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Wie stehen Sie zur künstlichen Lebens-Verlängerung? Mit einer Patientenverfügung kann jeder für den Fall vorsorgen, dass er nicht mehr in der Lage ist, bestimmte medizinische Behandlungen abzulehnen. So schafft man Klarheit und entlastet Angehörige und Ärzte.

Worte für Leben und Tod

Patientenverfügung: Darauf müssen Sie achten

Jeder kann selbst bestimmen, wie er zu künstlicher Lebensverlängerung steht. Klare Worte helfen Arzt und Angehörigen. Die Stiftung Warentest erklärt, worauf es bei einer Patientenverfügung ankommt.

Fragen zu Vorsorgedokumenten wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung gehören heute bei vielen stationären Aufenthalten zum Klinikalltag. Klar im Vorteil ist laut der Stiftung Warentest, wer sich bereits zuvor mit diesen wichtigen Dokumenten beschäftigt und für den Notfall vorgesorgt hat. Die Zeitschrift „Finanztest“ beantwortet in ihrer Januar-Ausgabe die wichtigsten Fragen zu den Vorsorgedokumenten.

Dabei raten die Finanztester der Stiftung Warentest auch Jüngeren dazu, auf jeden Fall eine Patientenverfügung zu verfassen. Denn mit diesem Dokument sorgen sie für jede Phase des Lebens vorausschauend für den Fall persönlicher Entscheidungsunfähigkeit vor und entscheiden so mit, wie sie in bestimmten Krankheitssituationen am Lebensende ärztlich behandelt oder pflegerisch begleitet werden wollen.

Eindeutiger Inhalt wichtig

Seit dem Jahr 2009 ist gesetzlich klar geregelt, dass der Inhalt einer Patientenverfügung für alle Beteiligten verbindlich ist, sofern daraus der Patientenwille für die konkrete Behandlungssituation klar und eindeutig herauszulesen ist. Das Problem in der Praxis: Verfügungen sind häufig nicht präzise genug formuliert. Damit es über den in einer Patientenverfügung erklärten Willen keinen Streit gibt, müssen Patienten eindeutig bestimmen, was sie wünschen. Erst kürzlich hat der Bundesgerichtshof ein wegweisendes Urteil gefällt: Behandlungssituationen und Maßnahmen, die vorzunehmen oder zu unterlassen sind, müssen konkret genannt sein (Az. XII ZB 61/16).

Arzt entscheidet nie alleine

Ob mit oder ohne Patientenverfügung: Die Entscheidung über eine Behandlung fällt nie der Arzt alleine. Liegt eine ärztliche Indikation vor und kann ein Patient nicht entscheiden, trifft der Arzt gemeinsam mit dem in einer Vorsorgevollmacht Bevollmächtigten Entscheidungen über Untersuchungen und Therapie. Ist niemand mit der Gesundheitssorge bevollmächtigt, bezieht der Arzt einen vom Gericht bestellten Betreuer in seine Therapieentscheidung ein. Der Betreuer hat Handlungsbefugnis und soll im Sinne des Patienten entscheiden. Je klarer die Patientenverfügung, umso einfacher für alle Beteiligten, in seinem Sinne zu handeln.

Ohne Patientenverfügung versuchen die Beteiligten, den mutmaßlichen Willen des entscheidungsunfähigen Patienten zu ermitteln: Über Angehörige oder Freunde, die sich erinnern, ob der Patient sich in gesunden Tagen zu lebensverkürzenden oder -ver–längernden Therapien geäußert hat. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch Schriftstücke, in denen der Patient seine Wertvorstellungen dokumentiert hat.

Im Ernstfall das Original

Die Patientenverfügung muss im Original vorliegen, unterschrieben und datiert sein. Es muss geklärt sein, wer Zugriff auf die Verfügung hat. Liegt das Dokument zu Hause in einem Notfallordner, sollten der Bevollmächtigte und der behandelnde Arzt eine Kopie haben. Sinnvoll ist auch, im Portemonnaie einen Hinweis auf Dokumente und den Bevollmächtigten zu hinterlassen, zum Beispiel auf einer Notfallkarte.

Die meisten haben keine Verfügung

Fast alle Menschen in Deutschland – 94 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre – haben schon mal von der Möglichkeit gehört, in einer Patientenverfügung zu regeln, wie die Behandlung am Lebensende aussehen soll, wenn sie durch einen Unfall, eine Krankheit oder altersbedingt selbst keine Entscheidung mehr treffen können. Nur vier Prozent kennen diese Möglichkeit nicht. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Dennoch hat sich nur gut ein Viertel der Bevölkerung bisher darum gekümmert. Vor allem ab 60-Jährige und Ältere sind für das Thema sensibilisiert. Beim Zentralen Vorsorgeregister sind seit Gründung im Jahr 2005 rund 220 000 Verfügungen registriert. Aber das sind längst nicht alle. Experten gehen davon aus, dass es Hunderttausende, vielleicht auch einige Millionen Patientenverfügungen gibt. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt.

Selbst Initiative ergreifen

Wer eine Patientenverfügung erstellen möchte, muss selbst die Initiative ergreifen. Es gibt viele Anlaufstellen wie Ärzte, Betreuungsbehörden, Rechtsanwälte oder Notare, um sich beraten zu lassen. Auch vorgefertigte Musterformulare helfen, sich zu orientieren. Kostenlose Formulare bietet zum Beispiel die Stiftung Warentest für Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung an. Diese gibt es online unter: test.de/vorsorgeformulare-pdf.

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