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Wird in Deutschland zu viel operiert?

"Es wird zu viel operiert"

OPs: So überreden Ärzte ihre Patienten

München - Ihr Doktor hat gesagt, Sie sollen sich operieren lassen? Fragen Sie besser nochmal genau nach, liebe Patienten! Das rät Ihnen nicht irgendein misstrauischer Laie, sondern ein Chirurg selbst.

Genauer gesagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (= Eingriffe an den Bauchorganen), Prof. Stefan Post: „In Deutschland wird zu viel operiert!“ Schuld sei der wirtschaftliche Druck, dem vor allem die Klinikärzte ausgesetzt seien. So müssten sie oft hohe Fallzahlen von Operationennachweisen. "Ein Chirurg, der von seinem Krankenhausdirektor jeden Tag einen blauen Brief bekommt oder dessen Klinik kurz vor der Pleite steht, der ist nicht frei in seiner Indikationsstellung“, kritisiert Professor Post.

Indikation ist ein Fremdwort, das dem Begriff Heilanzeige entspricht. Konkret bedeutet Indikationsstellung: Der Arzt legt fest, welche medizinische Maßnahme angebracht ist.

Manche Chirurgen wenden zweifelhafte Tricks an, um ihre Patienten zu einer Operation zu überreden. Im wesentlichen nutzen diese Mediziner im Beratungsgespräch die Ängste und Sorgen der Betroffenen aus. Professor Post nannte zwei Beispiele. Diese sollen auch bei einem großen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie erörtert werden, der nächste Woche in München beginnt. Etwa 5500 Ärzte werden in der Neuen Messe erwartet:

Operationen bei Divertikulitis

Dabei handelt es sich um gutartige Ausstülpungen der Dickdarmwand, in denen sich Entzündungen bilden. Sie sind in Deutschland weit verbreitet – und werden viel öfter wegoperiert, als es eigentlich sein müsste. „Vielen Patienten wird gesagt: Wenn Sie sich nicht operieren lassen, brauchen Sie später vielleicht mal einen künstlichen Darmausgang. Da unterschreibt fast jeder die OP-Einverständniserklärung“, weiß Professor Post. „Aber die Tatsache, dass das OP-Risiko genauso groß ist, wird verschwiegen."

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Operationen an der Schilddrüse

 „Wenn der Arzt beim Ultraschall mehrere Knoten entdeckt und sagt, einer davon könnte bösartig sein, stimmt der Patient meistens einer Entfernung zu.“ In Deutschland, so der Experte weiter, „werden jedes Jahr mehr als 100.000 Schilddrüsen operiert. Bezogen auf die Bevölkerung ist die Zahl der OPs drei bis acht Mal höher als in Großbritannien oder in den USA. Doch Deutsche haben nicht mehr Schilddrüsenkrebs als Briten oder Amerikaner.“

Andreas Beez

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