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Eine Lesebrille auf mehreren Büchern.

Was man für bessere Sehkraft tun kann

Operation statt Lesebrille?

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München - Wenn das Auge älter wird, lässt die Sehkraft nach – was man dagegen tun kann. Ist eine Operation ratsamer als eine Lesebrille? Hier lesen Sie die Antwort.

Sie stört beim Sport, beim Wechsel vom Kalten ins Warme: Wer ein Leben lang Brille getragen hat und sich im Alter zusätzlich noch an eine Gleitsichtbrille gewöhnen muss, findet folgende Werbung sehr verlockend: Nie wieder Lesebrille! Eine kleine Operation wie beim Grauen Star, und die schon etwas altersschwache eigene Linse wird gegen eine Multikönnerlinse ausgetauscht. Und auf einmal sieht das Leben anders aus – klarer, unkomplizierter und schärfer.

Die Hersteller der sogenannten Multifokallinsen versprechen gutes Sehen von der Nähe bis in die Ferne. Allerdings muss das Sehen mit diesen Linsen wieder gelernt werden. Denn um drei Bereiche abzudecken, besteht die Linse aus drei Teilen: eine für die Nähe, eine für die Ferne und eine für den Zwischenbereich. Das Auge sieht also ständig drei Bilder und alle drei erreichen gleichzeitig das Gehirn. Man sieht daher immer zwei unscharfe und ein scharfes Bild. Das Gehirn muss nun lernen, die unscharfen Bilder auszublenden. Nicht jedem Menschen gelingt das. Etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten sind unzufrieden, einige lassen die Linsen sogar wieder entfernen und durch Monofokallinsen ersetzen, wie sie auch bei der Operation des Grauen Stars verwendet werden, wenn die Linse aus Altersgründen trüb geworden ist.

Häufige Nebenwirkungen der Multikönnerlinsen sind zudem ein starkes Blendungsempfinden und das Gefühl, wie durch einen Weichzeichner zu schauen, also ein gewisser Verlust an Kontrastschärfe. Kann es also wirklich sinnvoll sein, eine an sich gesunde Linse nur wegen der Altersweitsichtigkeit einfach so auszuwechseln? Dazu sagt Professor Martin Rohrbach von der Augenklinik der Uni Tübingen: „Eine klare Linse würde ich mir niemals herausoperieren lassen, nur um meine Alterssichtigkeit zu beheben. Wenn ein operationswürdiger Grauer Star vorliegt, besteht heute die Möglichkeit, eine sogenannte multifokale Kunstlinse einzusetzen und damit auch die Alterssichtigkeit einigermaßen gut zu beseitigen. Mit so einer Linse kann man dann idealerweise in die Ferne und die Nähe scharf sehen. Probleme gibt es mitunter immer noch im „Zwischenbereich“, also in ca. 70 cm Abstand, was z. B. oft der Computerbereich ist. Die Multifokallinsen sind in den letzten Jahren verbessert worden, haben aber weiterhin gewisse Nachteile. Unter Umständen können sie die Nachtfahrtauglichkeit einschränken. Das ist im Moment noch egal, da es keinen „Augen-TÜV“ gibt. Sollte der Gesetzgeber diesen aber eines Tages einführen und dabei evtl. sogar die Anforderungen an die Nachtfahrtauglichkeit verschärfen, könnte es sein, dass ältere Autofahrer mit multifokalen Linsen ein Problem mit ihrem Führerschein bekommen.

Im Übrigen bin ich kein Freund des Slogans „Nie wieder Brille“. Selbst wenn ein Patient mit einer Kunstlinse ideal versorgt wird, kann es gut sein, dass sich die Brechkraft des Auges mit der Zeit durch Veränderung der Hornhautkrümmung, der Position der Kunstlinse im Auge oder Verflüssigung des Glaskörpers ändert. Das macht nicht viel aus, kann aber dazu führen, dass zum optimalen Sehen doch wieder ein schwaches Brillenglas benötigt wird. Also auch bei „Nie wieder Brille“ sollte man die Alterungsveränderungen des Auges nicht ganz vergessen!“

Generell warnt Dr. Rohrbach vor übertriebenen Erwartungen: „Die Menschen denken oft, die moderne Medizin könnte alles „reparieren“. Aber es ist nun mal so, dass unser Körper im Alter nachlässt. Das müssen wir akzeptieren. Ein Ersatz ist in vielen Fällen möglich. Wir Augenärzte können Linse, Glaskörper und Hornhaut austauschen, und in die Netzhaut können wir jetzt bei bestimmten Erkrankungen, aber nicht bei den altersbedingten Veränderungen, einen Chip einsetzen. Doch wird man mit 100 nie so gut sehen können wie mit 20. Die moderne Medizin hat ihre Grenzen. Ewiges Leben gibt es noch nicht. Das gilt für den Menschen im Ganzen, und im Kleinen auch für das Auge.“

S. Stockmann

Eingriffe immer gut überlegen

Welche Erkrankungen werden im Alter häufiger?

Professor Martin Rohrbach: In der Augenheilkunde haben wir sehr viele Erkrankungen, die eine deutliche Altersassoziation haben. Man geht davon aus, dass im Jahr 2025 bis zu 50 Prozent mehr Patienten zu versorgen sind als heute – einfach nur, weil mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Sehr häufig im Alter sind der Graue Star (Katarakt), die Makuladegeneration, häufig ist auch noch der Grüne Star (Glaukom).

Gibt es neue Entwicklungen bei der Behandlung?

Rohrbach: Es wird sehr viel geforscht in den letzten Jahren. In Deutschland gehört die Operation beim Grauen Star mit bis zu 800 000 Eingriffen jedes Jahr zu den häufigsten überhaupt. Das wird meist ambulant gemacht, und die Ergebnisse sind insgesamt sehr gut. Es gibt aber keine „Erfolgsgarantie“, und je besser man noch sieht, umso genauer sollte man sich überlegen, ob man sich operieren lässt. Das zweite große Thema im Alter ist die Makuladegeneration, bei der Sinneszellen der Netzhaut zugrunde gehen. Gegen die trockene Makuladegeneration können wir bisher kaum etwas tun, außer unter Umständen vergrößernde Sehhilfen anzubieten. Gute Möglichkeiten gibt es bei der feuchten Form, wo es zum Flüssigkeitsaustritt aus schadhaften Blutgefäßen in die Netzhaut kommt. Wir können Medikamente ins Auge spritzen, die die Gefäße zur Rückbildung bringen, so die Makula austrocknen und dadurch das Sehvermögen erhalten können.

Alterskrankheiten des Auges

Hornhaut: 

Geschwüre sind selten, aber die Gefahr steigt mit dem Lebensalter.

Vordere Augenkammer mit Kammerwasser:

Wenn die Linse dicker wird, kann sie die Augenwasserzirkulation behindern, und es kann zu einem akuten Verschluss des Augenwinkels kommen (Glaukom-Anfall) mit schnellem, starkem Anstieg des Augendrucks. Beim häufigeren Glaukom mit offenem Augenwinkel erhöht sich der Innendruck zumeist deutlich weniger stark und deshalb unbemerkt über längere Zeit, sodass der Sehnerv irreparabel geschädigt werden kann.

Augenlinse: 

Die Linse fokussiert den Lichtstrahl, damit er direkt auf die Sinneszellen in der Netzhaut trifft. Mit dem Alter wird die Linse steifer und kann sich nicht mehr so stark krümmen, um nahe Objekte scharf zu stellen. Mit den Jahren trübt sich die Linse zudem ein (Grauer Star).

Zonulafasern: 

Diese elastischen, vom inneren Augenmuskel gehaltenen Fasern fixieren die Linse an ihrem Platz und verändern die Linsenform. Sie helfen so dem Auge beim Scharfsehen. Mit dem Alter verlieren der Muskel und die Linse an Elastizität.

Er füllt als gelartige Masse den Raum zwischen Linse und Netzhaut aus. Er kann altersbedingt schrumpfen und sich verflüssigen, dabei entstehen häufig Trübungen. Eine Abhebung des Glaskörpers von der Netzhaut erhöht das Risiko für eine Netzhautablösung.

Sehnerv: 

Die Horton-Erkrankung ist eine Entzündung der Blutgefäße. Dadurch kann es zu einem Verschluss der kleinen Blutgefäße im Sehnerven und zu einem erheblichen, plötzlichen Sehverlust kommen. Gleiches gilt für den Zentralarterienverschluss, eine akute Durchblutungsstörung der Netzhaut. Bei der Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen, z. B. Bluthochdruck, Einstellung eines Diabetes, geht es dann sehr oft darum, das zweite Auge zu bewahren.

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