Beim Patiententag von Münchner Merkur und tz diskutierten Experten mit interessierten Bürgern zum Thema Organspende .

Noch viel Aufklärungsbedarf

Eine Organspende kann Leben retten - doch das Thema wird zu oft verdrängt

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Organspende ist ein heiß diskutiertes Thema – auch bei unserem Patiententag: Rund 150 Gäste kamen am Mittwochabend in die„Alte Rotation“ des Münchner Pressehauses. Sie hatten viele Fragen – und erhielten Antworten von namhaften Experten.

München – Schlank, groß und sportlich: Chantal Bausch, 26, sieht aus wie der Inbegriff von Gesundheit. Sie fühlt sich auch fit, spielt sogar Hockey in der Bundesliga – und das, obwohl sie seit gut dreizehn Jahren mit einem Spenderherz lebt. Also: Mehr als die Hälfte ihres Lebens.

Am Mittwochabend sitzt sie auf dem Podium der „Alten Rotation“ im Münchner Pressehaus. „Ich habe wirklich unfassbares Glück gehabt“, sagt sie. Denn: Ein Fremder schenkte ihr ein neues Leben – indem er Bausch nach dem eigenen Tod sein Herz spendete.

Bausch war noch ein Kind, als sie plötzlich krank wurde. „Mit elf kam ich von jetzt auf gleich nicht mehr die Treppe hoch“, erzählt sie. Eine Herzmuskelentzündung. Die Ursache? Bis heute unklar. Bausch überlebt nur knapp, ihr Herz ist stark geschädigt: Sie braucht ein Spenderorgan. Zunächst bekommt sie aber ein Kunstherz – ein koffergroßer Apparat, der sie am Leben hält. Nach dreieinhalb Monaten ist ein Spenderherz gefunden. „Das ging vergleichsweise schnell.“

Viel zu wenige Organe verfügbar

Die meisten Patienten warten viel länger. Nicht alle überleben. Derzeit hoffen in Deutschland fast 10 000 Schwerkranke auf ein Spenderorgan. Im Schnitt sterben pro Tag drei von ihnen auf der Warteliste. „Die Organspende ist in einer Krise, weil wir viel zu wenige Organe haben“, sagt auch Prof. Matthias Anthuber, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und des Chirurgenkongresses, der am Dienstag in München startet. „Organspende ist eine Herzensangelegenheit für mich.“

Organspende: Ablehnung aus Unwissenheit

Darum soll TV-Moderatorin Dr. Marianne Koch das Podium leiten: Sie ist selbst Medizinerin, kennt sich aus, hat einen Organspendeausweis. Koch, 87, führt souverän durch den Abend. Auch, als die Diskussion mal hitziger wird. „Mein Eindruck ist, dass es ein großes Unwissen der Menschen dazu gibt, wie ihr Körper funktioniert“, sagt sie – und genau diese Unwissenheit hält auch Prof. Eckhard Nagel vom Deutschen Ethikrat für ein großes Problem. Denn: Sie ist der Grund, warum sich so wenige Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und sich vor einer klaren Entscheidung – dafür oder dagegen – drücken. 

Pflicht zur Entscheidung

Darum liege auch der Organspendeausweis bei vielen unausgefüllt daheim, bis er irgendwann vergessen ist. Dabei sei es in einer auf Solidarität gegründeten Gesellschaft eine ethische Pflicht, sich auf eine Option festzulegen. Zumal das sonst andere tun müssen: „Es ist gut, wenn jemand zu Lebzeiten eine Entscheidung getroffen hat, um die Angehörigen zu entlasten“, sagt Dr. Thomas Breidenbach von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Vater entscheidet über Organentnahme seines Sohnes

Als Heiner Röschert seine beiden erwachsenen Kinder verlor, kannte er ihren Willen. Pia, 27, und Felix, 25, starben bei einem Autounfall. Pia war sofort tot. Bei Felix trat der Hirntod in der Klinik ein; dieser ist Voraussetzung jeder Organspende. Der junge Mann hatte einen Organspendeausweis. Als Röschert der Organentnahme zustimmte, war er sich sicher, das Richtige zu tun: „Felix wollte das.

Passend zum Thema: Franka (2) braucht dringend Spenderherz - sonst stirbt sie

Zwei Schlaganfälle, künstliches Koma und ein Kunstherz: Das alles hat die kleine Franka (2) schon überstanden. Trotzdem braucht sie jetzt dringend ein Spenderherz - sonst hat die Kleine keine Chance.

Andrea Eppner

Zum Nachlesen: Alle Beiträge zum Patiententag finden Sie im Internet auf der Seite www.merkur.de/patiententag.

Lesen Sie auch: 

Prof. Eckhard Nagel im Gespräch über Organspende „Der Körper ist kein Ersatzteillager“

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