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Osteopathie: Wann sie hilft und wer zahlen muss

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Eine Frau wird am 11.04.2011 in einer Praxis für Osteopathie in Schweinebach (Schwaben) behandelt.
Bei Schwindel und Migräne kann eine osteopathische Behandlung Wirkung zeigen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Osteopathie soll schulmedizinische Behandlungen erfolgreich begleiten. Bei welchen Beschwerden sie hilft und wann die Kasse die Kosten übernimmt. 

Bei Osteopathie scheiden sich die Geister. “Osteopathie wirkt!”, teilt der Verband der Osteopathen Deutschland e. V. (VOD) in einem YouTube-Video mit. Schulmediziner und Forscher hingegen zweifeln an der Wirkung der Methode – weil sie zu wenig erforscht ist.

Was ist Osteopathie?

„Osteopathie ist eine eigenständige, ganzheitliche Form der Medizin, in der Diagnostik und Behandlung mit den Händen erfolgen,“ so der VOD. Ihren Ursprung findet die alternative Heilmethode in den USA. Der amerikanische Landarzt Andrew Taylor Still suchte Ende des 19. Jahrhunderts nach neuen Verfahren, die seinen Patientinnen und Patienten bei bestimmtem Leiden helfen. Bei seinen Forschungen fand er heraus, dass Fehlstellungen im Bewegungsapparat – im Muskel- und Knochensystem – zu Krankheiten führen können. Seine Idee: Behebt man diese Fehlstellungen, erlangt der Körper seine Beweglichkeit zurück. Außerdem werden auch seine Selbstheilungskräfte aktiviert. Etwa dank einer verbesserten Blutversorgung. So gründete Amerikaner die erste Osteopathie-Schule in den USA und prägte den Begriff Osteopathie (aus dem Griechischen: „Osteo“ Knochen und „Pathie“ Krankheit) maßgeblich. 

Im Fokus der Osteopathie steht also der menschlichen Körper als Ganzes, denn er bildet anatomisch gesehen eine Funktionseinheit. 

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Wirkung der Osteopathie: Mit sanften Griffen wieder gesund? 

Osteopathie behandelt – im Gegenteil zur Schulmedizin – nicht die Symptome einer Erkrankung, sondern ihre Ursachen. Der Grundgedanke: Alle Systeme des menschlichen Körpers, vom Bewegungsapparat über das Rückenmark bis hin zu inneren Organe, sind durch feine Gewebenetze (Faszien) miteinander verbunden. Behandelt ein Osteopath das Bindegewebe und die Faszien, die das Organ umgeben, regt es die Durchblutung und die Organfunktion an. Als Folge kann das Organ selbst besser arbeiten.

Sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie nutzen Osteopathen ihre Hände. Sie ertasten Knochen, Bänder und Muskeln, um ihre Veränderungen bzw. Funktionsstörungen zu erkennen. Diese sollen mit bestimmten Griff- und Berührungstechniken behoben werden, um so die körpereigene Regeneration ankurbeln. Dies scheint gar nicht so weit hergeholt zu sein – wenn man bedenkt, dass unser Organismus bereits viele Selbstheilungsmechanismen besitzt. So verschließt beispielsweise gerinnendes Blut eine Wunde und Knochen wachsen nach einem Bruch wieder zusammen.

Jede osteopathische Behandlung verläuft individuell, an die Bedürfnisse eines jeden Patienten angepasst. Darum gibt es auch keinen klassisch definierten Ablauf. Zu beachten ist außerdem: Eine fundierte wissenschaftliche Beweisgrundlage zur Wirksamkeit von Osteopathie gibt es bis heute nicht. Wie das Ärzteblatt berichtet, liegt zwar „(...) für einige Bereiche der osteopathischen Befunderhebung und Therapie sowie für bestimmte Techniken bereits eine relevante Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten (...)“ vor. Den Erfolg osteopathischer Behandlungen bei einer Reihe von Beschwerden beschreiben die Gutachter jedoch mit „können wirksam sein“.

Trotzdem erfreut sich Osteopathie großer Beliebtheit: Laut der VOD lassen sich jährlich mehr als fünf Millionen Menschen osteopathisch behandeln.

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Wann Osteopathie hilft: Anwendungsgebiete und typische Beschwerden

Laut VOD wird Osteopathie in all jenen medizinischen Sektoren angewendet, wo funktionelle Störungen zu Beschwerden führen. Ob im Organ-, Muskel- oder Skelett-Bereich: Sie kann auf allen Gewebe-Ebenen hilfreich sein. Entsprechend breitgefächert ist auch der Behandlungsspektrum – von Arthrose über Verspannungen oder Tinnitus bis hin zur Migräne und zum Kinderwunsch. Das wichtigste Anwendungsgebiet der Osteopathie ist vor allem der Bewegungsapparat. Hier entstehen nämlich zahlreiche schmerzhafte Fehlstellungen – beispielsweise in der Wirbelsäule.

Die Anwendungsgebiete unterscheiden sich zudem je nach der Art der Osteopathie. Diese ist in drei Kategorien unterteilt, abhängig von funktionellen und anatomischen Gegebenheiten:

Allerdings sind alle drei Bereiche innerhalb des ganzheitlichen Denkens der Osteopathie voneinander untrennbar. So muss ein Therapeut sie alle beherrschen – um dem einheitlichen Ansatz Folge zu leisten.

Osteopathie kann bei allen Altersgruppen angewendet werden, auch bei Kindern und Babys. Ob sie begleitend zu anderen medizinischen Behandlungen oder als eigenständige Therapie eingesetzt wird, kommt auf das individuelle Krankheitsbild an. Schwere Verletzungen wie Knochenbrüche oder Wunden sowie psychische Probleme sind jedoch kein Fall für die Osteopathie und müssen von Schulmedizinern behandelt werden.

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Osteopathie: Was eine Behandlung kostet und wann die Kasse zahlt

Als Abrechnungsbasis dienen Ärzten und Heilpraktikern die sogenannten berufsständischen Gebührenordnungen. So bleiben die Osteopathie-Kosten transparent und liegen zwischen 60 und 150 Euro. Mittlerweile erstatten etwa 100 gesetzliche Krankenkassen diese Kosten anteilig – als freiwillige Zusatzleistung und zu unterschiedlichen Konditionen. Meist sind Maximalbeträge pro Sitzung oder Jahr in den Satzungen festgelegt.

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Osteopathie-Kosten – und zu welchen Konditionen – übernimmt sowie mit welchen Therapeuten sie zusammenarbeitet. Oft muss der behandelnde Therapeut einem osteopathischen Fachverband angehören: Sie können also nicht zu einem x-beliebigen Osteopathen gehen. Text: Olga Krockauer *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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