+
Medikamente mit Penizillin vertragen viele Patienten nach eigenen Angaben nicht. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Teure Medikamente vermeiden

Penizillin-Allergie ist meist gar keine

Immer häufiger geben Patienten beim Arzt an, keine Antibiotika mit Penizillin zu vertragen. Dann brauchen sie teurere Medikamente, die im Zweifel weniger gut wirken. Neun von zehn dieser Patienten haben jedoch gar keine Allergie. Aber wie lässt sich das herausfinden?

Heidelberg/Berlin (dpa/tmn) - Wenn ein Arzt einem Patienten ein penizillinhaltiges Antibiotikum verschreiben will, bekommt er oft zu hören: "Das vertrage ich leider nicht." Denn immer mehr Menschen glauben, gegen Penizillin allergisch zu sein.

Neuere Studien zeigen aber: Nur bei zehn Prozent dieser Menschen ist das wirklich der Fall. Wer auf einige Fragen beim Arztbesuch richtig vorbereitet ist, hilft nicht nur dem Mediziner, das passende Medikament zu verschreiben - sondern durch die passende Arznei am Ende vor allem sich selbst.

"Die meisten glauben, sie hätten eine Allergie, weil sie vor vielen Jahren schon mal Hautausschlag hatten, als sie Penizillin genommen haben", erklärt Martin Hartmann aus der Hautklinik der Universität Heidelberg. Doch diese Reaktion kann zum Beispiel auch durch den Infekt selbst ausgelöst worden sein. Hartmann rät deshalb, dem Arzt sehr genau zu beschreiben, wie man wann auf ein penizillinhaltiges Medikament reagiert hat: Handelte es sich um einen Ausschlag oder um andere Symptome wie Atemnot oder Ohnmacht? Trat die Reaktion sofort auf, also innerhalb von Stunden? Oder erst nach einigen Tagen?

Selbst wenn der Arzt aufgrund dieser Beschreibungen tatsächlich eine Allergie vermutet, muss das noch nicht heißen, dass der Patient noch immer allergisch ist. "Allergien können sich auch verlieren", erklärt Hartmann: Fünf Jahre nach dem ersten Auftreten sei das bei 50 Prozent der Patienten der Fall, nach zehn Jahren sogar bei 80 Prozent.

Problematisch sind sogenannte unechte Allergien, weil ohne Not andere Antibiotika verschrieben werden. Das könne Resistenzen fördern, warnt Hartmann. "Die meisten sogenannten Betalactam-Antibiotika, zu denen auch Penizillin gehört, sind zudem günstig und sehr gut verträglich", ergänzt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Deswegen zählten sie eigentlich zur ersten Wahl, wenn ein Antibiotikum verschrieben werden muss. Sellerberg rät Patienten, die glauben, allergisch zu sein, dies von einem Allergologen überprüfen zu lassen: "Nur ein Allergietest zeigt, ob wirklich eine Allergie vorliegt."

Antibiotika werden bei bakteriell verursachten Infekten eingesetzt, gegen Viren beispielsweise bei einer Erkältung oder Grippe wirken sie nicht. Um zu vermeiden, dass immer mehr Bakterien resistent gegen die Mittel werden, sollten Patienten Antibiotika immer genauso einnehmen, wie der Arzt es erklärt hat.

"Meist geht es den Patienten schnell besser", sagt Sellerberg. "Dann darf man die Mittel aber nicht eigenmächtig absetzen." Sie müssen so lange genommen werden, wie vom Arzt verordnet. Die Apotheker raten außerdem dazu, übrig gebliebene Tabletten im Hausmüll zu entsorgen. Sie dürfen weder später noch einmal eingesetzt noch in der Toilette heruntergespült werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Sie könnten jeden Tag Salami-Pizza essen – doch plötzlich vergeht Ihnen die Lust? Dann könnte es ein Anzeichen auf etwas Bedrohliches sein.
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Mit nur 25 Jahren starb Bodybuilderin und Mutter Meeghan Hefford an einer Proteinüberdosis. Der Grund: ein seltener Gen-Defekt. Doch was hat es damit auf sich?
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Kommentare