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Heiner Röscherts gab die Organe seines Sohnes zur Spende frei, so wie Felix das im Spenderausweis bestimmt hatte. Bei Pia war keine Spende mehr möglich.

Pia und Felix starben bei tragischem Verkehrsunfall

Organspende: „Ein Akt der Solidarität“

Heiner Röschert aus Eibelstadt bei Würzburg hat seine beiden Kinder verloren – durch einen tragischen Verkehrsunfall. Die Organe seines toten Sohnes konnten jedoch vier Menschen das Leben retten. Hier schreibt der 63-Jährige, warum er sich für die Organspende stark macht.

München/Würzburg„Meine beiden Kinder Pia (27) und Felix (25) sind vor mehr als sieben Jahren tödlich verunglückt – bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall am Heiligen Abend 2011. Es passierte gegen 1.30 Uhr, meine Kinder waren gerade auf der Heimfahrt von unserem gemeinsamen Weihnachtsabend. Pias Auto wurde auf einer Bundesstraße von zwei Rasern erfasst. Die beiden hatten sich ein Wettrennen geliefert. Mit mehr als 160 km/h raste der erste Wagen von hinten in das Auto meiner Tochter – der Fahrer hatte mehr als zwei Promille im Blut. Pias Auto wurde in den Straßengraben katapultiert, es schleuderte zurück, dann wurde es vom zweiten Wagen erfasst.

Durch die Wucht dieses Aufpralls wurde bei Pia der Hirnstamm durchtrennt. Sie war sofort tot. Rechtsmediziner sprachen später in der Gerichtsverhandlung von einer innerlichen Hinrichtung. Felix wurde mit schwersten Kopfverletzungen in die Uniklinik Würzburg eingeliefert. Als ich auf der Intensivstation eintraf, sagten mir die Ärzte, ich solle mir keine großen Hoffnungen machen. Stunden später war auch mein Sohn tot. Dabei schienen meine beiden Kinder äußerlich unverletzt.

Ich wusste, dass Pia und Felix einen Organspende-Ausweis hatten – daher stimmte ich natürlich bei meinem Sohn der Organentnahme zu. Bei Pia war es dafür zu spät, sie kam als Spenderin nicht mehr infrage, weil sie noch am Unfallort gestorben war.

Felix spendete am zweiten Weihnachtsfeiertag fünf seiner Organe vier Menschen. Diesen Menschen wurden dadurch bislang zusammengerechnet 28 Lebensjahre geschenkt. Es geht allen bis zum heutigen Tag gut, sie können ein relativ normales Leben führen. Einmal pro Jahr bekomme ich eine anonyme Mitteilung, wie es ihnen tatsächlich geht.

Heiner Röscherts Kinder Pia und Felix starben an Heiligabend 2011.

Mein Leben hat sich durch diesen tragischen Unfall völlig verändert. Ich war alleinerziehender Vater. Ende 2014 wurde ich erwerbsunfähig – davor hatte ich lange Zeit in geschäftsführender Position im öffentlichen Dienst gearbeitet.

Nach Abschluss des Strafprozesses gegen die Raser habe ich mich intensiver mit dem Tod befasst. Insbesondere aber mit der Organspende. Ich nahm an mehreren Angehörigen-Treffen bei der Deutschen Stiftung Organspende teil. Im April 2016 gründete ich dann selbst ein Netzwerk für Angehörige von Organspendern.

Seither setzen wir uns dafür ein, dass Organspender mehr Wertschätzung und Würdigung erfahren. Und dass sie in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden. Wir Angehörigen wissen, wie eng der Tod und das Leben, die Hoffnung und Verzweiflung beieinander liegen. Die bewusste Entscheidung zur Organspende ist das größte Zeichen der Menschlichkeit, ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe.

Ich möchte mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit die Gesellschaft mit diesem Thema konfrontieren. Aber auch politisch möchte ich dazu beitragen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Organspende verbessern. Die Erfahrungen von uns Angehörigen sind in der gesellschaftlichen Debatte rund um dieses Thema sicherlich hilfreich.

Jeder Mensch kann von einer Sekunde zur anderen Organspender werden – oder Patient auf der Warteliste für ein lebensrettendes Organ. Ich finde: Die Organspende selbst sollte weder ein politisches, noch ein juristisches Instrument sein. Sie ist ein mutiger, selbstloser Beweis der eigenen, verantwortungsbewussten Menschlichkeit.“

Dokumentation: Barbara Nazarewska

Lesen sie dazu auch: 

Organe retten Leben – Patiententag am 20. März im Münchner Pressehaus

Patiententag: Organe retten Leben

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am 20. März, 17.30 Uhr, im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl jedoch ist begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

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