere Landkreise in Oberbayern waren oder sind ebenfalls betroffen. Im Dezember 2014 litt speziell der Landkreis Weilheim-Schongau unter dem Norovirus: Allein in Penzberg erkrankten 88 Kinder. In einer Steingadener Einrichtung infizierten sich 19 Personen. Mittlerweile gibt es im Kreis Weilheim allerdings nur noch Einzelfälle, berichtet Dr. Stefan Günther, Sachgebietsleiter der Humanmedizin am Gesundheitsamt.

2015 wurden aus dem Landkreis Altötting bislang nur drei Neuerkrankungen gemeldet; der Landkreis Starnberg meldet dagegen 23 Fälle. „Sicher gibt es aber auch Fälle, die nicht untersucht wurden und deshalb nicht gemeldet wurden“, sagt der Leiter des Starnberger Gesundheitsamtes, Dr. Harald Staszkiewicz. Professor Arnold Trupka vom Klinikum Starnberg berichtet, das Norovirus sei heuer aggressiver als in den Vorjahren. „Die Erkrankungen sind diesmal heftig und lang anhaltend.“

Worin genau liegt das Tückische an diesem Virus? „Das Norovirus ist ein sogenanntes nicht-behülltes Virus. Das macht es so gefährlich“, erklärt Dr. Weigl in Freising. „Nicht-behüllte Viren sind sehr umweltresistent“, so der Mediziner weiter. „Zudem wird das Virus durch die Luft übertragen. In Gemeinschaftseinrichtungen, also zum Beispiel Altenheimen oder auch Kreuzfahrtschiffen, ist eine rasche Ansteckung daher umso häufiger.“

Was ist nun der beste Schutz gegen das hochinfektiöse Virus? „Im Klinikum oder im Altenheim kann es für das Personal angemessen sein, Schutzbekleidung inklusive Schutzbrille zu tragen. Zuhause genügt es, die Regeln der Handhygiene zu beachten und die Toilette ordentlich zu desinfizieren“, rät Dr. Weigl.

Bei Noroviren verlaufen die Spitzen der Erkrankung von Oktober bis März. Bis zum Frühjahr ist also noch Vorsicht vor dem Virus geboten.    

bwi

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