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Im Notfall vorbereitet: Eine Patientenverfügung ist eine Regieanweisung an die Ärzte.

Vollmacht für den Notfall

Was die Patientenverfügung regelt

Wer sich gesund fühlt, denkt nicht gerne darüber schwere Krankheit oder das Sterben nach. Trotzdem ist eine Patientenverfügung für den Notfall wichtig.

Nur etwa ein Fünftel der Deutschen besitzt eine Patientenverfügung, das belegen repräsentative Umfragen. Dabei wollen die meisten im Ernstfall selbst bestimmen können, was medizinisch unternommen werden soll. Eine Patientenverfügung regelt genau das – selbst wenn man am Lebensende entscheidungsunfähig ist. Jeder sollte ein solches Dokument verfassen, rät Ludger Bornewasser, Fachanwalt bei „Advocatio“ in München und Experte auf diesem Gebiet. Bornewasser wird auch bei der Merkur-Sprechstunde am 14. Oktober (mehr Infos siehe unten) Ihre Fragen beantworten. Nachfolgend ein Gespräch über die wichtigsten Fakten.

Was ist eine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung ist ein Dokument, in dem ich für den Arzt meinen Behandlungswillen für Situationen festlege, in denen ich meinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann. Darin sollte enthalten sein, ob ich eine Heilbehandlung mit allen medizinischen Mitteln möchte. Oder nehme ich keine neuen Schmerzen mehr in Kauf? Möchte ich also lieber eine sofortige Beendigung oder Linderung von Schmerz, Angst, Hunger, Durst? Das wäre die Palliativmedizin.

Vertritt mich meine Frau oder mein Kind nicht automatisch im Fall des Falles?

Nein! Verwandte oder Angehörige haben keine Vertretungsrechte. Ich kann sie ihnen aber mit einer Vorsorgevollmacht gewähren. Der Grund: Das Gesetz geht davon aus, dass wir für uns selber bestimmen und nicht andere für uns bestimmen lassen möchten.

Was passiert, wenn ich keine Patientenverfügung habe?

Dann muss der Mediziner gegebenenfalls mit einem Betreuer oder Vorsorgebevollmächtigten meinen Willen ermitteln. Er muss herausfinden, ob ich in die vorgeschlagene Behandlung einwilligen würde. Dazu kann er Angehörige befragen: „Was meinen Sie, möchte Ihr Vater in der Situation eine Operation oder möchte er nur noch eine schmerzlindernde Behandlung?“

Ab wie viel Jahren sollte ich eine solche Erklärung haben?

Ab 18. Ich kann von einer Sekunde auf die nächste in eine solche Situation kommen. Ein Unfall ist schnell passiert, ich kann eine Hirnverletzung erleiden – und dann sollte ich festgelegt haben, ob ich weiter beatmet werden will, oder ob man mich in Ruhe sterben lassen sollte.

Gibt es einen Mustervordruck?

Auf keinen Fall sollte man frei formulieren, sondern einen Mustervordruck verwenden. Ich empfehle den vom Bundesjustizministerium oder vom Bayerischen Justizministerium, der mit dem C.H.Beck Verlag herausgegeben wird.

Muss ich zum Ausfüllen Vorwissen haben?

Der bayerische Vordruck ist leichter verständlich, der vom Bundesjustizministerium ist kein in sich geschlossenes Werk: Ich muss Satzbausteine zusammensetzen und kann so einzelne Regelungen kombinieren. Für jemanden, der sich vorher nicht mit dem Thema befasst hat, ist das schwieriger.

Was muss in der Patientenverfügung drinstehen?

Das Wichtigste ist eine klare Festlegung der Situationen, in denen sie gelten soll. Typischerweise sind es vier: Der unmittelbare Sterbeprozess sowie das Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit. Als dritte Situation folgt der fortgeschrittene Hirnabbau-Prozess, wie bei Demenz oder Alzheimer, und als vierte die Hirnschädigung wie beim Wachkoma-Patienten.

Muss das so exakt formuliert sein?

Eine Patientenverfügung, in der drinsteht: „Wenn ich nicht mehr bei Sinnen bin“ oder „Wenn ich nicht fähig bin, meine Dinge eigenständig und verantwortlich zu regeln“ ist Blödsinn. Stellen Sie sich vor: Ich gehe aufs Oktoberfest, trinke einen über den Durst – dann kann ich auch nicht mehr verantwortlich handeln, möchte aber selbstverständlich behandelt werden, wenn mir etwas auf dem Heimweg passiert.

Was hat in einer Patientenverfügung nichts zu suchen?

Das wäre zum Beispiel der Wunsch nach einer Tötung. Das ist nach unserem Recht unzulässig. Steht das drin, wird aber nicht die gesamte Erklärung unwirksam. Wenn ich mir beim Inhalt unsicher bin, kann ich auch den Hausarzt oder einen spezialisierten Juristen fragen.

Muss ein Notar die Patientenverfügung beglaubigen?

Nein, der Gesetzgeber hat nur die Schriftform vorgeschrieben. Mit der Hand zu schreiben geht auch, ist aber nicht nötig – anders als beim Testament.

Muss ich meine Patientenverfügung registrieren lassen?

Nein, ich muss nur dafür sorgen, dass der Arzt oder das Pflegeteam von der Verfügung weiß. Am besten wäre es, ich nehme sie bei der Einlieferung mit ins Krankenhaus. Dann kann sie in der Patientenakte vermerkt werden.

Wo bewahre ich die Verfügung im Alltag auf?

Ich empfehle immer, zwei Originale herzustellen und jedes zu unterschreiben. Am besten in Blau, dann sieht jeder sofort, dass es das Original ist. Eines sollte der Bevollmächtigte bekommen und eines sollte griffbereit zuhause liegen. Nachbarn oder Angehörige sollten wissen, wo es ist – falls es mal schnell gehen muss. Am besten ist ein Ordner, der die Vorsorgevollmacht, die Patientenverfügung und das Testament enthält, wenn es denn nicht hinterlegt ist.

Muss ein Arzt bei der Behandlung meine Erklärung immer beachten?

Ja, immer dann wenn er meint, dass die beschriebene Situation vorliegt. Wenn er sich darüber hinwegsetzt, kann eine Körperverletzung vorliegen.

Wie oft muss ich meine Erklärung erneuern?

Nie. Wie bei jeder anderen Willenserklärung auch, ist sie wirksam, sobald ich sie einmal unterzeichnet habe. Ich kann aber jederzeit etwas ändern, widerrufen, neues hinzusetzen. Dann sollte ich daneben noch mal unterschreiben. So ist klar, dass die Änderung von mir stammt.

Interview: Angelika Mayr

Die Formulare

finden Sie auf den Seiten des Bundesjustizministeriums (www.bmjv.de) und des Bayerischen Justizministeriums (www.justiz.bayern.de).

Merkur-Sprechstunde am 14. Oktober

„Würde geben auf dem letzten Weg“: Unter diesem Motto steht unsere nächste Merkur-Sprechstunde am 14. Oktober ab 18 Uhr. 

Es geht um das Thema Palliativmedizin – und um die Frage: Wie soll man sich auf den letzten Weg vorbereiten? Unsere Experten, u.a. PD Dr. Dr. Berend Feddersen, Leiter der „spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung“ an der LMU, Prof. Dr. Christian Stief, Direktor der Urologischen Klinik der LMU und den Lesern bekannt von „Stiefs Sprechstunde“, sowie Ludger Bornewasser, Anwalt bei „Advocatio“ und Experte für das Thema "Patientenverfügung", werden Ihnen medizinische und juristische Ratschläge geben, zudem alle Ihre Fragen beantworten. Darüber hinaus erhalten Sie Broschüren und weiteres Infomaterial zum Mitnehmen.

Einige Podiumsgäste werden auch von persönlichen Erfahrungen berichten: Daniela B. wird erzählen, wie sie und ihre Familie mit einer tödlichen Krebserkrankung umgehen – Barbara Stäcker, was es heißt, einen geliebten Menschen zu verlieren: Ihre Tochter Nana starb an Krebs. Lydia Staltner, die sich mit dem Verein „Lichtblick Seniorenhilfe“ um bedürftige Rentner aus der Region kümmert (ein Projekt, das unsere Zeitung unterstützt), wird aufzeigen, wie Einsamkeit diesen letzten Weg erschwert und was man dagegen tun kann. Pfarrer David W. Theil wird aus theologischer Sicht sprechen.

Sie wollen dabei sein? Melden Sie sich bitte an – die Teilnahme ist kostenlos.

Merkur-Sprechstunde: Hier können Sie sich anmelden

Die „Merkur-Sprechstunde“ findet am Mittwoch, 14. Oktober, ab 18 Uhr im Veranstaltungssaal (Alte Rotation) des Münchner Pressehauses, Paul-Heyse-Str. 2-4, statt. Geben Sie bitte die gewünschte Teilnehmerzahl an. Schicken Sie uns eine E-Mail: mitarbeit.wissenschaft@merkur.de Sie erhalten eine Bestätigung.

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