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Medizin-Anwalt Wolfgang Putz.

Medizin-Anwalt beantwortet wichtigste Fragen

Patientenverfügung und Vollmacht: Darauf muss man achten!

München - Der Müchner Medizin-Anwalt Wolfgang Putz (63) beantwortet in der tz die wichtigsten Fragen zur Patientenverfügung (PV) und Vorsorge-Vollmacht.

Was sollte in einer PV festgelegt werden?

Die PV sollte nicht nur allgemeine Formulierungen enthalten, wie den Wunsch „in Würde zu sterben“. Vielmehr sollte konkret festgelegt werden, unter welchen Bedingungen Untersuchungen und Behandlung nicht begonnen oder fortgesetzt werden dürfen. „In 99,9 Prozent der Fälle legen die Patienten fest, dass sie keine künstlich lebensverlängernden Maßnahmen wollen“, sagt Putz.

In wieweit ist die PV für den Arzt bindend?

Die PV kann dem Arzt nur Behandlungsverbote für an sich medizinisch korrekte Behandlungen aussprechen – etwa das klare Verbot, ein Leben in Bewusstlosigkeit künstlich zu verlängern. „An Behandlungsvorgaben muss sich der Arzt nicht halten. Sie können keinen Arzt zu lebenserhaltenden Maßnahmen, wie zum Beispiel einer Dialyse, zwingen, wenn er dies für medizinisch nicht sinnvoll hält.“

Wer sollte eine PV ausfüllen?

Jeder ab dem 18. Lebensjahr. In Sonderfällen geht dies auch bei schwerkranken Minderjährigen.

Was muss ich bei der Vorsorge noch beachten?

„Neben einer Patientenverfügung sollte immer ein Vorsorge-Bevollmächtigter, wie beispielsweise Ehegatte, Angehöriger, Freund, eingesetzt werden“, sagt Putz. Dieser kann Sie im Notfall vertreten und Ihre PV durchsetzen.

Wo gibt’s den Vordruck für eine Patientenverfügung?

Die Erstellung einer PV ist kostenlos und bedarf keinem Anwalt oder Notar. Erhältlich zusammen mit einer Vorsorgebroschüre beim Bayerischerischen Justizministerium: Entweder über das Internet (www.justiz.bayern.de) oder im Buchhandel beim Beck Verlag.

Kann die PV auch mündlich erfolgen?

Wenn die PV mündlich geäußert wird, handelt es sich im Rechtssinn um Behandlungswünsche. Putz: „Diese sind rechtlich genauso bindend, da der Patient darin seinen Willen geäußert hat.“

Wie oft sollte eine PV bestätigt werden?

Wolfgang Putz empfiehlt, alle „paar Jahre“ die PV zu bekräftigen. Vor allem dann, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert.

Wo bewahrt man die PV am besten auf?

Idealerweise zuhause bei den persönlichen Dokumenten und Akten, damit ein Vorsorge-Bevollmächtigter sie im Notfall schnell findet und reagieren kann.

Was droht dem Arzt, wenn er sich nicht an das Behandlungsverbot der PV hält?

Die künstliche Lebenserhaltung gegen den Willen des Patienten ist nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2010 strafbare Körperverletzung. „Sie sollten sofort gerichtlich dagegen vorgehen“, rät Putz.

Christina Lewinsky

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